Begegnung mit Sophie Scholl

Von wegen Geschichte ist tot. Bei einem Aufenthalt in Ulm entdeckten französische Schüler bekannte Gesichter: Sophie und Hans Scholl.

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Geschichtsunterricht live: Französische Gastschüler auf Spurensuche in der vh Ulm. Foto: Volkmar Könneke

Dass man Personen,über die man im Geschichtsunterricht gesprochen hat, im wirklichen Leben wiedersieht, kommt eher selten vor. Umso überraschter war die französische Schülerin Esther Piccinali (16), als sie während ihres Sprachaufenthalts in Ulm ein bekanntes Gesicht entdeckte: Ein Foto Sophie Scholls war in einem Fenster in der Spitalhofgasse ausgestellt, Esther hat sie sofort erkannt."Wir hatten die Weiße Rose im Unterricht behandelt", erzählt sie."Aber ich hatte nicht gewusst, dass Sophie aus Ulm kommt." Es sei vollkommener Zufall, dass sie ausgerechnet hier gelandet sei.

Außer Esther waren jetzt noch sechs weitere französische Schülerinnen und Schüler in der Stadt. In Frankreich sind gerade Ferien und die Schüler nutzen die Zeit, um ihr Deutsch aufzubessern. Dazu sind sie im Rahmen eines Sprachreiseprogramms bei verschiedenen Gastlehrern untergebracht, die sie drei Stunden am Tag unterrichten - und sich um das Freizeitprogramm danach kümmern.

Esthers Gastlehrerin Ursel Sulzer hat nicht lange gefackelt und ihre Schülerin an weitere geschichtsträchtige Orte geführt. Auch an solche, die weiter weg liegen, wie die Ludwig-Maximilians-Universität in München, wo Hans und Sophie Scholl beim Austeilen ihrer Flugblätter erwischt und von den Nazis festgenommen wurden."Ich hätte nie so viel Mut gehabt wie die beiden", sagt die Schülerin. Außerdem zeige das Beispiel der Weißen Rose, dass nicht alle Deutschen für Hitler waren.

Die meisten anderen französischen Schüler kennen den Namen der Scholl-Geschwister ebenfalls. Offenbar tut Frankreich einiges, um die Deutschen von dem Verdacht zu befreien, alle hier seien Nazis gewesen."Wir haben in der Schuleüber Hans und Sophie diskutiert", sagt Laurent Muller (17), der aus dem Elsass stammt."Sie hatten wirklich sehr viel Mut."

Dafür geben die Gastlehrer ihren französischen Schützlingen ein Kompliment zurück, dass sonst eher als deutsche Charaktereigenschaft gilt:"Sie haben sehr viel Disziplin beim Lernen und sie wissen, was sie in ihrem Leben wollen. Wenn unsere Schüler nur auch ein wenig mehr davon hätten."

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