Capoeira ist mehr Kampf als Tanz

Kämpfen, tanzen, portugiesisch singen sowie exotische Instrumente spielen – beim Kampf-Tanz Capoeira sind die Teilnehmer richtig gefordert.

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Beim Kampf-Tanz Capoeira sind die Teilnehmer richtig gefordert.  Foto: 

"Es ist aber mehr Kampf als Tanz“, erklärt Monique Ramp, die Vorsitzende des recht jungen Vereins Capoeira Ulm, der erst seit zwölf Jahren besteht.

Die Kämpfe, die als „Spiele“ bezeichnet werden, finden immer in einer Roda statt, einem Kreis von allen anwesenden Capoeiristas und einigen Musikern. Abwechselnd kämpfen stets zwei Capoeiristas gegeneinander. Man sieht Dreh-Tritte und Akrobatik wie Handstand-Überschlag und Räderschlagen. Auffallend ist: Man weicht sich aus, die Kontrahenten berühren sich erst am Ende des nur wenige Minuten dauernden Kampfes.

Die Musik folgt einem Endlos-Rhythmus in verschiedenen Variationen und wird teilweise auf bizarren Instrumenten gespielt: Das Hauptinstrument einer Capoeira Bateria (Musikergruppe) ist das Berimbau. Es handelt sich dabei um einen Musikbogen, der aus einem Holzstab, einer Metallsaite und einem runden Klangkörper besteht. In der Hand hält der Musiker zusätzlich eine Holzrassel, ein Schlagstöckchen und eine Münze oder einen Stein, die oder den er mehr oder weniger an die Saite legt oder schlägt. Zur Musik werden mitunter noch aus der Zeit der Sklaverei stammende Lieder gesungen. „Afrikanische Sklaven haben Capoeira einst nach Brasilien gebracht“, erzählt Monique Ramp. Weil sie von ganz verschiedenen Stämmen kamen, waren Tänze und Lieder die einzige Möglichkeit, sich zu verständigen. Prügeln war in den Sklavenunterkünften verboten, deshalb tarnten sie ihre Kämpfe als Tänze.

Wesentlich friedlicher hat sich der Ulmer Verein gegründet: Vier Begeisterte schlossen sich 2003 nach ihrem vh-Kurs drei weiteren Fans an, „die bereits im Büchsenstadel um ein Kofferradio hüpften“, erzählt die heute 37-jährige Vorsitzende. Im Jugendhaus schauten dann Jugendliche dem Kampftanz-Training zu, und das neue Angebot sprach sich an der Ulmer Uni herum. „2008 hatten wir 40 Mitglieder, heute sind wir nur 22 Erwachsene und 8 Kinder“, sagt Monique Ramp. Sie war es auch, die anfangs spontan in die Capoeira-Hochburg Stuttgart fuhr und nach einem Trainer suchte. Dort traf sie auf den jungen Brasilianer Rogerio Charles De Sousa, der einen Job suchte, um legal in Deutschland bleiben zu können. Heute noch kommt er viermal die Woche nach Ulm, um hier seine Schüler zu trainieren (siehe Infokasten). Er nennt sich Professor (Lehrmeister) „Jerry“, denn Capoeiristas haben eine Art Spitznamen.

Wie in vielen anderen Kampfsportarten gibt es auch hier farbige Gürtel zu weißen Hosenanzügen. Beispiele: Weiß und Gelb tragen die Anfänger, Blau und Blau-Grün kennzeichnen den graduierten Schüler, braun ist der Gürtel bei einem Professor „mit eigenem Stil“.

„Man lernt aber nie aus“, sagt Monique Ramp. Capoeira verbinde zudem die Gegensätze Ritual und Spontaneität, Strenge und Improvisation, Körperbeherrschung und Lebensphilosophie. „Und es verbindet die Menschen miteinander.“ Monique Ramp besucht regelmäßig Workshops in ganz Europa und reist immer wieder gerne nach Brasilien. So hat die Buchhalterin inzwischen „auf der ganzen Welt Freunde“.

Info Kontakt: pilhota12@gmail.com, mehr über den Verein Capoeira gibt es im Internet unter www.capoeira-ulm.de

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