Blitzer in der Frauenstraße erwischt Raser im Minutentakt

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„Auch wenn er manche ärgert, der Blitzer ist notwendig.“ OB Gunter Czisch lässt gar keine Zweifel aufkommen, was er von der neuen mobilen Messanlage in der Frauenstraße hält. „Das ist der pädagogische Versuch, das nachzuholen, was wir durch den Umbau der letzten Jahre nicht erreicht haben.“ Am Freitagabend tat der Blitzer denn auch das, was von ihm erwartet wird: Er blitzte – und das nicht zu knapp.

Allein zwischen 22.35 und 22.58 Uhr waren acht Fahrzeuge zu schnell unterwegs – und zwar in beiden Fahrtrichtungen, was eine der Spezialitäten des auf Laser basierten Messsystems „TraffiStar S350“ von Jenoptik ist. Erst unlängst hat die Stadt das teure Gerät angeschafft, das die erste Woche im Einsatz ist und schon ganze Arbeit leistet.

Derzeit ist es an der Frauenstraße aufgestellt, kurz vor der Bushaltestelle an der Einmündung der Radgasse. Am Freitagabend blitzt es fast im Minutentakt rötlich auf, wenn ein Fahrzeug mit mehr als den vorgeschriebenen 30 km/h erfasst wird. Um 22.35 Uhr trifft es einen SUV, zwei Minuten später einen Golf, um 22.41 Uhr wieder einen Golf, der zuvor an der Einmündung der Bockgasse erst noch richtig Gas gegeben hat, um aufs Bild zu kommen.

Um 22.43 Uhr wird ein Mercedes geblitzt, um 22.44 Uhr ein Audi, um 22.45 Uhr ein Smart. Um 22.55 Uhr wird ein weißer Jaguar geblitzt, dessen Fahrer nach der ersten Schrecksekunde extra aufs Gaspedal tritt – direkt gefolgt von einem Polo, den es um 22.58 Uhr erwischt. Zwischendurch macht sich eine Gruppe junger Nachtschwärmer ihren Spaß mit dem Gerät und posiert mit ihren Bierflaschen in der Hand vor dem Blitzgerät wie vor einer Kamera.

Rücksichtslose Fahrer

Der neue mobile Blitzer ist die zweite Kontrollanlage auf dem Altstadtring, nachdem vor Jahren als Reaktion auf mehrere schwere Unfälle bei illegalen Autorennen die stationäre Anlage an der Olgastraße installiert wurde. „Bei mir landen täglich Briefe auf dem Schreibtisch mit der Bitte um Tempokontrollen“, sagt Czisch. Vor allem der Altstadtring sei eine seit Jahren bekannte Gefahrenstelle, weshalb jetzt reagiert werden musste: „Manche fahren rücksichtslos und reagieren nicht auf die Tempo-30-Schilder.“

Der OB widerspricht auch der Darstellung, dass die Stadt Autofahrer abkassiere, um den Haushalt zu sanieren. Es sei vielmehr so, dass die Frauenstraße für viel Geld hergerichtet worden sei – nicht zuletzt, um sie attraktiver zu machen auch für Radfahrer und Fußgänger. Es gehe also um eine erzieherische Maßnahme, zumal niemand daran gehindert werde, sich an Regeln zu halten.

Im Übrigen sei der Effekt tatsächlich messbar, wie Rainer Türke von den Bürgerdiensten sagt. Die Situation auf der Olgastraße habe sich seit der Installierung der Messstation etwa auf Höhe des Justizgebäudes beispielsweise deutlich verbessert. Freilich habe sich das Problem etwas in die Frauenstraße verlagert, weshalb dort jetzt auch der mobile Messwagen steht. Die Anlage kann mehrere Tage ohne Personal betrieben werden.

Kommentar zu den Tempokontrollen: Zum Handeln gezwungen

Bei etwa 100 000 Tempoverstößen pro Jahr oder grob gerechnet 270 jeden Tag kommt natürlich schnell der Verdacht auf, dass die Stadt die Autofahrer abkassiert und den Haushalt saniert. Man kann das Problem aber auch von der anderen Seite her betrachten und feststellen, dass sich auch innerorts herzlich wenig Autofahrer an Geschwindigkeitsbeschränkungen halten – frei nach dem Motto: Freie Fahrt für freie Bürger.

Die Freiheit des einen hört aber bekanntermaßen da auf, wo sie die Freiheit des anderen einschränkt. Beispielsweise dort, wo Anwohner von laut aufheulenden Motoren in ihrer Nachtruhe gestört werden. Oder wenn andere Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger oder Radfahrer gefährdet werden, weil es irgendeinem mal wieder nicht schnell genug geht. Allein schon die unglaublich hohe Zahl an Geschwindigkeitsüberschreitungen zeigt die Notwendigkeit von Kontrollen.

Gerade der Altstadtring rund um die Ulmer Innenstadt ist in den letzten Jahren immer mehr zum Imponierparcour für zumeist jüngere Autofahrer geworden, die vor Hormonen und Balzgehabe keine Verkehrsschilder mehr lesen können. Zahlreiche schwere Unfälle haben die Stadt zum Handeln gezwungen, sie dafür jetzt zu schelten, wäre falsch. Letztlich hat der OB ganz einfach recht, wenn er festhält, dass keiner daran gehindert wird, sich an Regeln zu halten.

