Beim Gedenken schlicht vergessen

Die Deutschen haben ein eigenartiges Talent, bisweilen die falschen Tage zu feiern." Sagte einst Alt-Kanzler Helmut Schmidt. Und da hat er, wie immer, nicht ganz unrecht

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Fauxpas bei der ersten Gedenkfeier für Claus Schenk Graf von Stauffenberg in Ulm.  Foto: 

Nun ist der 20. Juli der richtige Tag, um des Widerstands rund um Claus Schenk Graf von Stauffenberg zu gedenken - dass man dennoch einiges falsch machen kann an diesem Tag, hat die Veranstaltung zu Ehren des Hitler-Attentäters in der Wilhelmsburgkaserne gezeigt. Denn ausgerechnet zwei Ulmer, die in direkter Verbindung zum 20. Juli 1944 stehen, blieben außen vor: Peter Finckh und Dr. Sabine Ahnefeld.

Dass 80 Gäste aus Politik, Wirtschaft und dem öffentlichen Leben geladen waren, er aber nicht, hat Peter Finckh "seltsam berührt, das ist nicht in Ordnung". Und Dr. Sabine Ahnefeld findet es schlicht und einfach "beschämend, dass man uns vergessen hat. Uns, die wir unmittelbar zum Kreis des 20. Juli 1944 gehören."

Eberhard Finckh, Oberst im Generalstab, gehörte zum engen Kreis um Stauffenberg, seit der gemeinsamen Ausbildung an der Kriegsakademie waren die beiden kameradschaftlich verbunden. Schließlich auch familiär: Stauffenberg war Patenonkel von Peter Finckhs jüngerer Schwester Barbara. Nach dem misslungenen Attentat wurde Finckh am 29. August 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Ein paar Tage zuvor war Dr. Albrecht Olbertz, der Vater von Sabine Ahnefeld, in seiner Zelle in Plötzensee gestorben. "Ob er hingerichtet wurde oder sich selber umgebracht hat, haben wir nie erfahren", sagt sie. Ihn hatte man im Zusammenhang mit der Flucht des Reichskriminaldirektor Arthur Nebe verhaftet, einer widersprüchlichen Figur mit Kontakten zu den Widerständlern.

Wolfgang Schneiderhan, Vorsitzender der Stauffenberg-Gesellschaft und Ex-Generalinspekteur der Bundeswehr, vermutet ein "Missverständnis" und beruft sich auf Unwissenheit. Was Finckh auf die Palme treibt, eine kleine nur, aber immerhin. Denn vor eineinhalb Jahren habe er dem Vorsitzenden einen Brief geschrieben - ohne Antwort zu bekommen. Und Generalleutnant Richard Roßmanith? Der Befehlshaber in der Wilhelmsburgkaserne lässt über seinen Adjutanten sein "tiefes Bedauern" ausdrücken. Er habe keine Kenntnis von den Ulmer Nachfahren gehabt.

Was jetzt? Schneiderhan meint: "Wenn ich Befehlshaber wäre, dann würde ich die beiden zum Kaffee einladen." Mal sehen, was der Befehlshaber meint . . .

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