Berufliche Bildung verdient Wertschätzung

Theoretisch steht der Meisterbrief auf der gleichen Stufe wie die Fachhochschulreife. In der Praxis mangelt es an Anerkennung, kritisiert Tobias Mehlich.

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"Wir feiern mindestens so gut wie die in München, wenn nicht besser." Dort Seehofer und die politische Spitze der Nation, hier Johannes Stingl und Gäste aus der Region. Mit einem gesunden Selbstbewusstsein hat die Pfuhler CSU den Tag der deutschen Einheit begangen - und mit ihr viele Kommunalpolitiker und Vertreter der Vereine.

Das Hauptthema indes war eines, das über den 3. Oktober hinausreicht: die berufliche Bildung. Genauer gesagt: deren Geringschätzung. Es sprach Dr. Tobias Mehlich, ein Repräsentant des Handwerks, von der baden-württembergischen Seite wohlgemerkt, als Hauptgeschäftsführer der Kammer in Ulm. Gerade deswegen betonte er, nicht für das Handwerk im Besonderen zu sprechen, sondern über ein Thema von allgemeinerem Charakter, das genauso Industrie und Dienstleistungen angehe und in die Gesellschaft insgesamt ausstrahle.

Seine These: Akademische Bildung werde hochgeschätzt, politisch forciert und finanziell stark gefördert - die berufliche Bildung werde hingegen nicht vergleichbar unterstützt, Jugendliche infolgedessen fehlgelenkt. Die Konsequenz: ein "selbstgemachter Fachkräftemangel". Den bekämen Bürger auf dem Land als erste zu spüren, wo es nur einen Heizungsbauer in der Gegend gibt und bald gar keinen mehr.

Immerhin: Die EU hat inzwischen den Meister gleich eingestuft wie den Fachhochschulabschluss. Mehlich: "Berufliche Bildung ist eben nicht die 1-B-Bildung." Aber der Wertschätzungstest im Alltag bringt noch reihenweise Schieflagen an den Tag. Zwei Beispiele: Während die Studiengebühren, jedenfalls in Baden-Württemberg, abgeschafft wurden, "geht man wie selbstverständlich davon aus, dass Betriebe sich weiterhin an der Ausbildung beteiligen". Und bei der Besichtigung der Toilettenanlagen einer Berufschule und der einer dualen Hochschule "sehen Sie die Wertigkeit sofort". Nicht dass Mehlich die Akademikerberufe schlechtreden will, er ist schließlich selbst promovierter Jurist, wofür er plädiert ist, auf zwei Beinen zu stehen - weil ihm das sicherer zu sein scheint.

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