Holzheimer Landwirt beliefert Bio-Läden in Ulm

Woher kommt das Biogemüse im Alnatura und Erdapfel? Vom Hofgut Neubronn bei Holzheim, den Renè Schimming seit 19 Jahren betreibt.

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  • Unter einer Folie hält der Endiviensalat im Gewächshaus trotz leichter Minustemperaturen. René Schimming erntet nur, was er braucht. Oben ein Kohlrabi, unten der gesäuberte und gewaschene Lauch. Ganz unten seine Lebensgefährtin Martina Spiegel. 1/4
    Unter einer Folie hält der Endiviensalat im Gewächshaus trotz leichter Minustemperaturen. René Schimming erntet nur, was er braucht. Oben ein Kohlrabi, unten der gesäuberte und gewaschene Lauch. Ganz unten seine Lebensgefährtin Martina Spiegel. Foto: 
  • Essen und Trinken Bio-Bauer Rene Schimming in Neubronn. 2/4
    Essen und Trinken Bio-Bauer Rene Schimming in Neubronn. Foto: 
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    Essen und Trinken Bio-Bauer Rene Schimming in Neubronn. Foto: 
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Lebensgefährtin Martina Spiegel. 4/4
    Lebensgefährtin Martina Spiegel. Foto: 
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Es ist neblig kalt an diesem frühen Mittwochmorgen. Das Thermometer zeigt minus 5 Grad, die Bäume und Sträucher sind mit Raureif überzogen. Über den Wiesen und Äckern im Ulmer Winkel vor den Toren Neu-Ulms liegt ein dünner Nebelschleier. Es ist still hier draußen am Waldrand zwischen Neuhausen und Luippen, wo sich einst Ulmer Patrizier für die Sommerfrische ein repräsentatives Haus gebaut haben. Selbst die Rufe der Krähen und die Motorengeräusche der Autos sind nur gedämpft wahrzunehmen.

Für René Schimming, der seit 19 Jahren die an das Patrizierhaus angrenzende Landwirtschaft gepachtet hat, ist der Tag schon lang. Er ist um 1.30 Uhr aufgestanden und hat schon die Bio-Läden in Ulm (die beiden Alnatura und den Erdapfel in Söflingen) mit rund 300 Kilogramm frischem Gemüse beliefert und obendrein noch seinen Stand auf dem Neu-Ulmer Wochenmarkt aufgebaut.

Bei Frost wird geputzt

Dass er arbeitet, wenn die halbe Welt noch schläft und vielleicht von seinem frischen und gesunden Gemüse träumt, stört ihn nicht weiter. „Der Beruf bringt das Alleinsein mit sich“, beschwert er sich nicht: „Ich bin gerne allein und mag es so wie es ist.“ Zeit für eine gemütliche Pause gönnt er sich kaum. Wenn auf dem Feld oder in den Gewächshäusern noch der Frost herrscht, dann putzt er das bereits zuvor geerntete Gemüse und macht es fertig für den Verkauf.

In einem Nebengebäude hat er Kisten mit Lauch und Zuckerhut gestapelt, einem bitter schmeckenden Salat, der robust ist und in früheren Zeiten der Wintersalat der Hausfrau war. „Ab minus 4 Grad muss der rein“, sagt Schimming, der beim Anbau von Zuckerhut allerdings weniger mit den Temperaturen kämpft, als mit den vielen Hasen, die durch die Region hoppeln und den Zuckerhut auf ihrem Speisezettel haben.

Schimming und seine Lebensgefährtin Martina Spiegel versorgen praktisch die halbe Region mit ihren vom Anbauverband Bioland streng kontrollierten Produkten. Fast alles wird in mühevoller Handarbeit verrichtet, Maschinen nur in Ausnahmefällen eingesetzt. Bioland verlangt den Verzicht auf künstlichen Dünger und schreibt eine Kreislaufwirtschaft vor.

Salat und Gemüse für den Verkauf vorzubereiten, erfordert viel Zeit, zumal die Ansprüche an Aussehen und Form von Biogemüse mittlerweile ähnlich hoch seien wie an konventionelle Produkte. Ausschuss gibt es also ordentlich. Ausgeliefert hat Schimming allein an diesem Mittwochmorgen 34 kg Chinakohl, 15 kg Zuckerhut, 110 kg Möhren, 15 kg Rote Beete, 15 kg Schwarzwurzel, 35 kg Lauch, 30 kg Sellerie, 5 kg schwarzer Rettich, 10 kg Spinat, 5 kg Radicchio, 25 kg Pastinaken, 13 kg Petersilienwurzel und 66 Köpfe Endiviensalat – und zwar nur an die drei Biogeschäfte, die er montags, mittwochs und freitags bedient. Hinzu kommen noch der Neu-Ulmer Wochenmarkt am Mittwoch und Samstag.

Die richtige Frucht- und Erntefolge hinzubekommen, ist gar nicht so einfach. Schimming bezieht seine Setzlinge von einem speziellen Lieferanten aus dem Stuttgarter Raum und pflanzt zeitlich versetzt verschiedene Sätze, so dass immer gerade so viel erntereif wird, wie er verkaufen kann. Das ist durchaus eine logistische Leistung, die praktisch den ganzen Mann braucht. Urlaub oder Freizeit wird jedenfalls untergeordnet, der Lebensrhythmus wird von der Fruchtfolge bestimmt und vom Wetter.

Das macht auch den Reiz aus, sagt der 48-Jährige. Zwar pflanze er jedes Jahr im selben Rhythmus an. Weil aber das Wetter jedes Jahr anders ist, muss auch er sich von Jahr zu Jahr neu darauf einstellen. Da hat es die konventionelle Landwirtschaft einfacher, zumal Kunstdünger auch bei noch kaltem Boden wirkt. Naturdünger aber nicht, was einen ungleich höheren Aufwand nach sich zieht, die Kulturen von Unkraut zu befreien  – oder vom Beikraut wie es in der Biolandwirtschaft heißt.

Dabei kommt ihm sicher zu Hilfe, dass er in seinem früheren Leben Chemie studiert hat. René Schimming kommt unüberhörbar aus Sachsen, und hat in Dresden einen Abschluss als Chemiker gemacht. Schon damals hat er in einer studentischen Umweltgruppe mitgearbeitet und dabei seine heutige Partnerin Martina Spiegel kennen gelernt, die in Mönchengladbach Ökotrophologie studiert hat, also Haushalts- und Ernährungswissenschaften. Beide brauchten lange, bis sie sich nach ihrem Studium wieder fanden, jetzt knien sie oft bei Minustemperaturen gemeinsam im Gewächshaus und schneiden Salat oder Fenchel.

Bioland statt Demeter

Im Ziel sind sie sich einig. Er hat nach seinem Studium eine Ausbildung zum Landwirt gemacht, sie hat lange auf einem Demeter-Hof gearbeitet. Auf dem Hofgut Neubronn aber überwiegt die wissenschaftliche Seite von Bioland, dem mittlerweile größten ökologischen Anbauverband in Deutschland, dessen Bioland-Richtlinien ungleich schärfer sind als die EG-Öko-Verordnung vorsieht. Dem geisteswissenschaftlichen Überbau von Demeter mit der anthroposophischen Lehre von Rudolf Steiner kann Schimming nicht immer folgen.

Immerhin betreibt er 9,5 Hektar, dazu kommen 3 Hektar Gründüngung und obendrein 2000 Quadratmeter Fläche in Gewächshäusern. Das will alles bewirtschaftet ein, was gar nicht so einfach ist, bedenkt man, dass der Feldsalat ebenso von Hand geerntet wird wie alles andere auch.

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