Besenwirtschaften im Söflinger Klosterhof

So riecht es nur ein Mal im Jahr in Ulm: nach Schlachtplatte, Sauerkraut, Leberwurst. Beim Bauern geschlachtet von der Bäuerin gekocht. Die Söflinger holen sich ihre Besenwirtschaft von der Alb in den Klosterhof.

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Immer wieder ein Erlebnis: Das Söflinger Kirchweihfest präsentiert sich im Abendlicht in den buntesten Farben. Fotos: Volkmar Könneke

"So hat es bei meiner Oma am Sonntag immer gerochen, wenn wir als Kinder zum Mittagessen gekommen sind", erinnert sich Sigrid Kräutter, heute selbst Oma. "Bei mir riecht es nie so lecker", bekennt sie. "Ich kann das nicht. Meine Mutter brachte es mir nie bei."

Die legendäre Schlachtplatte, und all die Dinge, die political eigentlich nicht correct sind: Sauerkraut, Schweinshaxen, Blut- und Leberwurst, Eisbein. Das ist zu fett. Das ist ungesund. Das entspricht nicht dem kulinarischen Mainstream. Aber es ist lecker, furchtbar lecker. Wer das riecht, der bekommt Hunger. Und selbst der größte Hunger wird gestillt. Denn die Schlachtplatte bedeutet nicht einen fast leeren, großen Teller mit Petersilieschmuck. Schlachtplatte bedeutet: aufgehäufter Teller, hier wird man satt.

Wo gibt es das heute noch? Nicht im In-Lokal, nicht im angesagten Speiserestaurant. Das gibt"s auf der Alb, beim Bauern, in der Besenwirtschaft. Bei dem Bauern, der noch zu Hause schlachten lässt, der seine Tiere mit Namen kennt. Dieser Bauer macht ein Mal im Jahr im Herbst seine Scheune auf, die Bäuerin kocht für Freunde und gute Gäste. Ein paar Wochen lang, so lange dauert die so genannte Besenwirtschaft.

Danach ist der Bauer nicht mehr Gast-, sondern wieder Landwirt. Wer einen Platz in der Besenwirtschaft auf der Alb ergattern will, der sollte im Herbst bereits für das nächste Jahr buchen. Denn das ist mindestens so schwierig wie eine Bank im Bierzelt auf dem Oktoberfest. Das ist aber auch schon die einzige Gemeinsamkeit.

Eine Besenwirtschaft gibt es nicht nur in Bauerndörfern auf der Alb, sondern auch im Söflinger Klosterhof. Hier haben die Söflinger Vereine ihre Räume anlässlich der Kirchweih zu Besenwirtschaften umgewandelt. Im Forsthaus am Klosterhof hatte der Besucher eine große Auswahl.

Einmal im Jahr betätigt sich auch der Ortsverband Söflingen des VdK als Wirt. Elisabeth Wolff bedient und hat mit vielen anderen VdK-Mitgliedern den Vereinsraum im Forsthaus in Söflingen für die Gäste hergerichtet. "Unsere Blut- und Leberwürste kommen vom Gasthaus Lamm aus Mehrstetten auf der Alb. Der Wirt hat extra für uns geschlachtet und die Wirtin die Brote gebacken", berichtet Wolff. Sie und ihre Helfer haben viel Zeit in die Organisation der Besenwirtschaft hineingesteckt. "Wir mussten die Sachen natürlich selbst in Mehrstetten abholen und die Kuchen backen." Vier Tage lang steht Elisabeth Wolff unter Dauerstrom. Doch die 79jährige ist belastbar und steckt die Anstrengung gut weg. "Es ist schön, wenn sich die Leute hier wohl fühlen." Aber der Strafzettel einer Politesse hat ihr die Laune verhagelt. "Das ist man ehrenamtlich tätig, karrt die Sachen von der Alb hier her, und dann so was. Das muss doch nicht sein", schimpft sie.

Bei gefühlten 20 Grad fanden am Samstagnachmittag allerdings nur wenige Besucher den Weg in die Besenwirtschaften. Sie saßen lieber draußen im Klosterhof und tranken ein Weizen. Doch beim VdK waren die Tische voll. Viele Besucher wissen eben, dass sie hier Gutes bekommen. Manfred Gübel ist solch ein treuer Gast des VdK.

"Hier trifft man Bekannte und Freunde, das Essen ist einmalig gut und die Atmosphäre familiär", schwärmt er. Dieter Käßmeyer hat schon seinen Teller leer gegessen. "Die Schlachtplatte ist hervorragend. Man trifft viele Söflinger aus der Nachbarschaft. Es ist urgemütlich. Herz, was willsch meh"?"

Der Söflinger Krippenverein hat ebenfalls sein Vereinszimmer zur Gaststube umgebaut. Hier bekamen die Gäste Schaschlik, Wurstsalat oder Hausmachervesper. "Das haben unsere Männer gestern zubereitet. Die Frauen waren eher fürs Kuchen Backen zuständig", berichtet Vereinsvorsitzende Theresia Reischel. Neben Gulasch bot der Krippenverein auch Vogelhäuschen oder Weihnachtsdekoration an. Weitere Besenwirtschaften unterhielten das Don-Bosco-Heim, der Liederkranz und die Sevelinger Bauza. Mit einem Weinfest und Musik lockten der Förderverein Söflinger Jugendmusik und Musikverein Söflingen-Stadtkapelle. Die Musik war echt. Hier gab es liebevoll erwärmte Gulaschsuppe aus der Büchse. Gut gerochen hat der Zwiebelkuchen.

So ließen es sich die Söflinger kulinarisch so richtig gut gehen und feierten sich selber mit Kinderprogramm, verkaufsoffenem Sonntag und etlichen Touristen aus Stadt und Land. Und die Musi spielt dazu.

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Kommentare

22.10.2013 02:29 Uhr

Gulaschsuppe aus der Büchse....

Peinlich ,peinlich,gibt es in der Stadtkapelle keine Hausfrauen mehr?Früher war das aber anders,na ja,Zeiten ändern sich eben,leider muß man sagen.

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