Böses Erwachen für Pendler

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Ein Zug fährt aus dem Bahnhof Göppingen: Wenn morgen der neue Fahrplan in Kraft tritt, gibt es im Filstal viele Verlierer.  Foto: Giacinto Carlucci  Foto: 

Wenn morgen der neue Fahrplan der Bahn in Kraft tritt, bedeutet dies viele Änderungen für Bahnkunden. So fährt der Interregio-Express (IRE) künftig im Stundentakt durchs Filstal, wer aber mit der Regionalbahn weiter als bis Geislingen möchte, muss entweder umsteigen oder 20 Minuten im Zug warten, bis es weitergeht. Bislang weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit, verbirgt sich im Fahrplan noch eine gravierende Verschlechterung: Zwei Mal am Tag müssen Pendler und andere Reisende ganze 28 Minuten in Süßen ausharren.

Lange wurde darum gestritten, ob in Süßen künftig ein IRE hält oder nicht, nachdem der bisherige Regionalexpress wegfällt. Seinen IRE-Halt bekommt Süßen nun (siehe Infokasten). Allerdings stehen künftig die Regionalbahnen (RB), die um 17.01 und 18.01 Uhr von Geislingen in Richtung Göppingen losfahren, 28 Minuten in Süßen. Reisende, die nach Göppingen oder Stuttgart wollen, können zwar um 17.18 oder 18.18 Uhr den ohnehin schnelleren IRE nehmen – wer aber in eine andere Kommune im Filstal möchte, schaut in die Röhre. Entweder ist umsteigen angesagt oder eben der 28-minütige Stopp in Süßen.

Wer zum Beispiel nach Eislingen will, für den startet die letzte vernünftige Verbindung (17 Minuten) um 16.29 Uhr in Geislingen, mit Stopps in Kuchen, Gingen, Süßen und Salach. Später dauert die Fahrt 45 Minuten (17.01 und 18.01 Uhr) oder 32 Minuten inklusive umsteigen in Göppingen (17.18 und 18.18 Uhr). Erst ab 19.29 Uhr geht es dann wieder im Stundentakt in 17 Minuten von Geislingen nach Eislingen.

Überholt wird in Süßen

Dass es so kommen könnte, hatte Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) bereits Ende Juli nach einem Gespräch mit Vertretern der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW), der Stadt Süßen sowie der Landkreise Göppingen und Alb-Donau angedeutet. Für den Süßener IRE-Stopp am Morgen sei eine Kompensation nötig, meinte Hermann im Sommer: „Dafür müsste aber –  ebenfalls einmalig – ein Systemhalt auf der Strecke entfallen. Am Abend könnte das Problem dadurch gelöst werden, dass die Regionalbahn Stuttgart-Ulm nicht in Geislingen sondern in Süßen überholt würde.“

Der Zusammenhang zwischen dem morgendlichen IRE und der Wartezeit am Nachmittag erschließt sich zwar nicht – und schon gar nicht, warum die RB nun zwei Mal in Süßen warten muss. Aber Hermann hatte im Juli schon angekündigt: „Für all diese Angebote gilt allerdings der Vorbehalt, dass eine Prüfung durch die DB Netz AG ergibt, dass sie in der Praxis möglich sind.“ Offenbar haben die Planer der Bahn dies positiv entschieden und nun wird es so umgesetzt.

Die Bahn weist jede Verantwortung von sich, ein Sprecher sagt: „Wir machen die Fahrpläne nicht, die hat das Land so bestellt.“ Der Hintergrund sei, dass der Stopp in Süßen schnelleren Zügen das Überholen ermöglicht.

Das bestätigt auch der Verkehrsplaner des Landkreises, Jörg-Michael Wienecke: „In Süßen sind es jetzt drei Züge, die die Regionalbahn überholen.“ Demnach muss der Zug warten, bis ein IRE, ein Intercity und ein ICE vorbeigefahren sind.

„Ich kann es nicht ändern“, meint der Bahnsprecher – und hat Recht, weil die Verantwortung beim Land und der Nahverkehrsgesellschaft liegt. „Es ist wie verhext“, bedauert Wienecke. Der Fahrplanwechsel bringe eben Gewinner und Verlierer hervor. „Aber ich muss sagen, die Verlierer sind leider in der Mehrheit.“

Noch ein Kuriosum des neuen Fahrplans: Die Regionalbahn, die unter der Woche um 7.30 Uhr in Geislingen startet, hält an jeder Station bis Plochingen – außer in Salach. Der Bahnhof wird nur um 6.43 und 8.43 Uhr angefahren.

Insgesamt, meint Wienecke, gebe es „nach wie vor viele Mängel in diesem Fahrplan“. Jetzt kommt womöglich für so manchen das böse Erwachen – denn: „Ich befürchte, am Montag bemerken das dann erst viele Pendler.“

Wienecke  betont aber auch, dass er „nicht schon wieder“ das Land angreifen wolle, viele Probleme seien auch hausgemacht – „wenn halt seit Jahrzehnten die Infrastruktur im Argen liegt“.

Fett Text

Forderungen Einer der Hauptstreitpunkte des Fahrplans war, dass Süßen künftig einen Schnellzughalt wollte und deshalb einen IRE-Stopp forderte. Auch aus Ebersbach wurden daraufhin Stimmen laut, dass hier der Interregio-Express halten solle. Diese Forderungen wurden teilweise umgesetzt.

IRE Süßen bekommt seinen IRE-Halt in Richtung Ulm morgens um 6.28 Uhr. In die andere Richtung gibt es gleich zwei Stopps: Um 5.59 und 6.54 Uhr. Diese Züge in Richtung Stuttgart halten auch in Ebersbach (6.12 und 7.09 Uhr). Der spätere  hält auch in Uhingen (7.05 Uhr) – und vielen anderen Orten.

Bummelzug Zwar steht auf den Zügen Interregio-Express drauf, doch teilweise halten sie – schnellzuguntypisch – fast überall: Im Kursbuch finden sich Namen von Orten wie Beimerstetten, Lonsee, Urspring, Reichenbach (Fils). Nicht aber Amstetten, das im neuen Fahrplan die Hälfte aller Zughalte verliert.

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