Bundeswehr auf Nachwuchs-Suche

Die Bundeswehr steckt mitten im Umbau. Seit die Wehrpflicht ausgesetzt ist, sind die Soldaten verstärkt auf Freiwillige angewiesen. Die werden mit großem Aufwand geworben. Über den Erfolg lässt sich ebenso streiten wie über die Art der Werbung.

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So wirbt die Bundeswehr um Nachwuchs: Hier ein Screenshot vom Youtube-Kanal des Magazins Bravo mit einem Werbevideo für "Bundeswehr Adventure Camps"  Foto: 
Bei der Bundeswehr gibt’s riesige Salatbüffets und Steaks vom Grill. Getränke holt man sich an der Bali-Bar oder in der Ibiza-Lounge. Am Strand wird Volleyball gespielt. In bunten Badehosen, Mädels und Jungs gemischt. Das jedenfalls muss man annehmen, wenn man einen Werbespot der Bundeswehr auf dem Youtube-Kanal des Jugendmagazins "Bravo" für bare Münze nimmt. So buhlt Deutschlands Militär im Jahr 2012 um Nachwuchs.



Das Video mit dem Titel "Das große Action-Wochenende" hat seit seiner Veröffentlichung am 10. September für einige Aufregung gesorgt. Es gab höhnische Zeitungsartikel, bei Facebook können Nutzer eine Petition gegen das Filmchen unterschreiben und das Kinderhilfswerk Terre des hommes veröffentlichte eine geharnischte Protestnote: "Diese einseitige Werbung verstößt gegen die Kinderrechtskonvention, nach der Minderjährige grundsätzlich nicht für den Militärdienst angeworben werden dürfen und Kinder zu Frieden, Toleranz und Völkerverständigung erzogen werden sollen", schreiben die Kinderrechtler.

Die Wehr ist im Wandel und mit ihr ihre Außendarstellung. Seit die allgemeine Wehrpflicht ausgesetzt ist, sind die Soldaten auf Freiwillige angewiesen und die wollen überzeugt werden. Früher gehörte es zum Erwachsenwerden eines männlichen Deutschen dazu, irgendwann zur Musterung ins Kreiswehrersatzamt zu reisen und eine einigermaßen entwürdigende Prozedur über sich ergehen zu lassen. Und noch früher waren Werber dafür berüchtigt, durch die Lande zu ziehen, um die wehrfähige Jugend mit Geld, Alkohol und manchmal mit Gewalt zum Di<span style="display: none;"> </span>enst an der Waffe zu drängen.



Das ist heute anders, eine konsistente Werbestrategie scheint indes noch nicht gefunden. Nur über das Medium ist man sich offenbar im Klaren. Bewegtbild soll es sein. Vergangenes Jahr sorgte ein Reklamespot mit viel Action und Heavy-Metal für Irritationen, weil er recht martialisch daherkam. Jetzt erregt die Bravo-Kampagne Anstoß, weil sie beschönige. Aber wie erfolgreich ist die Werbung um freiwillige Wehrdienstleistende überhaupt?

66 junge Menschen sind am Montag vom Ulmer Kreiswehrersatzamt zum freiwilligen Wehrdienst einberufen worden. Das teilt Petra Schittenhelm von der Wehrbereichsverwaltung Süd mit. Vergangenes Jahr waren es 65 Freiwillige und im Jahr davor, im letzten Wehrpflicht-Jahr 2010 gab es noch 84 Grundwehrdienstleistende und 37 Freiwillige zusätzlich.

Nicht übermäßig viel Nachwuchs also, wenn man bedenkt, dass das Kreiswehrersatzamt Ulm für die Land- und Stadtkreise Ulm, Alb-Donau, Dillingen, Reutlingen, Günzburg, Heidenheim und Neu-Ulm zuständig ist. Und allein in der Stadt Ulm feiern im Jahr 2012 immerhin 520 junge Männer und 522 junge Frauen ihren 18. Geburtstag. Auch wenn von den 1042 jungen Menschen natürlich aufgrund ihrer Abstammung und ihres körperlichen Gesamtzustands nicht alle Kandidaten für die Bundeswehr sind.

Für ihre Grundausbildung werden die 66 in Ulm gemusterten Freiwilligen übrigens auf Ausbildungsstützpunkte in ganz Deutschland verteilt. Denn in Ulm findet schon seit vergangenem Jahr keine Grundausbildung mehr statt, weder bei den zwei Lazarettregimentern in der Ulmer Hindenburg-Kaserne, noch beim "Kommando Operative Führung Eingreifkräfte" in der Wilhelmsburgkaserne. Das berichtet Kapitänleutnant Alexander Schilling vom Pressestab. Lediglich in Dornstadt, beim Logistikbataillon 471 werden drei Ulmer Freiwillige grundausgebildet. Die übrigen sind in Donauwörth, Weißenfels und Kempten gelandet.

Ob sie dort Volleyball spielen und vom Salatbüffet naschen, darf bezweifelt werden. Eines aber steht fest: Die 66 Freiwilligen gehören zu den letzten jungen Menschen, die im Kreiswehrersatzamt Ulm gemustert wurden. "Zum 1. Dezember 2012 soll der Nachwuchs über eine neue Organisation geworben werden", berichtet Silke Brand-Schoder von der Wehrbereichsverwaltung Süd. "Für Baden-Württemberg wird es zentral ein Karrierecenter in Stuttgart geben." Dort werden dann künftig auch die Ulmer gemustert. Doch nicht nur der Ort, auch die Art der Untersuchung der körperlichen und geistigen Eignung für den Wehrdienst hat sich verändert. Das habe vor allem zwei Gründe, sagt Brand-Schoder: Zum einen hätten die Ärzte heute viel mehr Zeit, weil sie weniger Menschen untersuchen müssen. Zum anderen kommen die Leute freiwillig. "Man hat sich natürlich vorher auch schon um Kundenfreundlichkeit bemüht", sagt Brand-Schoder.


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Kommentare

03.10.2012 11:52 Uhr

Wird eine schöne Erinnerung sein

Wenn den Geworbenen dann in Afganistan die Kugeln um die Ohren fliegen, werden sie sich sicher zum Trost sehr gerne an dieses schöne Video erinnern.

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03.10.2012 09:43 Uhr

Bundeswehr auf Nachwuchs-Suche

Total witziger und gut gemachter Werbefilm !

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02.10.2012 17:06 Uhr

Eigentlich wollte "B90-DieGrünen" und "die Linke" die

die Bundeswehr abschaffen, aber das übernehmen jetzt die Werbeangenturen der die die Bundeswehr abschaffen, aber das machen sie jetzt wohl selber unter zuhilfename solcher Filme, und jene bei der Bundeswehr und im Ministerium die solche Filme genehmigen.

Demnächst verteilen sie vielleicht noch Plastikhandgranaten als Schlüsselanhänger in Grundschulen.
;)

Der ganze BW-Laden ist nur noch eine einzige Lachnummer geworden. Nach der nächsten Bundestagswahl kommt sowieso wieder eine Reform der reformierten Reform, weil noch mehr gespart werden muss, zu lasten der BW-Angehörigen.

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