Bußgeld für die SWU wegen Plakatierens ohne Genehmigung

20.000 DIN-A-4 große Werbezettel haben die SWU in Ulm, Neu-Ulm und Umgebung im Straßenraum anbringen lassen. Angeblich spontan, eine Erlaubnis dafür wurde nicht eingeholt. Das finden nicht alle gut.

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Der Glaube an die „Mission: Wasserkraft aus Ulm“ ist so groß, dass das Hinweisschild „Plakate ankleben nicht gestattet“ bewusst ignoriert wird: Das zumindest suggeriert der neueste Werbefilm der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU). In dem Video, dass unter anderem auf der Facebookseite zu sehen ist, wird gezeigt, wie vier Männer und Frauen sowie das SWU-Testimonial, die Sängerin Siyou, zahlreiche Gebäude, Bäume, Verkehrszeichen und sogar einen der Stein-Löwen vor dem Ulmer Landgericht mit Werbezetteln zupflastern. Das im Internet abrufbare Filmchen ist professionell gemacht. Nur: Was darin zu sehen ist sowie die begleitende Werbeaktion sind nicht ganz astrein. In der Folge steht den SWU jetzt wohl Ärger mit der Stadtverwaltung Neu-Ulm ins Haus.

Denn die Stadtwerke haben es versäumt, sich im Vorfeld ihrer Plakat-Aktion die Sondergenehmigung zur Nutzung des öffentlichen Raumes einzuholen. „Nicht angemeldet. Nirgendwo“, räumt SWU-Sprecher Bernd Jünke auf Nachfrage ein. 20.000 Werbezettel seien gedruckt worden. Gepinnt und geklebt wurde Ende vergangener Woche an öffentlich zugänglichen Stellen in Ulm, Neu-Ulm, Erbach, Elchingen und Senden. Jünke zur Umgehung der Gemeindeverwaltungen: „Diese Art von Werbung lebt vollständig von der Spontanität.“

Nicht alle aber können mit solcher Spontanität etwas anfangen. Die Gemeinde Blaustein habe am Dienstag „freundlich“ darum gebeten, die Zettel schnell wieder einzusammeln, sagt Jünke. Das sei sofort geschehen. In Ulm haben das gleich am Montag die Mitarbeiter der Entsorgungsbetriebe erledigt, wie Sebastian Koch, ebenfalls SWU-Pressestelle, an diesem Tag beobachtet hat: „Der Großteil der Aktion wurde bereits aufgeräumt.“ Da er inzwischen in der Stadt „keinen einzigen Zettel“ mehr sehe, sei die Sache für ihn erledigt, sagt Rainer Türke von den Bürgerdiensten. Die im Film zu sehenden Plakate seien auch nur für den Kameramann geklebt und danach wieder entfernt worden, versicherten die SWU. Türke hält indes fest: Eine Erlaubnis hätte es durchaus gebraucht. In Senden sind die Plakate offenbar niemandem wirklich aufgefallen. In der Stadtverwaltung gibt es dazu keine Infos.

Weniger gelassen sind hingegen die Neu-Ulmer: „Fest steht, dass die SWU für die Plakatierung keine Genehmigung hatte. Die Stadt hat deshalb ein Bußgeldverfahren eingeleitet“, teilt Sprecherin Sandra Lützel mit. Die „Ermittlungen“ seien im Gange. Jünke betont, es sei ohnehin vorgesehen, die Zettel spätestens nach zwei Wochen einzusammeln.

Und wozu nun eigentlich der ganze Aufwand? Sebastian Koch: „Die Stadtwerke machen mal auf andere Weise auf ein regionales Produkt aufmerksam, dass direkt vor unserer Haustür erzeugt wird.“ Gemeint ist Ökostrom aus Ulmer Produktion, nämlich aus dem Donaukraftwerk Böfinger Halde. Rund 12.600 SWU-Kunden beziehen diesen Strom, erläutert Jünke. „Es können noch einige Kunden dazukommen.“ Für die Vermarktung stehen pro Jahr rund 42 Millionen Kilowattstunden zur Verfügung.

Ob die Werbung bei den Leuten ankommt? Mal abwarten, sagt Jünke. Eine Wiederholung einer solchen Aktion sei nicht geplant. Weitere Marketingmaßnahmen für den SWU-Naturstrom ziehen sich hingegen bis in den Januar des kommenden Jahres hinein – dann aber solche konventioneller Art: Großplakate, Anzeigen in Tageszeitungen, Amtsblättern und im Internet.

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