Circus Corty Althoff: Pavlina ist eine Clownin mit Hausfrau-Gen

Pavlina ist seit 14 Jahren Teil der Salvini-Clowns-Nummer. Zusammen mit ihrem Mann Francesco tritt sie noch bis Mittwoch beim Circus Corty Althoff auf.

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Unter der weißen Schminke, dem roten Lippenstift und dem Clownskostüm sieht sie aus wie eine ganz normale Frau. Pavlina Luraschi ist der weibliche Part des Salvini-Clowns-Duos. Zusammen mit ihrem Ehemann Francesco mimt sie seit dem Jahr 2000 die Zirkusschelmin. Früher war sie Mitglied in einer Einradtruppe - 14 Jahre lang. Jetzt mache das Kreuz nicht mehr mit, erzählt sie in gebrochenem Deutsch. Dafür beherrscht sie fünf weitere Sprachen: Tschechisch, Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch. Die gebürtige Londonerin mit tschechischen Wurzeln, die mit ihrem Mann in Frankreich lebt, ist ein regelrechtes Kulturenchamäleon. Wie viele Artisten ist auch Pavlina in eine Zirkusfamilie hineingeboren. Mit acht Jahren stand sie zum ersten Mal auf der Bühne. Ein bisschen Wasser den Bach runter kann sie auf eine 36-jährige Karriere zurückblicken - und bereut nichts. Ein Leben ohne den Zirkus - unvorstellbar für sie. "Ich habe sieben Monate in einer Fabrik gearbeitet", erzählt die 44-Jährige, die nie eine Ausbildung gemacht hat. Schnell habe sie gemerkt, dass es nichts für sie sei. "Etwas vom Showbusiness muss sein", sagt sie und lacht. Dabei bewegen sich ihre großen, goldenen Creolen hin und her.

Seit März dieses Jahres hat Pavlina gemeinsam mit ihrem Mann, der im Übrigen nur sehr wenig deutsch spricht, ein Engagement beim Circus Corty Althoff. Zusammen sind sie die Salvini-Clowns. Auf dem Messegelände in Ulm haben sie sich in einem Wohnwagen häuslich eingerichtet. Am vergangenen Montag sind sie angereist, am Donnerstag war Premiere. Auch ihre 18-jährige Tochter Ludmilla ist mitgekommen. Und wie sieht ihr Programm aus? "Ich zeige Gino bei der 'komischen Küchennummer', wie er kochen muss, wir spielen Saxo- und Xylophon", erklärt Pavlina und ermahnt ihren Hund Geisha auf Italienisch, er solle Sitz machen. Gino ist Francescos Clowns-Alter-Ego. Nach dem gemeinsamen Auftritt komme dessen Reprise - eine Überbrückung, während ein anderer Artist seine Nummer auf der Bühne aufbaut. "Jedes Land hat ein anderes Publikum", stellt die Clownin fest. Das deutsche sei das Beste.

Der Begriff eierlegende Wollmilchsau passt auf Pavlina wie die Faust aufs Auge: Alles, was mit ihrer und der Clownsnummer ihres Mannes zusammenhängt, ist Eigenproduktion. Sie näht die Kostüme selbst, schreibt die Dialoge und übersetzt diese in die jeweilige Sprache des Gastlandes. Wenn Pavlina mal in den Genuss von Freizeit komme, seien ihre Hobbys die, die auch jede andere Frau habe: kochen, putzen, waschen. Das sagt sie ohne eine Spur von Sarkasmus. Darauf muss sie allerdings noch zwei Monate warten. Dann ist die Saison beim Circus Corty Althoff zu Ende und die dreiköpfige Familie geht zurück nach Frankreich, wo sie ein Haus hat. "Dort bleiben wir aber nur einen Monat", sagt Pavlina mit Wehmut in der Stimme. Was danach komme, stehe in den Sternen. Man lebe eben von Engagement zu Engagement.

Während im Fernseher irgendeine italienische Sendung über den Bildschirm flimmert und Francesco sich - in typisch italienischer Manier - einen Kaffee zubereitet, steigt bei Pavlina die Aufregung vor dem ersten Auftritt vor dem Ulmer Publikum. "Ich bin jedes Mal aufgeregt", räumt die 44-Jährige ein. "Bist du nicht nervös, dann liebst du deine Arbeit nicht." Eine plausible Schlussfolgerung. 
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