Bildungsreise vom Mekong an die Donau

Wie funktioniert das mit dem beruflichen Bildungswesen in Deutschland? Eine Minister-Delegation aus dem südostasiatischen Binnenstaat Laos versucht sich davon in Ulm ein Bild zu machen.

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    Sengmany Kongsy, laotischer Vize-Minister, erkundet die Robert-Bosch-Schule. Foto: Volkmar Könneke
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Man bekommt nicht alle Tage Besuch aus Laos. Oberstudiendirektor Lorenz Schulte, Leiter der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule, hatte den Vortrag über das Bildungsangebot seiner gewerblichen Schule deshalb sicherheitshalber mal in englischer Sprache aufgesetzt. Gehalten hat er ihn aber auf Deutsch. Denn Seine Exzellenz Dr. Sengmany Kongsy, Vize-Bildungs- und -Sportminister der Demokratischen Volksrepublik Laos, der am ersten Ulmer Sommerferientag die Robert-Bosch-Schule sowie die benachbarte Steinbeis-Schule besuchte, ist der Sprache Goethes mächtig. Der Physiker hat - wie auch die übrigen drei Mitglieder seiner Delegation - vor Jahren in der DDR studiert.

Das südostasiatische Laos, zwischen Thailand und Vietnam gelegen, ist etwa so groß wie die Bundesrepublik vor der Wiedervereinigung, zählt aber nur gut sechs Millionen Einwohner. Es ist ein armes Land. Die Laotische Revolutionäre Volkspartei regiert den Einparteienstaat seit 1975, in den vergangenen Jahren gab es allerdings politische und ökonomische Reformen, Ziel: die Wirtschaft zu liberalisieren und engere Kontakte zum (westlichen) Ausland zu knüpfen. Nach wie vor hat Laos eine niedrige Alphabetisierungsrate. Nur zwei Drittel der Männer und ein Drittel der Frauen über 15 Jahren können lesen und schreiben. Zwei Drittel der laotischen Kinder brechen vorzeitig die Grundschule ab, um zum Lebensunterhalt der Familie beitragen zu können. Ein Zustand, der sich nach den Worten Kongsys dringend ändern muss, weswegen in der Verfassung ein "Recht auf Bildung" verankert werden soll.

Vor allem für das Duale System - also die kombinierte Ausbildung in Betrieb und Schule - interessieren sich die laotischen Bildungspolitiker. Kongsy räumte zwar ein, dass das an Rhein und Donau praktizierte System nicht an den Mekong importiert werden kann, "dafür fehlt uns die Infrastruktur". Gleichwohl hält er die Verzahnung von betrieblicher Ausbildung und schulischem Lernen für eine gute Sache.

Zunächst hatte der Ministerstellvertreter aber jede Menge Fragen auf dem Herzen, die er Lorenz Schulte, seinem Schulleiter-Kollegen Gerhard Braunsteffer (Robert-Bosch-Schule) sowie dem Ulmer Schulamtsleiter Gerhard Semler stellte. Zum Beispiel: Wer finanziert die Lehrer? (Das Land). Wer finanziert die Schule? (Die Stadt). Darf eine Schule, wenn sie was braucht, der Stadt einfach eine Rechnung schreiben? (Gelächter: Nein, der Gemeinderat stimmt über die Budgets ab). Müssen Schüler Schulgeld zahlen? (Nein).

Wie es sich für einen Politiker gehört, ging Dr. Kongsy die Frage nach einer möglichen Kooperation auf dem Bildungssektor dann ganz pragmatisch an. In der laotischen Hauptstadt Vientiane gibt es eine internationale Schule mit deutschem Lehrprogramm. Wie wäre es denn, wenn sie die Robert-Bosch-Schule und die Steinbeis-Schule als Partnerschulen gewinnen könnte, frage er.

Für die Delegation war nach dem Berufsschultermin übrigens noch längst nicht Schluss. So standen beziehungsweise stehen bis kommenden Mittwoch unter anderem auf dem Programm: Besuche in Wissenschaftsstadt, Wilhelmsburgkaserne, bei Dodel Metallbau, Wieland und in der Schreinerei von Kreishandwerkermeister Max Semler. Fürs Wochenende, so war zu hören, hat der Vize-Minister für sich und die Seinen eine Auszeit erbeten. Dann geht es zum Golfspielen.

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