Dampfer kommen auf den Geschmack der E-Zigarette

|
Vorherige Inhalte
  • Filialleiter Tobias Dietrich zeigt die zwei Formen  einer E-Zigarette:  Mit kompaktem leistungs- starkem Akkuträger  samt Display sowie in  Stiftform.   1/4
    Filialleiter Tobias Dietrich zeigt die zwei Formen einer E-Zigarette: Mit kompaktem leistungs- starkem Akkuträger samt Display sowie in Stiftform. Foto: 
  • Die LED-beleuchtete  Liquid-Test-Bar ist immer  geöffnet, hier mit Laden-Inhaber  Rainer Czerny. Seine Mitarbeiter  stehen gerne unter Dampf. 2/4
    Die LED-beleuchtete Liquid-Test-Bar ist immer geöffnet, hier mit Laden-Inhaber Rainer Czerny. Seine Mitarbeiter stehen gerne unter Dampf. Foto: 
  • Jedes Liquid-Fläschchen hat ein anderes Design. 3/4
    Jedes Liquid-Fläschchen hat ein anderes Design. Foto: 
  • Auch hier ist nur ein Liquid drin. 4/4
    Auch hier ist nur ein Liquid drin. Foto: 
Nächste Inhalte

Hast Du noch was anderes im Abgang?“, fragt ein Kunde, nachdem er an der E-Zigarette gezogen, Dampf abgelassen und den Geschmack mehr oder weniger genüsslich gekaut hat. Der Cherrymix ist nicht so ganz sein Fall, aber fruchtig sollte das Aroma schon sein. Deshalb probiert er an der Testbar im E-Zigarettenladen „Dampf-Generation“ in der Frauenstraße noch die Alternative Amarena-Kirsch.

Der promovierende Student der Neurobiologie an der Uni Ulm ist vor vier Jahren auf E-Zigaretten umgestiegen, „weil ich gestunken habe und auch aus gesundheitlichen Gründen“. Die elektrische Zigarette schmecke ihm und tue gut. Außerdem ist er froh, dass er seit vier Jahren nicht mehr online seine Zutaten bestellen muss, sondern sich inzwischen in Läden beraten lassen kann. Aktuell gibt es zwei in Ulm und einen in Söflingen.

Dazu sagt „Dampf-Generation“-Inhaber Rainer Czerny: „Die Entwicklung der E-Zigarette ist enorm, wir stehen erst bei 10 auf der Skala von 1 bis 100.“ Er ist sich sicher, dass es in fünf bis zehn Jahren noch viel mehr Nutzer gibt, weil das E-Zigarettendampfen viel weniger schädlich sei als das Rauchen (siehe Infokasten). Erfunden wurde die E-Zigarette bereits 1963 von einem Deutschen. Bislang sehe man auf der Straße aber noch kaum jemanden, weil Dampfer kurz an der E-Zigarette ziehen und sie dann verschämt wieder in die Tasche stecken. „Man erkennt sie höchstens an der Dampfwolke.“

E-Zigarette in Pfeifenform

Dabei braucht man die Geräte gar nicht zu verstecken, die Hardware wurde vor allem in China weiterentwickelt. Da gibt es zigarettenschachtelgroße Akkuträger (für die Batterien) aus Edelstahl oder mit einer in Regenbogenfarben schillernden Lasur. Die Preise liegen zwischen 30 und 110 Euro. Oder einen weißen Akkuträger mit Messingapplikation. Store-Manager Dennis Gerstendorf besitzt einen aus Aluminium, der auf der einen Seite mit Leder vom Stachelrochen verziert ist und auf der anderen Seite wegen des feinen Carbonmusters schillert. Wert: 690 Euro.

Inzwischen gebe es sogar schon E-Zigaretten-Sammler, sagt der 35-Jährige und zeigt ein Exemplar in Pfeifenform, in das man Liquids mit Tabakaroma füllen kann. Frauen unter den Dampfern – ihr Anteil liegt bei 50 Prozent – bevorzugen leichte stiftförmige Modelle in allen Farben oder in Metallic-Optik.