Ein Kommentar von Hans-Uli Mayer

Bußgelder Die Stadt ahndet etwa 100.000 Tempoverstöße jedes Jahr allein im Stadtgebiet. Im Durchschnitt belaufen sich die Bußgelder auf 20 Euro. Den großen Reibach mache die Stadt damit aber nicht, sagt OB Czisch, der von hohem Verwaltungsaufwand und hohen Anschaffungskosten für die Geräte spricht.

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Kommentare

15.05.2017 19:39 Uhr

Antwort auf „Blitzer in der Frauenstraße erwischt Raser im Minutentakt ”

Das kann der Anwalt wohl machen, oder sagen wir mal: versuchen. Aber so lange die Schilder da stehen sind sie zu beachten. Den Begriff "Raser" hate ich allerdings auch für unangemessen. Selbst die Schweiz bezeichnet einen Autofahrer erst dann als "Raser" (was ihn teuer zu stehen konnt und möflicherweise sein Auto kostet), wenn er in einer 30er-Zone schneller als 70 km/h fährt.

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15.05.2017 16:38 Uhr

Antwort auf „Raser im Minutentakt,”

Seh ich genauso. Auch wer 50kmh fährt ist kein Raser, sondern ein Autofahrer, der innerorts mit einer völlig angemessenen Geschwindigkeit fährt. Ohne aufheulenden Motor! Da wird der normale Autofahrer in Sippenhaft genommen, muss wegen ein paar echten Rasern(die mit den aufheulenden Motoren), mit 30 rum kriechen oder die Stadtkasse füllen, wenn er etwas schneller fährt, aber keinesfalls rast. Schon merkwürdig, kaum einer wählt die Grünen, trotzdem kann diese 6% Partei sich mit ihrer Ideologie durchsetzen.

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15.05.2017 15:04 Uhr

Raser im Minutentakt,

ist einer der mit 50 durch die Stadt fährt obwohl nur 30 erlaubt sind, schon ein Raser, Ich würde das nicht so pauschal sagen. Die Frauenstraße ist übersichtlich, hat Ampeln, hat Fußgägerüberwege und ist eigentlich trotz des Umbaus für 50 geeignet und der normale Autofahrer fährt das dann auch und ärgert sich wenn er geblitzt wird.. 30 km/h Schilder nicht gesehen. Die wirklichen Raser wird das nicht abhalten nach dem Starenkasten mal das Gaspedal durchzutreten. Ich bin dafür, wo Fußgänger und Radfahrer unterwegs sind, den Autofahrern Grenzen zu setzen und es hat sich ja auch schon in der Olgastraße bewährt.

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15.05.2017 10:40 Uhr

Das Gerät ist häßlich,

eine Schande für das Stadtbild und die verschönerte Frauenstr. . Auch ich bin der Meinung, dass die Bußgelder juristisch nicht durchsetzbar sind. Wenn man von einer der Seitenstraßen einbiegt, steht nirgends ein Tempo 30 Schild. Die vorhandenen Schilder am Beginn und Ende der 30er Zone stehen ziemlich versteckt und unscheinbar dort. Geht es hier doch ums Geld verdienen? Ich wäre gerne bereit, diese Aufgabe der Stadt zu übernehmen, die damit angeblich nichts verdient. Den Anschaffungspreis der Geräte hat man schnell wieder drin und so unendlich hoch kann der Verealtungsaufwand nicjt sein.

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15.05.2017 09:33 Uhr

Blitzer in der Frauenstraße erwischt Raser im Minutentakt

Dass Geschwindigkeitskontrollen richtig und nötig sind, steht wohl ausser Frage.
Die Stadt Ulm wäre allerdings gut beraten die Beschilderung der, in der Frauenstrasse eingerichteten Tempo 30 Zone, auf Konformität nach § 45 Absatz 1c Satz 3 bis 5 StVO zu überprüfen.
Ein guter Anwalt für Verkehrsrecht zerreisst meiner Meinung nach die 30er Zone in der Luft. Denn zwischen Einmündung Sammlungsgasse und Einmündung Rosengasse würde, gemäss dem o.A. § 45, weiterhin Tempo 50 gelten.

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15.05.2017 08:15 Uhr

im Prinzip gut - ABER!

Geschwindigkeitskontrollen sind m.E. gut und nötig. Aber Nachts - muss das sein? Auf dem Altstadtring wegen der illegalen Rennen? Wäre da nicht mehr Polizeipräsenz angesagt. Lassen sich diese Raser von der Blitze abschrecken?

Ich wohne in einem Wohngebiet mit verkehrsberuhigtem Bereich. Ab und an wird auch da geblitzt: von morgens 9 Uhr bis 11 Uhr wenn alle beim Arbeiten sind - das ist doch sehr zuvorkommend - oder nicht?

Aus meiner Sicht sollten die Kontrollen dort stattfinden wo sie nötig sind, da Fußgänger gefährdet sind: vor Schulen, Kindergärten etc. Und dann bitte zu Zeiten wo die Gefährdeten gefährdet sind - also nicht Nachts um 3!

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