Citynah wohnen

Nach fast acht Jahre dauernden Planungen und Planänderungen ist es so weit: Der alte Betriebsstandort der Schwabengarage in Ulm wird Baugebiet. An der Marchtalerstraße entstehen 109 citynahe Wohnungen.

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Die ersten beiden der neun Wohngebäude, die auf dem ehemaligen Schwabengaragen-Gelände an der Marchtalerstraße entstehen. Animation: RI Immobilien/Mühlich, Fink & Partner

Bagger, Abrissbirne, Lastwagen sind aufgefahren, es ist also doch noch unumkehrbar geworden: Aus einer weiteren Ulmer Industriebrache, dem früheren Firmengelände des Ford-Autohauses Schwabengarage an Marchtalerstraße und Brenztal-Bahnlinie, wird ein Wohngebiet. In drei Bauabschnitten können dort nahe der Ulmer Innenstadt nunmehr 109 neue Eigentumswohnungen entstehen.

Das Aufatmen der Protagonisten ist unüberhörbar, denn dieser weitere Akt der Umwandlung eines lange gewerblich genutzten Stadtareals für Wohnzwecke drohte zur unendlichen Geschichte zu werden. Zwei der unmittelbar Beteiligten (siehe Info-Kasten) sind der für den Entwurf verantwortliche Architekt Peter Fink und Günther Zeller von der Immobilienwerkstatt, Büro für Planen und Bauen. "Endlich gehts los", sagen beide erleichtert und rechnen damit, dass nach Abbruch- und Altlastenbeseitigung um den Jahreswechsel herum mit dem Hochbau angefangen wird.

Das Projekt hat eine lange Planungsphase hinter sich. Einmal schien es gar, als sollten anstelle des Autohauses nicht neue Wohnungen entstehen, sondern ein Aldi-Markt. Letztlich vereitelte dies der Grundstückskauf durch die Immobilienwerkstatt. Diese griff auf einen Architektenwettbewerb von 2005 zurück, bediente sich dabei nicht des ersten Preisträgers, sondern der ihr städtebaulich überzeugender erscheinenden Arbeit des Büros Mühlich, Fink & Partner. Eins zu eins war aber auch dessen weiterentwickelter Entwurf noch lange nicht umzusetzen. Proteste aus der Nachbarschaft gegen Höhe und Baudichte sowie Ängste vor Verschattung führten zu Reduzierungen von sieben auf maximal fünf Geschosse und der Wohnungszahl von 150 auf 109. Dies alles "in hartem, aber fairem Ringen mit der Stadt" (Zeller).

Nun endet dieses zwischen deutscher Planungsgründlichkeit und stadtweit wachsender Widerspenstigkeit gegen Veränderung und Nachverdichtung mäandernde Kapitel doch noch in Realisierung, die in eine Phase fällt, in der stadtnahe Wohnungen gefragt sind wie nie. Zeller macht dafür zwar auch die durch die Sorge um die Euro-Stabilität forcierte Kapitalflucht in Immobilien verantwortlich. Er sieht aber auch Nachholbedarf: "Zwischen 2000 und 2010 wurden viel zu wenig gebaut." Selbstläufer seien neue Wohnungen bei allem Boom nicht. Auch wenn 22 der ersten 38 Einheiten bereits verkauft und sechs weitere reserviert seien, "muss jede Wohnung erst verkauft sein".

Fink hofft, dass sich die Konfliktlage mit der Nachbarschaft auflöst, sobald die ersten Wohnungen bezogen sind. Im neuen Quartier werde es gelingen, durch die städtebauliche Anordnung der Gebäude, unterschiedliche Wegebeziehungen und Raumqualitäten öffentlicher, halböffentlicher und privater Art ein gutes Nebeneinander zu schaffen.

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