Bei Shows immer noch Probleme in der Ratiopharm Arena

Warteschlangen vor Toiletten und an Gastrotheken, Sichtbehinderung bei Show-Events. Nicht alle Besucher in der Ratiopharm-Arena sind zufrieden. Der Hallen-Manager spricht von Kinderkrankheiten.

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Er hatte sich so gefreut auf diesen Abend mit Florian Silbereisen. Doch nun sitzt Hans Schmid aus Wippingen wie ein Häufchen Elend in der ersten Reihe, auf Platz 20 im Block 3 in der Neu-Ulmer Ratiopharm Arena. Seine Sicht auf die Show-Bühne ist stark eingeschränkt. Egal wie der kleine Mann sitzt, sich reckt oder duckt - die breiten Metall-Rohre behindern immer. Das stabile Seitengitter dient der Sicherheit, damit keiner von den ansteigenden Tribünenrandplätzen in den auf Ebene 0 tiefer liegenden Halleneingang stürzt.

"Ich komme mir vor als hätte ich ein Brett vorm Kopf", sagt der 74-Jährige, der schon im August Eintrittskarten für drei Volksmusikveranstaltungen gekauft hatte. "Da fehlte sogar noch das Dach auf der Halle", erzählt der Rentner: "Ich bin oft mit Leserreisen von SÜDWEST PRESSE Hapag Lloyd unterwegs. Deswegen wollte ich schon so früh auf Nummer sicher gehen." An der Vorverkaufskasse ließ sich damals Schmid extra wegen der Platzwahl beraten. Ein guter Platz sollte es sein. Ihm wurde der erste Platz in der ersten Reihe angeraten - und zwar für alle drei von ihm ausgewählten Shows. Dafür war der Freund der Volksmusik bereit, mehr als 60 Euro pro Karte zu berappen. "So ein Ärger. Ich habe viel Geld bezahlt. Und dreimal habe ich auf dem gleichen schlechten Platz gesessen", klagt er. Bei den Kastelruther Spatzen, bei Hansi Hinterseer und Florian Silbereisen.

Marc Oßwald, der Geschäftsführer der Veranstaltungsagentur Koko+DTK, bedauert das sehr und entschuldigt sich. "Wir haben kein Interesse daran, schlechte Plätze zu verkaufen und den Kunden zu verärgern. Deswegen haben wir schon etliche Sitzproben gemacht und daraufhin manche Plätze aus dem Verkauf genommen." Doch letzten Sommer, als der Vorverkauf für einige Events gestartet wurde, hätte nur ein Plan von den Sitzplätzen vorgelegen. Die realen Gegebenheiten waren erst zu sehen, als die Halle fertig war. Da war es aber zu spät.

Als Entschädigung bietet die Agentur Freikarten an. Betroffene können sich bei Koko+DTK in Tübingen (Tel.07071-795312) melden. "Wenn der Kunde uns die Nummerierung seines schlechten Platzes angibt, bieten wir im Gegenzug eine Freikarte für eine Veranstaltung der Wahl", sagt Oßwald Mit dieser Lösung ist Hans Schmid, der die Eintrittskarten aufbewahrt hat, einverstanden. Oßwald bekräftigt: "Wir wollen zufriedene Besucher."

Mit dieser Maxime spricht er auch für Richard King, der im Managerteam der Ratiopharm Arena für Vermarktung und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. "Die Halle ist erst vor knapp sechs Monaten eröffnet worden. Es läuft prima. Aber nicht alle Kinderkrankheiten sind ausgemerzt. Manches wird sich noch perfekter einspielen", gibt sich King optimistisch: "Wir kriegen das alles in den Griff." Und die Warteschlangen vor den Damentoiletten und an den Gastronomie-Theken? Bei Florian Silbereisens "Frühlingsfest" beispielsweise warteten mehr als 50 Damen Parterre im Foyerbereich auf Ebene 0 vor den Toiletten. Aufgebrachte und maulende Kommentare waren zu hören. Das Warten kostete die ganze Pause. Nervig, sollte man meinen. Doch als ein Ordner freundlich darauf verwies, dass es genügend Toiletten auf der Ebene 1 gäbe, die per Treppe oder bequem per Lift zu erreichen wäre, da hieß es bei den meisten Damen: "Och nee, ist schon okay so."

Die Anzahl der Toiletten ist abhängig von der Besucherzahl und ist gesetzlich vorgeschieben, wie King erklärt. Bei Sportveranstaltungen sind das bis zu 6000 Zuschauer. "Mit den Toiletten", sagt King, "liegen wir in der Arena sogar deutlich über dem Soll." Formell müssten sie also reichen. Bei Sportveranstaltungen gäbe es keine Klagen. Doch bei Show-Events, so vermutet King, "kommt der Faktor Herdentrieb hinzu. Und die Unkenntnis bei den Erstbesuchern."

Die Arena-Mitarbeiter wären natürlich angehalten, für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen und den Besuchern zu helfen. "Dem Publikum würde ich auch raten, sich mit unserem Wegleitsystem, Fernseh-Displays, Ausschilderung und Info-Flyer vertraut zu machen", sagt King. Auf der Ebene 1 gäbe es seltener Warteschlangen und kaum Stress im Gastrobereich, der auf dieser Ebene viel umfangreicher und großzügiger ausgestattet sei, sagt er. "Und wenn jemand sich wegen eines schlechten Platzes umsetzen will, soll er sich an einen Hallenordner wenden", sagt King: "Wenn die Arena nicht total ausverkauft ist, findet sich bestimmt eine zufriedenstellende Lösung."

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