Caritas stellt fest: Konflikte in Familien nehmen deutlich zu

Trennung, Todesfall, schwere Beziehungsstörungen: Die Krisen, wegen der Familien Rat bei der Caritas suchen, nehmen zahlenmäßig deutlich zu. Doch auch in der Paar- und Lebensberatung steigt die Nachfrage.

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Es sind unterschiedliche Konflikte oder Krisen, die Familien belasten und die sie nicht allein bewältigen können. Das kann die Trennung der Eltern sein, ein Todesfall oder eine Krankheit, schwere Konflikte in der Familie oder Probleme in der Pubertät. Einen dieser Gründe gaben 71 Prozent aller Menschen an, die im vergangenen Jahr Unterstützung bei der Erziehungsberatung der Caritas Ulm gesucht haben. „Ein sehr deutlicher Anstieg im Vergleich zum Vorjahr“, sagt Andreas Mattenschlager, der Leiter der Psychologischen Familien- und Lebensberatung. Zuvor machten diese Krisen und Konflikte nur die Hälfte der Beratungsgespräche aus.

Insgesamt kamen 823 Kinder und Jugendliche in die Erziehungsberatung, außerdem waren 1783 Familienmitglieder einbezogen. In mehr als einem Viertel aller Fälle erschienen die Eltern den Beratern als nicht ausreichend kompetent, um eine gute Entwicklung der Kinder zu ermöglichen, berichtet Mattenschlager. Die Eltern waren überfordert oder sehr unsicher. Ebenfalls ein Viertel der Kinder zeigte „gravierende Auffälligkeiten“ im Sozialverhalten: Aggressivität ebenso wie Gehemmtheit oder soziale Isolation. In 54 Fällen (6,6 Prozent) stellten die Berater eine Gefährdung des Kindeswohls fest durch Traumatisierung, sexuellen Missbrauch, Vernachlässigung oder Gewalt.

Erziehungsberatung soll ein möglichst niederschwelliges Angebot für Familien sein, und das heißt auch: für Migranten. Für sie ist es wegen Sprachproblemen oftmals nicht so einfach, Beratung in Anspruch zu nehmen. Die Beratungsstelle bemühe sich sehr, auf Migranten zuzugehen, beispielsweise mit sozialräumlichen Angeboten oder Veranstaltungen in Kindergärten und Schulen. „Gerade für Kinder ist es eine Herausforderung, in einer fremden Kultur heimisch zu werden, ohne die eigenen Wurzeln zu verlieren“, sagt Mattenschlager. Sie müssen einerseits mit Gleichaltrigen eine gemeinsame Basis finden, sollen andererseits aber die Werte der Familie nicht verraten.

Besonderes Gefährdungspotenzial für Kinder liege in finanzieller Not der Familie. „Das Risiko, an einer psychischen Störung zu leiden, steigt mit Armut drastisch an“, sagt der Psychologe.

Neben der Erziehungsberatung bietet die Caritas Paar- und Lebensberatung an. Die Nachfrage übersteigt die Kapazitäten bei weitem, vor allem, nachdem durch das Ausscheiden einer Kollegin eine halbe Stelle reduziert worden ist. „Wir konnten einem großen Teil der Anfragen nicht nachkommen. Über die Hälfte der Ratsuchenden mussten wir leider abweisen.“ Die anderen mussten teils lange auf einen Termin warten. 163 Menschen nahmen die Paarberatung in Anspruch.

Die ausgesprochen große Nachfrage nach Paar- und Lebensberatung stellt auch die Beratungsstelle der Diakonie fest (wir berichteten). „Gerade für Menschen, die keine Kinder haben oder deren Kinder bereits erwachsen sind, ist in den letzten Jahren in unserer Region eine Mangelsituation entstanden“, sagt Mattenschlager. „Die Auswirkung davon ist für die Menschen oft sehr hart.“ Vor allem in akuten Notfällen sei es für die Berater zur kaum zu bewältigenden Herausforderung geworden, schnell und angemessen zu reagieren.

Beratung auch online

Angebote Die Psychologische Familien- und Lebensberatung der Caritas Ulm hat ihre Räume in der Spielmannsgasse 6 in Söflingen, Tel. (0731) 40 34 21 60. In Ehingen gibt es eine Außenstelle, Tel. (07391) 70 73 20. Zudem bietet die Beratungsstelle eine Online-Beratung an: caritas-ulm.de. Sie werde oft genutzt, um sich einen Eindruck über das Angebot zu verschaffen oder frühzeitig für überschaubare Probleme Unterstützung zu erhalten.

 

 

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