Bilanz ohne Kulturinfarkt

Drei Frauen und zwei Männer stehen am 27. Juni für das Amt des Ulmer Kultur- und Sozialbürgermeisters zur Wahl. Gestern war noch einmal Kulturausschuss mit Amtsinhaberin Sabine Mayer-Dölle.

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Es geht nicht um den schöneren Schal: Sabine Mayer-Dölle (links) und Iris Mann gestern bei der letzten Ausschusssitzung vor der Wahl. Foto: Matthias Kessler

Der "Geschäftsbericht des Fachbereichs Kultur" stand gestern als einziger Punkt auf der Tagesordnung des Ulmer Kulturausschusses. Klingt nach Bilanz. Es war auch eine: Schließlich wählt der Gemeinderat am 27. Juni den künftigen Sozial- und Kulturbürgermeister. Die parteilose Sabine Mayer-Dölle, die das Amt seit 2004 innehat und wieder antritt, muss sich vier Herausforderern stellen. Die Vorauswahl aus 23 Bewerbern hatte nach der Stellen-Ausschreibung eine Findungskommission getroffen.

Iris Mann (parteilos), seit fünfeinhalb Jahren Kulturhauptamtsleiterin und damit verantwortlich für die Organisation von Ereignissen wie Heimattage, Berblinger-Jubiläum und den diesjährigen "Aufbruch entlang der Donau"-Schwerpunkt, tritt gegen ihre Chefin an. Ebenso hat der ehemalige Grünen-Fraktionschef Markus Kienle, der jetzt als städtischer Sozialplaner unter Mayer-Dölle tätig ist, seinen Hut in den Ring geworfen.

Im Rennen ist auch Dieter Lehmann (parteilos), der seit 2008 in Schwäbisch Gmünd das Amt für Familie und Soziales leitet. Er war zuvor in Ulm Leiter der Stabstelle für strategische Planung und bürgerschaftliches Engagement und lebt noch in Ulm.

Die fünfte Kandidatin ist Ingrid Taschek. Sie stammt aus Altbach und ist Veranstaltungsleiterin in der Vertretung des Landes Baden-Württemberg bei der Europäischen Union in Brüssel; zuvor war das CDU-Mitglied im Stuttgarter Staatsministerium tätig.

Gestern also war letzte Kulturausschuss-Sitzung vor der Wahl - und damit automatisch Wahlkampf. Der aber wurde subtil geführt. Mayer-Dölle nahm die kontroverse Streitschrift "Der Kulturinfarkt", die eine Halbierung der öffentlichen Kulturlandschaft in Deutschland zur Debatte stellt, als Steilvorlage für den Geschäftsbericht. Um zu dem Ergebnis zu kommen, dass die provokanten Thesen der "Kulturinfarkt"-Autoren in Ulm ohnehin nicht zuträfen. "Wir sind ganz anders aufgestellt. Vieles, was in dem Buch gefordert wird, ist in Ulm längst erfüllt worden, in einem lebendigen Dialog zwischen Gemeinderat und Kultureinrichtungen." Was nicht zuletzt mit den schmerzhaften Konsolidierungsrunden zusammenhängt.

So wurde in den Berichten der Abteilungsleiter durchaus deutlich, wo es trotz starker Ergebnisse knarzt und ächzt und bröckelt. Sei es in der Stadtbibliothek, die ein ernsthaftes Personalmitteldefizit hat (Leiter Jürgen Lange: "Ein potenzieller Sprengsatz"). Sei es in der Musikschule mit der prekären Anstellung vieler Lehrbeauftragter (Leiter Stephan Schuh: "Das ist beschämend"). Sei es im Stadthaus, das 2013 kein Neue-Musik-Festival ausrichten kann, zudem Sanierungsbedarf anmeldet (Leiterin Karla Nieraad: "Wir haben schäbige Ecken").

Doch leiste die Kultur in Ulm "Hervorragendes für die Identität und das Lebensgefühl in unserer Stadt", betonte Mayer-Dölle. Die Einführung des Kulturhauptamts 2006 sei ein "elementarer Schritt" gewesen: als Ansprechpartner und Event-Organisator, etwa der "Denkanstöße", die sie mit etabliert habe. Das Bildungsnetzwerk und das Konzept "Ulm, internationale Stadt" seien weitere Erfolge. Das Kulturhauptamt arbeite sehr gut, lobte Mayer-Dölle, ohne dessen Leiterin - und jetzt Konkurrentin - Iris Mann nun explizit zu danken.

Diese stellte kurz dar, welche Arbeiten maßgeblich über ihr Amt und ihren Schreibtisch laufen. Da sind nicht nur die Jubiläums-Themen der Stadt, sondern auch die Kulturförderung und Kontakte zur freien Szene. Und vieles funktioniere "geräuschlos und so unbürokratisch wie möglich", etwa die Organisation der Plakatwerbung.

Aus allen Fraktionen gab es Lob. Aber nur Ralf Milde (FWG) forderte dazu auf, "nicht so verkrampft zu sein" und anzusprechen, dass es die letzte Sitzung dieser Amtsperiode sei: "Ich möchte mich bedanken für diese acht Jahre, die alles andere als langweilig waren." Langweilig dürfte es auch am 27. Juni nicht werden, wenn gewählt wird.

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