Buchladen Eichhorn bleibt Ulm erhalten

Eine Institution im Ulmer Buchhandel - der Buchladen Eichhorn - sollte nach 40 Jahren überraschend geschlossen werden. Das wollten Kunden nicht hinnehmen. Nun geht es in der Pfauengasse weiter.

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Monika und Manfred Eichhorn schließen nach 40 Jahren ihren Buchladen in der Herrenkellergasse - und machen in der Pfauengasse wieder auf.  Foto: 

Der Buchladen Eichhorn in der Herrenkellergasse - zuletzt vor allem bekannt durch den Schwerpunkt auf spiritueller Literatur, Esoterik und entsprechenden Vorträgen - sollte nach 40 Jahren wegen zu geringer Rentabilität überraschend zum Jahresende geschlossen werden. Der Verkauf endet in der Tat am Dienstag, 31. Dezember, um 12 Uhr. Allerdings wurden die Inhaber Manfred und Monika Eichhorn von ihren Stammkunden bestürmt, den Buchladen, der längst zu einer Institution in Ulm geworden ist, womöglich doch weiterzuführen. So hat sich Manfred Eichhorn, der auch als Buchautor bekannt ist, am Samstag einen alternativen, bezahlbaren Laden angeschaut, den ihm eine Kundin angeboten hat: in der Pfauengasse am Standort des früheren Wollhauses.

Die Eichhorns haben spontan zugesagt und wollen die Buchhandlung dort spätestens Anfang Februar neu eröffnen. Sie hatten in der Herrenkellergasse über all die Jahre zwar verständnisvolle Vermieter. Die Miete in der Pfauengasse beträgt nach Manfred Eichhorns Worten trotz der Verkaufsfläche auf drei Etagen aber nur ein Drittel der Altmiete. Am alten Standort hatte er zudem Flächen für sein Antiquariat über dem Buchladen und für einen Vortragsraum angemietet. Schließlich seien auch die Energiekosten für diese Räume zu hoch geworden.

Zum 40-jährigen Bestehen im April hatten sich die Eichhorns eigentlich optimistisch zur Zukunft des Buchladens geäußert, dann jedoch sei das Jahr 2013 sehr schleppend verlaufen, erläutert Manfred Eichhorn. Er habe gedacht, "dass es sich noch fängt", aber die Umsätze zogen nicht an. Der Buchhandel habe besonders mit der immer stärkeren Konkurrenz durch Internet-Shops wie Amazon zu kämpfen. Er selber verkaufe 40 Prozent der von ihm geschriebenen etwa 30 Bücher online: "Die ganze Branche leidet."

Der Buchladen Eichhorn war ohnehin nie auf Rosen gebettet - "wir mussten immer kämpfen" - und rief daher 2007 eine Solidaraktion ins Leben, bei der Bausteine über 250 Euro gezeichnet werden konnten. Es fanden sich 61 Sponsoren, die in Einzelfällen auch Beträge von mehr als 1000 Euro zumeist spendeten. Nach dem Abtragen alter Verbindlichkeiten standen die Eichhorns dann etwa auf null: "Das hat am Anfang ganz gut funktioniert."

Nun kehren die beiden, die bei der Buchhandlung Hofmann in der Pfauengasse gelernt haben, ein Stück weit zu den Anfängen zurück. Letztlich hätten sie noch einen anderen Laden in der Herrenkellergasse mieten können, wollten aber nicht ständig ihren früheren Standort im Blickfeld haben. Zum Neuanfang gehört auch ein Bücherzimmer in einem Edelsteinladen im Zentrum von Biberach, das wie die Bücher Manfred Eichhorns (62) mal die Rente aufbessern soll. In Ulm waren die Eichhorns auch mit der Sannyasin-Bewegung verknüpft.

Das Geschäft hatte als linker Buchladen begonnen, Autoren wie Martin Walser, Günter Wallraff und Alice Schwarzer machten Station. Auch heute gibt es alle wichtigen Neuerscheinungen. Dann jedoch war Monika Eichhorn in den achtziger Jahren zur Meditation im indischen Pune, und der Fokus änderte sich. Es geht um spirituelle Literatur, Lebenshilfe und alternatives Heilen, Engel sind ein wichtiges Thema. Die Autoren-Vorträge dazu - in größerem Stil im Bürgerhaus Mitte - ziehen bis 200 Besucher an.

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