Brustkrebs: Frauenklinik-Chef Janni über den "Angelina-Jolie-Effekt"

Wegen Brustkrebsfällen in der Familie ließ sich US-Star Angelina Jolie vorsorglich die Brüste entfernen. Das sorgt für deutlich mehr Anfragen besorgter Frauen an der Uni-Klinik. Beratungstermine sind ausgebucht.

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Prof. Wolfgang Janni: Seit dem Fall Jolie viermal mehr Anfragen im Brustzentrum der Klinik. Foto: Lars Schwerdtfeger

Bemerken Sie nach dem Medien-Hype um die Brustamputation von Hollywood-Star Angelina Jolie eine Art "Jolie-Effekt" an der Uni-Klinik?
PROF. WOLFGANG JANNI: Ja. Wir haben etwa viermal mehr Anfragen bekommen wie vor der Berichterstattung. Die Medienberichte haben bei vielen Frauen zu einem neuen Bewusstsein geführt, das vielleicht gerade außerhalb von Ballungszentren noch nicht so stark ausgeprägt war. Das Brustzentrum an der Uni-Frauenklinik Ulm gehört zu einer Auswahl von deutschlandweit anerkannten Spezialzentren für erblichen Brust- und Eierstockkrebs und ist deshalb für eine große Region Anlaufstelle.

Wie haben Sie darauf reagiert?
JANNI: Wir haben bereits eine seit vielen Jahren gut etablierte Infrastruktur, die den Ansturm ganz gut bewältigen konnte. Dadurch, dass wir seit dem vergangenen Herbst auch die onko-plastische Brustchirurgie schrittweise ausbauen, können wir gut auf den gesteigerten Bedarf reagieren.

Kommen seither auch mehr Frauen persönlich zu Beratungsterminen?
JANNI: Ja. Die Termine sind trotz Kapazitätssteigerung derzeit bis September ausgebucht, bei Bedarf werden wir aber noch mehr Kapazität schaffen. Gleichzeitig müssen wir natürlich auf eine hohe Qualität der Beratung achten, denn diese ist der erste und wichtigste Schritt auf einem richtigen Weg der Auseinandersetzung, von dem die Betroffene auch wirklich profitiert.

Was sind die häufigsten Fragen?
JANNI: Am häufigsten werden wir natürlich gefragt, ob der Gentest durchgeführt werden soll. Dafür gibt es einheitliche Kriterien, die viele Patientinnen inzwischen auch über das Internet nachlesen. (www.brca-netzwerk.de) Wenn der Test tatsächlich eine Genveränderung aufzeigt, dann sprechen wir ausführlich über die Möglichkeiten der intensivierten Früherkennung und diskutieren auch das Für und Wider von prophylaktischen Operationen an den Eierstöcken oder der Brust. Am Ende kann, aber muss nicht die Entfernung des Brustdrüsenkörpers mit Wiederaufbau der Brust stehen.

Raten Sie Risikopatientinnen zur Brustentfernung - oder ist dieser radikale Schritt etwas USA-Typisches?
JANNI: Dafür gibt es keine für alle Betroffenen richtige Antwort: Was für die eine Frau richtig sein kann, mag für eine andere falsch sein. Wir klären mit belastbaren Daten, aber auch mit dem notwendigen Einfühlungsvermögen über die Möglichkeiten auf. Die Patientin darf und muss die Freiheit zur eigenen Entscheidung haben.

Sehen Sie die Jolie-Aufrege als Segen oder als Fluch, weil möglicherweise unnötig Hysterie geschürt wird?
JANNI: Der Weg in die Öffentlichkeit ist sicher nicht jedermanns beziehungsweise jederfraus Sache. Die meisten Betroffenen wünschen sich einen sehr diskreten Umgang mit ihrer Situation. Den garantieren wir immer. Die öffentliche Wahrnehmung des prominenten Falls hat aber zum erhöhten Bewusstsein geführt, dass bei familiärem Krebsrisiko das eigene, individuelle Risiko ganz erheblich gesenkt werden kann. Und das ist gut.

Zur Person
Prof. Wolfgang Janni ist seit Oktober 2012 Ärztlicher Direktor der Uni-Frauenklinik. In den vergangenen Jahren leitete er zahlreiche Studien zur Therapieoptimierung bei Brustkrebs.

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