Biberacher Boot seit anderthalb Jahren in Ulm gestrandet

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Vor etwas mehr als drei Jahren hat sich eine Frau so schwer verletzt, dass sie seither als Pflegefall in der Wohngemeinschaft des ASB in der Ulmer Weststadt lebt. Ihr Ehemann, ein am Eselsberg wohnender Rentner, besucht sie täglich. Dabei ist ihm etwas aufgefallen, das ihn nach eigener Aussage inzwischen ziemlich ärgert. Abhilfe scheint nicht in Sicht.

Dem Mann steht „Shark I“ buchstäblich im Weg. „Shark I“ ist ein schon etwas älter anmutendes Motorboot, das auf einem Anhänger festgezurrt, seit Jahren auf einem öffentlichen Parkplatz an der Magirusstraße schräg vor dem ASB-Gebäude steht – besser gesagt, auf zwei Parkplätzen. In einem seit Monaten anhaltenden Schriftwechsel mit der Stadtverwaltung sieht sich der Beschwerdeführer darin bestätigt, dass dies nicht rechtens ist. Mit den Antworten des OB und seiner Mitarbeiter will er sich aber nicht zufrieden geben, wie er schreibt: „Ich habe kein Verständnis dafür, dass es der Stadt Ulm nicht gelingt, einen derartig klaren Verstoß gegen (...) die Ordnung in der Stadt zu erledigen.“

Genau so aber verhält es sich. Und das, obschon das gültige Kennzeichen an dem Bootsanhänger den Besitzer als Biberacher ausweist. Über dessen Personalien kann und darf die Stadt aber wegen der Bestimmungen des Datenschutzes keine weitere Auskunft geben. Eine Sprecherin der Stadt bestätigt zwar den geschilderten Umstand. Allerdings sei der Anhänger der Bußgeldstelle erst anderthalb Jahre bekannt. Der Anhänger werde ständig kontrolliert.

Und nicht nur das: Der Besitzer wird auch in regelmäßigen Abständen gebührenpflichtig verwarnt. Durchgängiges Parken von mehr als zwei Wochen kostet nämlich 20 Euro, die der Besitzer wohl auch brav bezahlt. Allerdings sei der Anhänger völlig korrekt und ordnungsgemäß geparkt, weil er niemand behindere. Deshalb, so heißt es in einer Mitteilung der Stadtverwaltung, liege kein Tatbestand vor, der ein Abschleppen des Anhängers samt „Shark I“ rechtfertigen würde: „Es fehlt an einer gesetzlichen Ermächtigung.“

Ein Umstand, der den Rentner verständlicherweise nicht zufrieden stellt. In einem zweiten Schreiben an den OB äußert er klar seinen Unmut, und fragt, ob der Besitzer denn überhaupt noch lebe und warum ein Bootseigentümer aus Biberach sein Gefährt so einfach und dauerhaft in Ulm abstellt?

Wie die Stadt weiter mitteilt, sind auch die Bürgerdienste „stark an einer Lösung des Problems interessiert“. Offenbar gibt es inzwischen einen Kontakt zu den Kollegen der Biberacher Stadtverwaltung, die ihrerseits vermittelnd eingreifen sollen. Dem täglichen Besucher des Wohnheims hilft diese Beteuerung nicht weiter und er will keine Ruhe geben. Denn in letzter Zeit, so seine Beobachtung, habe der Bootsanhänger Gesellschaft bekommen.  Ein Kleinbus steht jetzt direkt davor, der dort seit Ende November permanent geparkt sei.

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Kommentare

17.01.2017 18:18 Uhr

Überall das gleiche Bild.....

Die einfach einzutreibenden Bußgelder sind für die Stadt deutlich angenehmer wie wirklich mal Probleme dauerhaft zu beseitigen.
Wenn ich in der Innenstadt versehentlich vergesse einen Parkschein zu lösen oder auch nur verspätet nach Ablauf der gekauften Parkzeit an mein Auto komme, dann kann ich mit fast 100%iger Sicherheit davon ausgehen, dass ich ein Knöllchen kassiert habe.
Das spiegelt sich auch in anderen Beschwerden von Anwohnern wieder, wo dauerhaft und völlig ignorant Verkehrsteilnehmer unerlaubterweise Anliegerstraßen befahren und die Stadt nichts unternimmt. Ist doch egal, wenn der Bürger sich beschwert. Zahle ja mit meinen Steuern "nur" deren Gehalt........ist schon frustrierend.
Viel Erfolg bei der Beseitigung des Dauerparkers.

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11.01.2017 17:32 Uhr

Es ist und bleibt das dt. Krebsgeschwür

es mangelt am Vollzug bei Taten die auf der Strasse begangen werden. Während man im Steuerrecht erstaunlich fix und effektiv ist heißt hier "da sind uns die Hände gebunden"

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11.01.2017 13:47 Uhr

günstiger Stellplatz

Ein Außenliegeplatz am Bodensee kostet 800 €, da rentiert sich alle 3-4 Wochen nur 20 Euro zu bezahlen.

Interessanter wird es aber nach einer Vielzahl solcher Knöllchen und ich denke, dass wäre ein Versuch wert. Schließlich gibt es einige Urteile, die in solchen Fällen auch den Führerschein einziehen.

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11.01.2017 13:19 Uhr

Reichlich unverschämt

was sich dieser Bootsbesitzer da leistet. So spart er sich einen teuren Landliegeplatz. Die Stadt sollte den Bereich als Kurzparkzone ausweisen und ihm so die Kalkulation versalzen. Wenn das Schule macht, dann stehen die Wohn-und Bootsanhänger bald in der ganzen Stadt herum.

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11.01.2017 08:56 Uhr

So lange

1x im Monat 20EUR kassiert werden, können die Besitzer solcher Gefährte doch gar nicht günstiger parken. Vor allem in einer Großstadt. Wie wär es mit 2x150EUR erhöhtem Bussgeld, ab der 6Woche.

Möglichkeiten hat die Stadt sehr wohl. Müßte aber in Vorkasse gehen.

Aber so sind sie eben die Wohnmobil- Wohnwagen- und Bootsbesitzer. Im Sommer egoistisch bis zum geht nicht mehr auf den Straßen, und im Winter beim Dauerparken. Kennt man seit Jahrzehnten nicht anders.

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11.01.2017 07:50 Uhr

Wohnwagen im Römerpark

auch in dem Wohnquartier Römerpark gibt es Dauerparker: mehrere Wohnmobile und Wohnwagen sind dort dauerhaft abgestellt, zum Teil sogar mit Planen abgedeckt. Die Wohnwagen sind zusätzlich durch ausgefahrene Stützen gesichert, was m. E. für ein gewolltes, dauerhaftes Parken spricht. Parkraum in den Wohngebieten ist knapp, deshalb wäre auch hier eine Lösung erstrebenswert! Aber es gelingt der Stadt Ulm nicht einmal die Flaschparker in den verkehrsberuhigten Zonen zur Ordnung zu bringen.

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