Bericht: Wenige Ulmer Paare wollen adoptieren

Eltern, die ihr Kind abgeben, Paare, die sich um ein Kind bewerben: Damit haben zwei Mitarbeiterinnen der Adoptionsvermittlung der Stadt Ulm zu tun.

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Einer Hebamme wird aufmerksam, dass eine an Depression erkrankte Mutter ihr Baby nicht versorgen kann. Die Frau kommt in die Klinik, das Kind in eine Pflegefamilie. Die Mutter ist überzeugt, dass sie sich nicht um ihr Kind kümmern kann. Sie entscheidet sich, ihr Kind zur Adoption freizugeben. "Damit geben Eltern ihre Rechte und Pflichten an andere weiter", formuliert es Marie-Luise Roth-Bradatsch, die bei der Adoptionsvermittlung der Stadt Ulm arbeitet. Sie hat an diesem Fall in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses erklärt, wie ein Kind zur Adoptionsvermittlung kommt.

Roth-Bradatsch stellte gemeinsam mit ihrer Kollegin Renate Dähn ihre Arbeit vor. "Ein Thema, das nicht oft im Fokus steht", formulierte es die Ulmer Bildungsbürgermeisterin Iris Mann. Und Helmut Hartmann-Schmid, Leiter der Abteilung Familie, Kinder und Jugendliche, zu der die Adoptionsvermittlung gehört, nannte es ein zahlenmäßig kleines Thema, "das ein riesiges Thema für die Betroffenen" sei. "Das Risiko, im Laufe des Lebens psychisch zu erkranken, ist bei Adoptivkindern doppelt so hoch."

Das Thema Adoption ist aus vielen Gründen nicht einfach: Zum einen sei da die "hohe Emotionalität" (Roth-Bradatsch). "Wir haben es auf der einen Seite mit abgebenden Eltern zu tun, die aus einer Not heraus sich zum Entschluss durchringen, dass sie ihr Kind nicht selbst erziehen können." Auf der anderen Seite gebe es die Adoptiv-Bewerber und "wenn wir anrufen, deren Riesenfreude, dass sie jetzt Familie sein dürfen".

Der Gesetzgeber unterscheide drei Arten von Adoptionen: die Fremd-, die Stiefkind- und die Verwandtenadoption. In Ulm haben sich die Zahlen so entwickelt: Im Jahr 2012 kam es zu drei Adoptionen, im Jahr 2014 zu 15. Warum die Zahl gestiegen ist, dafür haben die Fachfrauen keine Erklärung.

Die Fälle im Jahr 2014 stellen sich so dar: Vier davon waren Fremdadoptionen, sechs Stiefelternadoptionen und fünf sind noch nicht abgeschlossene Verfahren. Die Zahl der zur Adoption bereiten Paare sei in Ulm gering, momentan gebe es drei. Über die Gründe können die Fachfrauen ebenfalls nur mutmaßen: "Vielleicht spielt es eine Rolle, dass man wieder gehört hat, man hat sowieso keine Chance", sagte Dähn. Wer sich jedoch darum bewirbt, begibt sich in einen "Überprüfungs-Bewerberprozess". Dazu gehört, dass Bewerber einen zehnseitigen Fragebogen ausfüllen und sich mit ihrer Lebensgeschichte auseinandersetzen müssen, zudem nehmen die Frauen der Vermittlungsstelle Hausbesuche vor. Dähn: "Wir suchen das beste Zuhause für unsere Kinder."

Stadträtin Barbara Münch (CDU) wollte wissen, wie lange es für die Bewerber dauere, bis sie ein Kind bekommen. Roth-Bradatsch: Mitunter vergehe ein halbes Jahr, mitunter Jahre. Stadtrat Martin Ansbacher (SPD) war überrascht, dass die Zahl der Bewerber um ein Adoptivkind so gering ist. Einen möglichen Grund nannte Roth-Bradatsch: "Wir können ja keine Werbung für uns machen." Grünen-Stadtrat Richard Böker erkundigte sich nach Adoptionen von Waisenkindern. Das sei fast kein Thema für die Vermittlungsstelle, sagte Hartmann-Schmid. Sollten Vater und Mutter verstorben sein, was "bei uns selten vorkommt", dann wären Verwandte oft bereit das Kind anzunehmen.

Im Fall der depressiven Frau, die sich entschieden hatte, ihr Kind abzugeben, zog sich die Suche nach geeigneten Bewerbern hin: Die Mutter machte es nämlich zur Bedingung, dass sie weiterhin Kontakt zum Kind hat. Was den Kreis der möglichen Adoptiveltern einschränkte. Dähn: "Wir müssen die Wünsche der abgebenden Eltern berücksichtigen." Letztendlich wurden sie und ihre Kollegin fündig. Das Baby bekam neue Eltern.

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