Burlafinger Ehepaar hat Besuchsdienst für alte Menschen aufgebaut

Anderen helfen ist gar nicht so einfach. Das hat das Ehepaar Fuchs in Burlafingen feststellen müssen. Ihre Nachbarschaftshilfe ist nur schleppend angelaufen. Weil sich wenig Hilfesuchende gemeldet haben.

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Kurt Fuchs und seine Ehefrau Ingeborg (ganz rechts) haben eine Nachbarschaftshilfe in Burlafingen aufgebaut. Helfer sind schon da, aber an Hilfesuchenden mangelt es noch. Foto: Oliver Schulz

Aller Anfang ist schwer. Eine Binsenweisheit, aber sie trifft auch zu für das hehre Ansinnen des Ehepaars Fuchs aus dem Neu-Ulmer Stadtteil Burlafingen. Beide engagieren sich seit Jahren für die örtliche Arbeiterwohlfahrt (AWO), und beide haben im Frühjahr eine Nachbarschaftshilfe für alte Menschen aufgebaut.

Neun ehrenamtliche Helfer haben sie inzwischen um sich geschart. Was aber fehlt, sind Menschen, die sich tatsächlich helfen lassen wollen. Und das, obwohl sie zum Start ihrer Aktion mit 1800 Flyern ordentlich getrommelt haben. Die Scheu, sich helfen zu lassen, ist im Ort offenbar noch riesig. Da hat auch ein Brief des Oberbürgermeisters nicht viel weitergeholfen, der den Besuchsdienst in den allerhöchsten Tönen angepriesen und appelliert hat: "Haben Sie Mut und trauen Sie sich, die Dienste der AWO in Anspruch zu nehmen." Bislang haben sich nur fünf Personen gemeldet, vier Frauen und ein Mann, zwischen 80 und 96 Jahre alt.

Was die Nachbarschaftshilfe anbietet, sind Besuche bei einsamen, kranken und alten Menschen, um mit ihnen einfach nur ein Schwätzchen zu halten. Der Einkauf von Lebens- oder Arzneimitteln wird übernommen. Es gibt einen Fahrdienst zum Arzt oder zu einer Behörde. Der Besuchsdienst kann einmalig oder auch regelmäßig in Anspruch genommen werden.

Ziel ist es, den pflegenden Angehörigen eine Verschnaufpause zu verschaffen. Und das alles ehrenamtlich, also frei von Kosten. Die Helfer, so Kurt Fuchs, dürften allenfalls ein Trinkgeld in Höhe von bis zu zehn Euro annehmen. Kochen, Putzen, Wäsche waschen, Gartenarbeit oder Pflege sind aber ausdrücklich ausgeschlossen. "Das", so Kurt Fuchs, "würde über einen Besuchsdienst weit hinaus gehen." Auch für die ehrenamtlichen Helfer ist gesorgt. Die AWO hat für sie eine Unfall- und Haftpflichtversicherung abgeschlossen, das Auto ist Vollkasko versichert. Aufwendung wie Fahrkosten werden von der AWO ebenfalls erstattet.

Ingeborg und Kurt Fuchs, 63 und 65 Jahre alt, wissen, wovon sie sprechen. Sie haben mit dem Thema ihre ganz persönlichen Erfahrungen gemacht. Auch sie hatten gebrechliche Eltern. Kurt Fuchs ist inzwischen selbst im Ruhestand, seine Ehefrau ist noch berufstätig. Und die Kinder sind schon aus dem Haus. "Wir waren früher froh, wenn sich einmal die Verwandten oder die Nachbarn um die Eltern gekümmert haben." Außerdem, so sagt er, sei dieses Sich-Kümmern durchaus ein zentrales Thema der Arbeiterwohlfahrt. Und so ist es im Januar dieses Jahres auch zum förmlichen Beschluss im örtlichen Vorstand gekommen, das Nachbarschaftshilfe-Projekt anzugehen. Vorbild sei übrigens die Nachbarschaftshilfe des Diakonischen Werks in Reutti und ein Bericht in der SÜDWEST PRESSE gewesen.

Dass sich der Start so mühsam gestaltet, hat das Ehepaar Fuchs nicht erwartet. Indes: Ältere und alleinstehende Menschen sind mitunter ziemlich scheu, und sie fremdeln gerne. Und immer wieder hört man, dass sie niemandem zur Last fallen wollen. Und so muss vor allem die Angst vor dem ersten Kontakt überwunden werden. Denn eines ist klar: Der Helfer ist natürlich zuerst einmal ein Fremder. Ist das Eis aber gebrochen, sind sie froh, dass jemand für sie da ist. Mitunter entstehen auch Freundschaften. Und dafür will das Ehepaar Fuchs weiter werben. . .

Info Wer sich in Burlafingen helfen lassen will oder wer selbst Helfer werden will, kann sich an Ingeborg und Kurt Fuchs in der Glöcklerstraße 63 in Burlafingen wenden. Telefonisch sind sie von Mittwoch bis Freitag zu erreichen, unter (0731) 719503.

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