Buchtipp des Monats: Philip Roths Roman „Amerikanisches Idyll“

Wiedergelesen: Buchhändlerin Christiane Hofmann empfiehlt Philip Roths Roman „Amerikanisches Idyll“.

|
Christiane Hofmann mit ihrem Tipp.  Foto: 

Vor 20 Jahren ist das Buch erschienen, das Christiane Hofmann von der Buchhandlung Hofmännle empfiehlt: Philip Roths „Amerikanisches Idyll“, das 1998 mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet wurde. Roth erzählt die Geschichte des ehrbaren amerikanischen Bürgers Seymour Levov, dessen Lebensplan zerbricht.

Levov ist groß, vital, seit jungen Jahren Spitzensportler. Er wird bewundert und hofiert, ein Unverwundbarer, ein strahlender Held, man nennt ihn „den Schweden“. Levov heiratet eine Schönheitskönigin, macht Karriere als Handschuhfabrikant, bezieht ein herrliches Anwesen auf dem Land; seine hübsche Tochter Merry ist sein Augenstern. Merry ist begabt, in der Schule ein Ass, hat eigenständige intelligente Gedanken. Auf die Frage der Lehrerin „was ist das Leben?“ lautet Merrys Antwort: „Das Leben ist nur ein kleiner Zeitraum, in dem man lebendig ist“. Dieses erste Kapitel ist mit „Erinnerungen an das Paradies“ überschrieben, danach ändern sich die Zeiten dramatisch. Der Krieg in Vietnam ist auf dem Höhepunkt, Merry mutiert zur militanten Gegnerin und zündet eine Bombe. Hier beginnt die Klage um die verlorene Tochter, beginnen die verzweifelten Versuche, sie ins bürgerliche Familienleben zurückzuholen.

Ein Buch, das Fragen aufwirft

Roths Sätze seien perfekt, oft knapp, der Roman behandle Grundfragen unseres Daseins voller Nachdenklichkeit und Melancholie, sagt Hofmann. „Als ich das Buch gelesen hatte, habe ich sofort die erste Seite wieder aufgeschlagen und es zum zweiten Mal gelesen, mit noch mehr Genuss.“ Eine Frage habe sie sich nicht beantworten können: „Schildert Roth den Untergang der Rechtschaffenen oder die Verblendung einer gesettleten Oberschicht? Eventuell ist sich der Autor da selbst nicht ganz sicher.“ Für Christiane Hofmann schließen sich Fragen an: Was ist verkehrt an ihrem Leben,  was um alles in der Welt ist weniger verwerflich als das Leben der Levovs?

Info Philip Roth: Amerikanisches Idyll. Rowohlt, 576 Seiten, 10.99 Euro.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Analyse: Die Tops und Flops im Wahlkreis Ulm

Die AfD holt ihr bestes Ergebnis in der Stadt. CDU und SPD bekommen mehr Erst- als Zweitstimmen. weiter lesen