Bleibt Heilmeyer Namensgeber?

Wird die Heilmeyer-Steige in Ulm umbenannt? Die Stadt informiert über den wegen seiner NS-Vergangenheit umstrittenen Mediziner.

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Ludwig Heilmeyer, der Gründungsrektor der Universität Ulm.  Foto: 

Wird die Heilmeyer-Steige am Eselsberg umbenannt? Die Stadt Ulm informiert in Kooperation mit dem Dokuzentrum Oberer Kuhberg (DZOK) am Dienstag, 21. November, im Stadthaus über den umstrittenen Mediziner. Die Veranstaltung „Umbenennen? Die Heilmeyer-Steige und ihr belasteter Namensgeber“ beginnt um 19 Uhr.  Der Medizinhistoriker Prof. Florian Steger, Direktor des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Uni Ulm, wird die wissenschaftliche Forschung zu Ludwig Heilmeyer vorstellen, Prof. Michael Wettengel, Leiter des Ulmer Stadtarchivs, den Ulmer Umgang mit Straßenumbenennungen erläutern und DZOK-Leiterin Dr. Nicola Wenge erinnerungskulturelle Argumente für und gegen eine Umbenennung nennen.

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Kommentare

13.11.2017 17:27 Uhr

Selbstüberhöhung ist immer noch gang und gäbe

Wenn der Namensgeber der Heilmeyer-Steige tatsächlich ideologisch so stark belastet war, dass inzwischen sogar eine Umbenennung der Straße erwogen wird, um nicht offiziell dessen Selbstüberhöhung auch noch im Nachgang gutzuheißen, auferlegt solch eine Revision der Universität Ulm eine schwere Bürde, weil die Person des Gründungsrektors nicht einfach gelöscht werden kann und daher für immer mit ihr verbunden bleibt. Nicht eine etwaige Umbenennung der Heilmeyer-Steige ist insofern vordringlich. Vielmehr hat die Universität selbst Vorkehrungen zu treffen, damit sich die Geschichte nicht wiederholt. Die kaum mehr sagbare Geringschätzung allerdings, die im Vergleich zu Naturwissenschaftlern und Ingenieuren nicht nur die Angehörigen der Geistes-, sondern auch die auf diesem Gebiet einschlägigen Vertreter der Sozialwissenschaften erfahren, lässt äußerst wenig Raum für Hoffnung. So erlaubt sich beispielsweise der Ehrensenator Queisser anlässlich der Feierlichkeiten zum 20-jährigen Bestehen der Wissenschaftsstadt über die Sozialwissenschaften zu richten, indem er behauptet, dass "Werbung und Hilfe für diese deutlich schwierigeren Studiengänge der Naturwissenschaftler und Ingenieure .. Aufgabe aller Ulmer (wird)". Geflissentlich übergeht Herr Queisser dabei die Notwendigkeit, dass jedweder Naturerkenntnis stets eine Konstitutionstheorie der Lebenswelt des Menschen als einem sozialen Wesen vorausgeht. Die Gefahren einer erneuten Selbstüberhöhung von Mitgliedern der Universitätsleitung im Verein mit großen Teilen der Bevölkerung sind somit längst nicht gebannt. Im Gegenteil. Eine bloße Straßenumbenennung verstellt sogar den Blick darauf.

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