Damit es nicht beim bunten Anstrich bleibt

Dass Ulm internationale Stadt ist, hat der Gemeinderat bereits im vergangenen Jahr beschlossen. Damit es nicht nur bei schönen Worten und einem bunten Anstrich bleib, hat jetzt Saliou Gueye seine Stelle als Koordinator des Konzepts angetreten.

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Saliou Gueye möchte die Ulmer ermuntern, noch mehr aufeinander zuzugehen. Foto: Volkmar Könneke

Dass Ulm internationale Stadt ist, hat der Gemeinderat bereits im vergangenen Jahr beschlossen. Damit es nicht nur bei schönen Worten und einem bunten Anstrich bleib, hat jetzt Saliou Gueye seine Stelle als Koordinator des Konzepts angetreten. "Ich freue mich darauf", sagt Gueye: "Ulm ist eine wunderschöne Stadt."

Wie es ist, in ein fremdes Land, in eine fremde Stadt zu kommen, weiß der 45-Jährige aus eigener Erfahrung. Geboren und aufgewachsen ist er in der senegalesischen Hauptstadt Dakar. Vor 18 Jahren hat er seine Heimat in Richtung Deutschland verlassen, ursprünglich mit dem festen Vorsatz, als Entwicklungshelfer zurückzukehren. "Na ja, daraus ist dann nichts geworden, wie man sieht", sagt Gueye lächelnd. Hinderungsgrund Nummer eins war, "dass ich in Mannheim meine wunderschöne Frau kennengelernt habe", erzählt er. Die übrigens auch ursprünglich aus dem Senegal kommt; die gemeinsame Tochter, inzwischen 6 Jahre alt, macht die Familie komplett.

Zunächst hatte Gueye an der Uni in Dortmund Soziologie und Raumplanung studiert. Was Raumplanung mit Entwicklungshilfe zu tun hat? "Sehr viel", erklärt Gueye. Wie eine Stadt aufgebaut ist, ihre Infrastruktur, die Wohnviertel und die Zusammensetzung der Bevölkerungsschichten, das alles sei entscheidend für ihre Entwicklung. Übrigens auch in Bezug auf Internationalität. "Ein Städteplaner muss der Tatsache Rechnung tragen, dass die Städte immer bunter werden."

Sein erster Eindruck von Ulm in dieser Hinsicht sei übrigens gut. "Ulm ist eine sehr offene Stadt", sagt Gueye. Das sei für ihn auch ein Grund dafür gewesen, sich auf die Stelle zu bewerben, die zunächst auf fünf Jahre befristet ist.

Zuvor hat Gueye unter anderem bei der AWO in Lübeck gearbeitet, war Stadtteilmanager in Mannheim und sechs Jahre lang Integrationsbeauftragter in Ludwigsburg. In Ulm möchte er nun die vom Gemeinderat vorbereiteten Richtlinien des Konzepts "Internationale Stadt" umsetzen. Wichtig ist Gueye, dass die interkulturellen Kompetenzen der Bürger genutzt werden, dass sich also jeder so gut einbringen kann, wie es ihm möglich ist. "Die Menschen sollen an der Gemeinschaft teilhaben können, dann fühlen sie sich auch wohl", sagt er. Dazu müssten sich aber beide Seiten öffnen.

Das ist ihm bereits bewusst geworden, als er neu in Deutschland angekommen war. "Ich falle natürlich allein wegen meiner Hautfarbe auf", sagt er. "Und was ich mir so an Vorurteilen über Afrika anhören musste, war schon interessant. Im Nachhinein kann ich darüber lachen." Anstatt sich aber beleidigt zurückzuziehen hat er gelernt, auf die Menschen zuzugehen. Und hat festgestellt, dass hinter Rassismus oft Ignoranz und Unwissen steckt - Dinge, an denen man arbeiten kann, also.

Zu vermitteln, wie bereichernd eine internationale, offene Gesellschaft ist, ist Gueye ein Anliegen. Er selbst fühlt sich in Deutschland genauso zuhause wie in Senegal, wo er einmal im Jahr hinfliegt. Wobei einige Seiten an ihm schon ganz schön deutsch geworden sind, wie er einräumt. "Wenn ich zum Beispiel in Senegal bin und der Bus kommt zu spät, rege ich mich auf. Alle um mich herum bleiben völlig gelassen."

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