Cooler Sound der Metropole

Auch wenn der Name anderes vermuten lässt: Hinter Martin Dean stecken zwei Kreative. Yoyo Röhm und Sänger Patrick Pilsl, der aus Neu-Ulm stammt. Ihr neues Album heißt "Dr. Blue & Mr. Gold".

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    Kongeniale Partner beim Projekt Martin Dean: Yoyo Röhm (links) und Sänger Patrick Pilsl. Foto: 
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Viele Jahre stand Patrick Pilsl in Ulm und Neu-Ulm für so etwas wie echten Underground. In der Kradhalle setzte er im Künstlerkollektiv "Die Fantastischen Vier" starke Akzente, zudem war er die Stimme von diversen Bands, die eigentlich viel mehr als das Zeug zu regionalen Indie-Größen hatten. Gwen Stacey waren Indie pur, Gwen Tiller klangen groß, eigentlich sogar international, doch man stand sich und dem Erfolg selbst ein wenig im Weg.

Pilsl suchte sein Glück in Berlin - als Künstler, Modell mit Charaktergesicht und Musiker. Ein cooler Typ mit Rat-Pack-Stimme und Mackie-Messer-Charme, einer für die ganz breiten Nadelstreifen.

Vor zehn Jahren überraschte Pilsl dann zusammen mit seinem musikalischen Partner Yoyo Röhm mit dem Debütalbum "The Best of Martin Dean". Wer sonst schon hätte den Crooner mit dem Namendreher geben können, wenn nicht Pilsl, der Dean Martin genauso inhaliert hat wie einen Jacques Brel. Das Duo konnte auch über Berlin hinaus punkten. Auf das zweite Album mussten Fans und Kritiker nun richtig lange warten.

Das Warten hat sich gelohnt, denn Röhm und sein Sänger haben sich nicht lumpen lassen. Das Babelsberger Filmorchester ist auf "Dr. Blue & Mr. Gold" ebenso vertreten wie Jochen Arbeit, Carl Carlton, der ansonsten Udo Lindenberg oder Peter Maffay als Gitarrist zur Seite steht, Alex Hacke von den "Einstürzenden Neubauten", Toby Dammit, der zuletzt mit Nick Cave live unterwegs war, oder Martin Weiss, der schon die Violine für Bireli Lagrene oder seinen Onkel Häns'che Weiss spielte.

Yoyo Röhm, der in den vergangenen Jahren bei zahlreichen Film- und Bandprojekten reichlich Erfahrung sammeln konnte und mit Pilsl ein eingeschworenes Songwriter-Team bildet, weiß die musikalischen Schwergewichte bestens einzusetzen. Das hat er ja bereits häufig als Sideman und Arrangeur von Ben Becker, den Neubauten oder sogar bei Maffays "Tabaluga" beweisen können.

"Which Side Are You On" heißt der mit Soul und von perfekten Bläsersätzen angetriebene Opener des Albums, und spätestens nach dem in sattes Arrangement gepackte "Hang Them High" steht fest: Hier wurde groß und international gedacht. Der ehemalige Underground-Crooner tänzelt nicht durch Berliner Hinterhöfe, sondern über verspiegelte Laufstege. Mit Jazz, Soul oder Funk-Elementen ist hier richtig cooler "Hot Stuff" entstanden, angereichert mit satten Crooner-Nummern, Country-Style sowie potenziellen und opulenten Film-Abspannnummern wie etwa "Gone". Ohne Frage: Wenn die Marketing-Maschine den richtigen Dreh findet, könnte man mit diesem Album hoch hinaus. Martin Dean hat mit diesem Metropolen-Sound das Zeug dazu, mehr als nur ein Berliner Kultphänomen zu sein.

Frontmann Patrick Pilsl war und ist eine Marke, und im grandiosen, von Streichern umrankten Chanson "Owl Song", dem ein Gedicht von Ted Hughes zu Grunde liegt, läuft er zur Hochform auf. Das Album ist ein Hoch auf den "Lonesome Man" im Herzen der nächtlichen Großstadt. Bereits jetzt wird am dritten Album gearbeitet, das Duo ist im Flow. Und Pilsl ist weiterhin auch als Künstler aktiv. "Ich male halt meine Bilder", sagt er, zudem ist er multikünstlerisches Mitglied der Wien-Berlin-Klagenfurter "Kunstsportgruppe Hochobir", die vom üblichen Ausstellungsformat bis zur wahnwitzigen Performance für so ziemlich alles gut ist, und Barmann und Mitmacher in Andrew Greifs "Griffin" in der Berliner Invalidenstraße. Zusammen mit Greif hat er ja einst in der Kradhalle neue künstlerische Horizonte ausgelotet. Nun also mit Yoyo Röhm auch musikalische.

Die Anfänge

Sänger Patrick Pilsl wurde 1964 in Neu-Ulm geboren - als Sohn des späteren Musikschulleiters Fritz Pilsl. 1980 war er einer der Mitbegründer der Künstlergruppe "Die Fantastischen Vier", die sich, um Missverständnisse mit dem gleichnamigen Stuttgarter Hip-Hop-Quartett zu vermeiden, 1982 in Künstlergruppe Kradhalle umtaufte. Seit 2001 arbeitet er mit Yoyo Röhm am Projekt Martin Dean.

Album "Dr. Blue & Mr. Gold" ist auf dem Label Music Agents erschienen, das von Cargo vertrieben wird.

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