Biologische Globalisierung: Wie Tiere und Pflanzen fremde Ökosysteme beeinflussen

Nicht nur der Mensch spürt die Globalisierung, auch die Natur: Viele Tier- und Pflanzenarten sind inzwischen nicht mehr nur in ihren ursprünglichen Kontinenten beheimatet, sondern inzwischen auch ein fester Bestandteil in anderen Ländern. Das birgt manchmal Probleme. Mit einer Bildergalerie.

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Aus Europa eingeschleppte Ratten und Katzen rotteten auf tropischen und subtropischen Inseln ganze Vogelarten aus, die zur Jagd aus Europa mitgebrachten Kaninchen entwickelten sich in Australien zu einer Plage. Auch heute hat manche biologische Einwanderung von Tieren oder Pflanzen - ob durch den Klimawandel bedingt oder die Globalisierung - enorme Auswirkungen auf das heimische Ökosystem. Wir haben fünf Beispiele für Deutschland und Europa herausgesucht.
 

Der Hasenkopf-Kugelfisch


Der Hasenkopf-Kugelfisch kommt eigentlich aus den Tropen, ist aber vor wenigen Jahren aus dem Roten Meer über den Suez-Kanal ins östliche Mittelmeer geschwommen. "Der fühlt sich da ja sehr wohl. Und er ist eine Gefahr", sagt der Toxikologe Dietrich Mebs, der früher am Universitätsklinikum Frankfurt lehrte. Er ist Fachmann für Fischgifte und hat das Buch "Gifte im Riff" geschrieben.

Jetzt steige die Zahl der Exemplare auch im Westen, sagt Maria Corsini-Foka. Sie ist Meeresbiologin am Griechischen Zentrum für Meeresforschung auf Rhodos, an dessen Küste der Kugelfisch recht häufig ist. Aber inzwischen taucht er sogar in den Gewässern bei Spanien auf. Aus Malta, Italien und Algerien gibt es ebenfalls Meldungen.

Das Gift des Kugelfisches - das Tetrodotoxin - gehört zu den tödlichsten Nervengiften, die derzeit bekannt sind. Alle Kugelfische tragen es in sich, es komme aber auch in Landtieren vor, sagt Mebs. Wer den Hasenkopf-Kugelfisch isst, vergiftet sich. Die Lähmung befalle das äußere Nervensystem, gehe also nicht vom Gehirn aus, erklärt Mebs. "Das heißt: Ich kriege das bei vollem Bewusstsein mit." Zuerst verschwindet das Gefühl unter anderem in den Fingerspitzen. Dann greift die Lähmung um sich. Sobald sie die Atemmuskulatur erreicht, besteht akute Lebensgefahr. Einzige Rettung: künstliche Beatmung.

Dennoch warnt Timo Moritz vor einer Dramatisierung. Der wissenschaftliche Leiter des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund hält die öffentliche Reaktion auf den L. sceleratus im Mittelmeer für aufgebauscht. Von den rund 750 Fischarten im Mittelmeer sind ihm zufolge bis zu 150 eingewandert, ein Großteil aus dem Roten Meer. Der L. sceleratus ist nicht die einzige Kugelfisch-Art im Mittelmeer und auch nicht die einzige giftige.


Die asiatische Tigermücke

Die asiatische Tigermücke (Stegomyia albopicta oder auch Aedes albopictus) gilt laut dem Umweltbundesamt als eine der invasivsten Steckmückenarten überhaupt. Durch den internationalen Warenverkehr ist sie inzwischen nicht mehr nur in Ostasien, ihrem ursprünglichen Herkunftsort, verbreitet; sondern wurde inzwischen auch in 21 Staaten Europas nachgewiesen.

Die Tigermücke ist schwarz-silberweiß gestreift und recht klein. Ihre Eier legen die Stechmücken oberhalb einer Wasseroberfläche ab, die Larven schlüpfen, wenn der Wasserpegel steigt. Sie sind relativ resistent gegenüber Umwelteinflüssen wie Trockenheit oder Kälte.

Sie ist vor allem als Krankheitsüberträger gefürchtet, da sie beispielsweise das Chikungunya- oder das Dengue-Fieber übertragen kann, die bereits in Südeuropa vorkamen. Dazu müssten sie aber zunächst eine mit der Krankheit infizierte Person stechen und die Erreger so aufnehmen. Solche Infektionsquellen seien jedoch selten und die Chance, dass der Erreger in der Mücke überlebt und übertragen werden könne, minimal; so Wissenschaftler Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Greifswald laut eines dpa-Berichts.


Asiatische Marienkäfer

Der aus China und Japan stammende asiatische Marienkäfer, wegen seiner Vielfarbigkeit auch Harlekin-Marienkäfer genannt, wurde in den 1980er-Jahren zunächst nach Nordamerika und später auch nach Europa eingeführt. Er wurde vor allem für die Schädlingsbekämpfung eingesetzt, da er laut einem Bericht des Naturschutz Bund Deutschland (NABU) im Vergleich zu seinem heimischen Verwandten, dem Siebenpunkt-Marienkäfer, locker das Fünffache an Blattläusen frisst. Findet er jedoch keine Nahrung, vertilgt er auch schon mal die Larven des hiesigen Marienkäfers. In den letzten Jahren gingen dessen Bestände durch die enorme Verbreitung des asiatischen Marienkäfers deutlich zurück.

Im November und Oktober sucht er asiatische Marienkäfer ein Winterquartier und dringt dabei auch in Häuser ein. Bei Panik und Stress reagiert er mit sogenannten Reflexblutungen und stößt dabei eine bitter und übelriechende Flüssigkeit aus.


Der Ochsenfrosch

Er kann eine Kopf-Rumpf-Länge von bis zu 20 Zentimeter erreichen und bis zu 500 Gramm wiegen: Der Ochsenfrosch (Rana catesbeiana) kam ursprünglich aus Nordamerika und wurde in Europa einst als Delikatesse für die Gastronomie eingeführt. Die Weibchen können bis zu 20.000 Eier legen. Da in Europa jedoch die natürlichen Fressfeinde fehlen, vermehrt sich der Ochsenfrosch schnell. Außerdem frisst er alles, was er irgendwie überwältigen kann - dazu gehören neben dem Nachwuchs der heimischen Frösche und die Frösche selbst auch kleine Vögel und Nagetiere.

Laut World Wide Fund for Nature (WWF) fehlen in den vom Ochsenfrosch besiedelten Laichgewässern wie etwa am Oberrhein inzwischen Kaulquappen der einheimischen Amphibienarten fast völlig.


Drüsiges oder indisches Springkraut

Diese Pflanze mit den auffällig leuchtenden Blüten wurde einst als Zierpflanze vom Himalaya und Ost-Indien zunächst nach England gebracht, inzwischen ist es auch in Deutschland beheimatet. Das Springkraut bevorzugt feuchte Standorte, beispielsweise in Fluss Nähe. Laut WWF sei die Pflanze sehr anpassungsfähig und verdrängt zunehmend heimische Arten, zudem wird der Wasserhaushalt des Standortes geschädigt. Sie wird bis zu Meter hoch und produziert an die 3000 Samen.

Da das Springkraut nur einjährig blüht, ist es recht leicht eine weitere Ausbreitung der Pflanz zu unterbinden, beispielsweise durch mähen oder Mulchen.
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