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    Anstiege werden flacher, der Gegenwind erträglicher: Mit dem E-Bike wagen auch weniger trainierte Radler ungeahnte Touren. Foto: 
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    „Da geht wahnsinnig was ab“: Auch an Mountain-Bikes findet sich immer öfter ein Elektromotor nebst Akku. Foto: 
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Der Traum von uns Radlerinnen und Radlern sieht wohl so aus: Ein richtig schöner Rückenwind beflügelt uns, treibt uns voran. Er weht immer, ganz egal, in welche Richtung wir gerade fahren.

Der Traum ist Wirklichkeit geworden. Es gibt ihn, den Rückenwind zum Mitnehmen, sozusagen „to go“. Er wird gespeist von einem leistungsfähigen Akku, er unterstützt die Tretbewegungen, lässt sich sogar in der Intensität regulieren, indem man seine Stärke auf einem Display stufenweise einstellt: vom lauen Lüftchen für die  Ebene bis zur fast schon stürmischen Höchststufe für die Anstiege.

Aber ein Rad mit eingebautem Rückenwind zu fahren, ist das nicht gegen die Ehre? Schließlich tritt der „richtige“ Radler mit eigener Beinkraft sich und sein Gefährt bergauf. Ein Elektromotor samt Akku am Zweirad scheint da wie eine Bankrotterklärung: Nein, ich schaffe das nicht mehr. Je älter ich werde, umso steiler werden die Berge. Also muss ich mir helfen lassen. Hatten nicht einst Fahrräder mit Hilfsmotor das Image eines Krankenfahrstuhls? Sahen sie nicht irgendwie sogar ähnlich aus?

Doch, sie hatten dieses Image. Also bedurfte es der ganzen Überredungskunst des Teams der Fahrradmesse in Friedrichshafen, bis wir auf E-Bikes saßen. Fühlte sich an wie ein Fahrrad, ließ sich steuern wie ein Fahrrad, ließ sich treten wie ein Fahrrad – kurz: Es war ein richtiges Fahrrad! Und es brachte Spaß im voralpinen Hügelland, ließ Anstiege flacher werden, machte das Antreten gegen den ärgsten Feind des Radlers, den Luftwiderstand, leichter. Überhaupt nicht außer Atem, nicht einmal transpirierend, stiegen wir nach der langen Testfahrt ab: Also wirklich, das hat doch was! Der erste Schritt, oder besser: Tritt, zum Abbau der Vorurteile war getan.

Ein paar Jahre sind inzwischen vergangen. Heute laden E-Bike-Produzenten schon mal zur Testfahrt ins andalusische Bergland. Auf Strecken, die nicht unbedingt geeignet erscheinen für entspanntes Vorankommen. Potenzielle Kunden sollen die Möglichkeit bekommen, gegen Entgelt unterschiedliche Modelle ausgiebig Probe zu fahren. Denn der Markt für Zweiräder, die  von immer kleineren und unauffälliger werdenden Akkus und Motoren vorangetrieben werden, ist groß: „normale“ City-Bikes, Fahrräder für die Stadt mit Einkaufskörbchen und Gepäckträger für den Alltagsgebrauch, Trekkingbikes, die auch geeignet sind für die größere Tour oder den Urlaub auf einem der immer zahlreicher werdenden, touristisch meist bestens erschlossenen Radfernwege, Lastenräder, die nicht nur dem innerstädtischen Gewerbebetrieb schnellere Lieferungen und Zufahrten zu den Kunden ermöglichen, sondern auch größere Routen oder die Mitnahme von Kind und Kegel und Zelt und Grill.

Es gibt Rennräder mit oft gut getarnter Motorunterstützung. Schon kursieren die ersten Vorwürfe  wegen „E-Dopings“ in der Radsportszene. Die erste Sünderin, die miniaturisierte E-Hilfe in Anspruch genommen hat, wurde bereits überführt.

Und es gibt den gegenwärtig heftigst boomenden Bereich der E-MTBs, der trendigen MountainBikes mit Akku und Motor. „Da geht wahnsinnig was ab“, sagt Tobias Spindler, Sprecher des Herstellers Riese und Müller. Dirk Zedler, Fahrradsachverständiger aus Ludwigsburg, hebt aber warnend den Zeigefinger: „Nicht jeder, der es damit jetzt leicht den Berg rauf schafft, schafft auch den stets schwierigeren Weg wieder runter. Da muss man schon das Rad gut beherrschen, und man kann es ja auch mit seinen gut 20 Kilo Gewicht nicht so einfach über Hindernisse tragen.“

Auch wer nicht gleich das Geld ausgeben will für eine Testfahrt zwischen den Orangen- und Zitronenhainen Südspaniens und atemberaubender Aussicht auf den hoch droben an den Felsen klebenden Wanderweg, den viel Mut erfordernden Camino del Rei, den königlichen Weg, wird mit E-Bikes bestens versorgt. Ausleihstationen gibt es inzwischen viele, manche Regionen werben damit gar um Touristen. Das ist neben der obligatorischen, ausführlichen Probefahrt beim Radhändler gewiss ein guter Weg, herauszufinden, ob man „schon reif ist“ für das unterstützte Fahren.