Aber wie funktioniert eine E-Zigarette überhaupt? Wenn der Konsument daran zieht, registrieren Sensoren in der Zigaretten den entstehenden Unterdruck. Der Strom aus dem Akkuträger erwärmt eine Metallspule, die in Baumwollwatte gebettet ist. Die Watte ist stets mit Liquid getränkt, das dann durch die Erhitzung verdampft. Dieser Dampf wird inhaliert. Verbrannt wird nichts im Gegensatz zur Tabakzigarette. „Deshalb dampfen wir, wir rauchen nicht“, betont Filialleiter Tobias Dietrich. Trotzdem heißt sein Laden in der Salzstadelgasse eSmoking-Shop.

Die Liquids wiederum bestehen aus den Lösungsmitteln Propylenglykol und Glycerin und gängigen Lebensmittel-Aromen, wie sie etwa in Süßigkeiten vorkommen. Je nach Wunsch des Kunden wird dem Gemisch mehr oder weniger oder gar kein Nikotin zugemischt. Wer mit dem Rauchen aufhören will, mischt über die Jahre dem Liquid immer weniger Nikotin bei.

Starke Raucher sparen sogar viel Geld. Denn ein Liquidfläschchen mit zehn Milliliter Inhalt kostet 6 Euro und reiche für fünf Tage. Dann muss man noch an neue Batterien denken und alle drei Wochen einen frischen Verdampferkopf kaufen. Fazit: „Bei Anfängern ist das Thema sehr beratungsintensiv“, sagt Dietrich. Bis es zum Kauf kommt, könne es bis zu sechs Stunden dauern.

Denn: Bevor sich der Kunde an die Bar setzt, an der er zumindest 100 verschiedene Liquids von insgesamt 700 möglichen testen kann, schaut er erst eine Weile in die „Speisenkarte“, wie die Auflistung der Liquids genannt wird. Denn da lockt nicht nur Cremiges wie Espresso mit leichter Schokonote, Kaffee und „Original Apfelstrudel“, sondern es sind auch erfrischende Aromen möglich wie Wassermelone, Eisbonbon und kühle Minze.

Um diese Frische ebenso im Laden zu suggerieren, tragen die Verkäufer in der „Dampf-Generation“ stets blaue Polohemden. Die Bar ist mit blauen LED-Leuchten bestückt, und an der Wand hängt ein großes Foto vom Eiffelturm unter blauem Himmel, weil in Paris hochwertige Liquids hergestellt werden.

Zurück zu den Aromen: Wer es deftig mag, für den gibt es sogar die Geschmacksrichtungen Currywurst und Brathähnchen. Die passen wiederum wunderbar zu Ulm/Neu-Ulms „Dampfertreffen“: Dieser Stammtisch findet jeden ersten Samstag im Monat in der TSV-Gaststätte Muthenhölzle in Neu-Ulm, Europastraße 15, statt.

Empfehlen Lungenfachärzte zur Ent-
wöhnung tatsächlich
die E-Zigarette mit
sinkendem Nikotin-
gehalt?

Dr. Michael Barczok: Das stimmt ein Stück weit, wobei es dazu sicher bessere Wege gibt.

Sind E-Zigaretten nicht so gesundheitschädlich wie Tabak-Zigaretten?
Das stimmt so nicht, weil alle Folgeerkrankungen rund um das Nikotin dabei unter den Tisch fallen. Richtig ist, dass das Risiko, an einer COPD zu erkranken, tatsächlich deutlich geringer ist. COPD entsteht durch Feinstaub und die Lähmung der Flimmerhärchen, unserer „Müllabfuhr“. Da beim Verdampfen kein Feinstaub freigesetzt und auch weitere Schwelprodukte nicht anfallen, ist dieser Punkt medizinisch bedeutsam. Deshalb empfehlen wir alten Rauchern, die es nicht mehr schaffen, ganz aufzuhören, dann wenigstens auf E-Zigaretten umzusteigen. E-Zigaretten sind aber keinesfalls unproblematisch und sozusagen für den unkritischen Massen­einsatz geeignet.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Gutes Wahlergebnis für die AfD in Wiblingen

In Wiblingen hat die AfD bis zu 25 Prozent bekommen. Ein Großteil vermutlich von den Russlanddeutschen wie die Partei selbst sagt. Warum? weiter lesen