Bewohner des Fischerviertels ärgern sich über Falschparker

Anwohner des Fischerviertels sammeln Unterschriften, weil Autos Feuergassen blockieren. Die Stadt sollen häufiger und schärfer kontrollieren.

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Autofahrer, die an jeder sich bietenden Ecke parken, die Hauseingänge, Kreuzungen oder Feuergassen blockieren, sind ein Ärgernis für etliche Bewohner des Fischerviertels. 18 von ihnen haben einen Brief an OB Gunter Czisch und alle Gemeinderatsfraktionen unterschrieben, in dem sie ihrem Ärger Luft machen und Abhilfe fordern: in Form von häufigeren Kontrollen und intensiverer Ahndung. „Wir wollen keinen Polizeistaat“, heißt es in dem Brief. „Aber die Parkregeln sollten für alle gelten, vor allem wenn es die Sicherheit betrifft.“

Besonders betroffen seien Fischergasse, Schwörhausgasse, Gerbergasse, Auf der Insel, Kronengasse und Unter der Metzig. Dass das Viertel eine verkehrsberuhigte Zone ist, begrüßen die Anwohner. Nur: „Es wird nicht beachtet.“ Sie wünschen sich „ein besseres Miteinander“ und mehr Rücksichtnahme. Von den städtischen Bürgerdiensten fühlen sie sich allein gelassen und nicht ernst genommen.

Eine Anwohnerin schildert ihre Erfahrungen so: Sie habe sich schon mehrfach bei den Bürgerdiensten beschwert, auch Fotos von Falschparkern vorgelegt. Autofahrer, die beispielsweise auf der Brücke über der Blau parken, kriegen Strafzettel, hat sie beobachtet. „Ansonsten erlebt man Ignoranz und Arroganz.“ Um Erfolg zu haben, müsse man offensichtlich „unverschämt laut“ werden auf dem Amt. „Dann bekommt man alles toleriert, was ansonsten verboten ist.“

Das lässt Rainer Türke von den Bürgerdiensten nicht so stehen. Der Stadt sei das Problem durchaus bekannt, und sie tue auch was dagegen. Die Bürgerdienste seien außer sonntags täglich im Fischerviertel unterwegs, schreiben Verwarnungen und lassen, wenn es die Verhältnismäßigkeit erlaube, Falschparker abschleppen, die Feuergassen blockieren. Mehr ließen die personellen Möglichkeiten nicht zu.

Denn das Fischerviertel sei zwar wegen der wenigen Parkplätze und der engen Gassen ein schwieriges Terrain, es sei aber bei der Zahl der Verkehrsverstöße nicht besonders auffällig. „Das Fischerviertel ist im Vergleich mit anderen Innenstadtbereichen kein Schwerpunkt“, sagt Türke. Er will den Brief der Anwohner aber zum Anlass nehmen, das Thema mit den Mitarbeitern nochmal zu besprechen. 

Auch die Politik hat schon reagiert. Die SPD möchte das Parken im Fischerviertel in einer gemeinsamen Sitzung des Stadtentwicklungs- und Hauptausschusses behandelt wissen. Bei zugeparkten Feuergassen „sollte jede Toleranz ein Ende haben“.

Ein Privileg haben die Bewohner des Fischerviertels allerdings: Sie dürfen als einzige in einem verkehrsberuhigten Bereich in Ulm mit einem Anwohnerparkausweis auch außerhalb der markierten Parkplätze parken. „Das wird toleriert“, sagt Türke. Die Stadt trage damit dem hohen Parkdruck im Fischerviertel Rechnung.

Kommentar: Es wird überall enger beim Parken

Zugeparkte Feuergassen, das geht gar nicht. Egal, ob im Fischerviertel oder anderswo. Wer sein Auto an Rettungswegen abstellt, und sei es auch „nur kurz“, handelt verantwortungslos und sollte mit aller Härte bestraft werden. Auch wer sonst falsch parkt oder länger als erlaubt oder bezahlt, muss sich im Klaren sein: Er oder sie riskiert einen Strafzettel. Wer gegen Regeln verstößt, muss mit den Konsequenzen leben.

Allerdings nur dann, wenn er erwischt wird. Und das ist viel zu selten der Fall, klagen Bewohner des Fischerviertels, weil viel zu wenig kontrolliert werde. Das freilich ist keine Spezialität der Altstadt. Auch anderswo in der Innenstadt oder in Söflingen beschweren sich Anwohner über mangelnde Kontrollen. Viele Autofahrer, die sich über Strafzettel ärgern, sehen das natürlich ganz anders.

Das rare Gut Parkplatz wird umkämpfter, der Ton rauer, das eigene Interesse wichtiger. Für Händler, Gastronomen und Dienstleister sind Parkplätze für ihre Kunden ein Wirtschaftsfaktor. Für Anwohner sind Bewohnerparkausweise nur ein kleiner Trost, wenn sie keinen Stellplatz finden. Immerhin: Die Stadt kommt den Bewohnern des Fischerviertels entgegen, indem sie das Parken im verkehrsberuhigten Bereich auch außerhalb der markierten Flächen toleriert. Das dürfte Anwohner in anderen Innenstadtbereichen aufhorchen lassen.

Ein Kommentar von Chirin Kolb.

Kritik Dass Gaststätten angedient werden müssen, ist für die Anwohner im Fischerviertel selbstverständlich. Allerdings müsse auch da die Feuergasse frei bleiben, schreiben sie. Außerdem „erscheint uns die Andienung oft weit länger zu dauern, als es tatsächlich notwendig ist“, heißt es in dem Brief an den OB und die Fraktionen.

Gastronomie Wenn Lieferlastwagen vor den Lokalen halten, kann es schon mal passieren, dass kein Auto mehr durchkommt, räumt Michael Freudenberg, der Inhaber des „Wilden Mann“, ein. Die Straßen im Fischerviertel seien schließlich schmal. Die Anlieferer achteten aber darauf, Platz zu lassen. Und wenn nicht, „dann muss man halt eben mal fünf Minuten warten“. Er wirbt um Verständnis: „Jeder Anwohner kriegt doch auch mal ein Päckchen von DHL.“ Freudenberg hat auch nicht den Eindruck, dass zu wenig kontrolliert werde – das weiß er aus eigener leidvoller Erfahrung, denn er hat keinen Anwohnerparkausweis, dafür aber den einen oder anderen Strafzettel.

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Kommentare

27.06.2017 06:47 Uhr

Kontrollen der Stadt Ulm unzureichend

ich kann dies aus meinem Wohngebiet bestätigen! Verkehrsberuhigte Zone - Parken nur auf gekennzeichneten Flächen erlaubt - geparkt wird überall - kontrolliert wurde in den 15 Jahren die ich dort wohne genau ein mal! Selbst die Polizei, die die Strassen im Wohngebiet durch die Baustelle in der Römerstrasse nun als Einsatzwege nutzen muss, muss sich durch die falsch parkenden Autos schlängeln. Machen tut sie nichts - ist ja Sache der Stadt Ulm. Jeder schiebt es auf den anderen - am Ende passiert nichts!

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