Wobei die „Reife“ gerade nicht ans Lebensalter gekoppelt ist, wie man früher gerne unterstellte. Das motorunterstützte Fahren ist eine höchst attraktive Möglichkeit, Menschen egal welchen Alters vom Sofa zu locken und in Bewegung zu bringen. Denn treten muss man nach wie vor, wenn auch etwas leichter.

„Früher haben uns manche Kunden eher mit leiser Stimme gefragt, ob wir auch E-Bikes hätten“, sagt Sven Frank vom Fahrradhändler Delta-Bike, der sich auf sportliche Zweiräder spezialisiert hat.  „Heute ist das ein Riesenthema, ist komplett akzeptiert und spielt auch für uns im Laden eine sehr große Rolle.“ Bei der Nachfrage sieht Frank bei den Kunden zwei Gruppen: die eher an Freizeitvergnügen und Radlspaß Orientierten und die harten Trainierer. Letztere bleiben eher beim traditionellen, muskelgetriebenen Rennrad oder Mountainbike. Die anderen freuen sich über die Möglichkeit, „jetzt auch einmal längere und/oder steilere Anstiege zu fahren, im hoch droben lockenden Gasthaus ein alkoholfreies Weizenbier zu trinken oder für ihre Touren einen größeren Radius zur Verfügung zu haben“, so Frank. Solche Radler freuen sich darüber, dass dank Elektro-Unterstützung auch Fahrer, die von Konstitution und Kondition her unterschiedlich stark sind, gemeinsam Strecken und Touren bewältigen können. Wie das Paar, das Frank unlängst „ganz glücklich“ erzählt hat, was man plötzlich so alles gemeinsam unternehmen kann.

 Und selbst das alkoholfreie Weizenbier auf der Passhöhe schmeckt nun anders. Wer, elektrisch beflügelt,  kaum verschwitzt und entspannt an der Hütte oben auf der Passhöhe ankommt, muss das Getränk nicht länger wie ein Verdurstender hastig hinunterstürzen.  Er oder sie wird es vielmehr in aller Ruhe genießen. Als Teil eines neuen Spaßes auf zwei Rädern.

        

Eisessen, Einkaufen oder ins Gelände?

„Das E-Bike schlechthin gibt es nicht mehr, sondern viele verschiedene, für jeden Einsatzzweck ein spezielles.“ Dirk Zedler (Foto), öffentlich bestellter und vereidigter Fahrradsachverständiger aus Ludwigsburg, empfiehlt Interessierten, zuerst diese Frage zu beantworten: „Was will ich damit tun?“ In der Stadt zum Eisessen oder zum Einkaufen fahren? Oder auf Tour gehen, längere Reisen unternehmen? Vielleicht ins Gelände hinaus fahren, auch auf Berge?

Die zweite Frage: Will ich ein E-Bike, dessen Motor die Tretbewegung bis 25 Stundenkilometer unterstützt, das als Fahrrad gilt, mit dem ich also alles wie gewohnt befahren kann? Oder will ich, weil ich zum Beispiel weitere Wege zur Arbeit täglich zurücklege, als Ersatz fürs Auto ein E-Bike, dessen Motor bis 45 km/h Unterstützung bietet?  Das braucht eine Straßenzulassung, das so genannte Mopedkennzeichen.

Wer sich für ein E-Bike interessiert, dem empfiehlt Zedler  „Probefahren“, um den passenden Motor zu finden. Und einen Fahrtechnik-Kurs, um sich an das höhere Tempo zu gewöhnen. 

Als Antriebsart rät Zedler zum Mittelmotor, weil der die meisten Variationsmöglichkeiten für die Schaltung zulässt. Zu den Preisen: „Bei 2000 Euro geht’s los, drunter gibt’s nix G’scheits“, sagt Zedler. Um die 2500 Euro liegt die solide Mittelklasse.“ Außerdem: Etwa alle fünf Jahre werde ein neuer Akku fällig. Kostenpunkt: 350 bis 700 Euro.  lk

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