BBC-Korrespondent schreibt über die Donau

Was? Noch ein Buch über die Donau? Diesen Zweifel hatte auch Nick Thorpe. Aber dann fand er den entscheidenden Dreh und erzählte seine Reisegeschichte nicht flussabwärts, sondern flussaufwärts.

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"The Danube" von Nick Thorpe  Foto: 

Eben in der Reihenfolge, wie der Kontinent einst von den Menschen besiedelt wurde, die Donau rauf von Osten her, „früh aufstehend am Morgen ihren eigenen Schatten folgend“. Und wen fand Thorpe dann selbst kurz vor Schluss? Den Schneider von Ulm.

The Tailor of Ulm. So ist das letzte Kapitel im Buch des BBC-Korrespondenten für Mittel- und Osteuropa auf seinem Weg zur Quelle überschrieben, den er von März 2011 bis März 2012 gegangen ist. The Tailor of Ulm ist dabei nicht etwa Albrecht Ludwig Berblinger, nein: Es ist Turgut Saracoglu. Und das kam so:

Thorpe will in Ulm im Schiefen Haus übernachten, das ihn an das Heck eines Schlachtschiffs der Spanischen Armada erinnert, aber: Ausgebucht. Sein Urteil über Ulm trübt das nicht. Er hätte auch am Donauufer geschlafen. Thorpe trinkt Ulmer Bier, besucht das Münster und lobt den Markt für 14 verschiedene Kartoffelsorten, bis er auf dem Weg zum Brotmuseum in einer Gasse eine Änderungsschneiderei sieht, in der er sich einen Hosenknopf annähen lassen will – die Schneiderei von Saracoglu in der Rabengasse.

Er wartet hosenlos hinter einem Vorhang, der Schneider verliert sich mit Kundschaft im Gespräch. Dann kommt es zum Mittagsgeläut („Sind Sie immer noch da? Tausend Entschuldigungen!“) und Saracoglu ins Gespräch mit Thorpe. Der Engländer erfährt, dass der Türke das Geschäft in Ulm seit 44 Jahren hat und die Donau das Heimweh lindert: „Ich bin froh, so nah an einem Fluss zu wohnen, der bis ins Schwarze Meer fließt.“ Schließlich liege die Türkei zwischen Schwarzem und Weißem Meer, dem Mittelmeer.

Thorpe geht weiter ins Brotmuseum. Doch die Geschichte ist damit noch nicht zu Ende. Wie sich zeigen sollte, hat dieser Schneider von Ulm etwas Völkerverbindendes. Und da kommt der Ulmer Donaubeauftragte Peter Langer ins Spiel. Er lernt Thorpe im Juni 2015 bei einer Lesung auf der 3. Donaukulturkonferenz in Temeswar kennen, Titel: „Der Donauraum – der Strom als Erfahrung.“ Ja, Langer stellt fest, dass er in Ulm den selben Schneider hat – Turgut Saracoglu. Und bringt aus Rumänien ein Buch Thorpes mit persönlicher Widmung für ihn mit: „Tesekkürler: Vielen Dank für alles!“

The Danube soll demnächst auf Deutsch erscheinen. Türkisch wäre auch angebracht.

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