Baustellen am Hauptbahnhof gehen in die heiße Phase

In der Friedrich-Ebert-Straße gehen die Bauarbeiten ab 19. März in die heiße Phase. Das bedeutet: Staus, Umleitungen und Beeinträchtigungen für einfach jeden.

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    Hier geht es rund: Die Baustelle Friedrich-Ebert-Straße. Foto: 
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    Der Planer der Ulmer Großbaustellen: Harald Walter. Foto: 
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    Die geänderte Verkehrsführung am Hauptbahnhof. Foto: 
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Wer die Staus, Umleitungen und Verkehrsbehinderungen am Ulmer Hauptbahnhof schon bisher schlimm fand, wird sich umgucken: Jetzt geht’s erst richtig los. „Die nächsten zwei Jahre werden die heißeste Bauphase“, sagt Harald Walter, der Leiter der Koordinierungsstelle Großprojekte bei der Stadt Ulm. Bau der Tiefgarage und der Sedelhöfe, Neugestaltung des Bahnhofplatzes – ein Projekt greift ins andere. Gut, dass wenigstens die Straßenbahnbaustelle an dieser Stelle in diesem Jahr noch nicht dazwischenfunkt.

Am 19. März wird es ernst. Dann beginnt die Bauphase 2. Sie bringt einige gravierende Änderungen mit sich, die vor allem die Autofahrer betreffen werden, aber nicht nur. Auch Fußgänger und Radler, Pendler, die am Bahnhof oder am Busbahnhof ankommen und Taxi-Nutzer müssen sich auf Änderungen und Belastungen einstellen. Mit der Einrichtung der Baustelle wird bereits Ende Februar begonnen. Das bedeutet:

Fahrspuren Die Friedrich-
Ebert-Straße wird nur noch einspurig in jede Richtung befahrbar sein, und zwar auf der Innenstadtseite entlang der Sedelhof-Baustelle. Dafür muss der Verkehr von der Olgastraße her zweimal die Straßenbahnschienen kreuzen: vor der Post und hinter dem Deutschhaus.

Abbiegemöglichkeiten Sie werden deutlich eingeschränkt. Ins Parkhaus Deutschhaus ist die Zufahrt nur noch aus Richtung Zinglerstraße/Neue Straße möglich, die Ausfahrt nur noch Richtung Olgastraße. Wer aus der Olgastraße kommt und ins Parkhaus oder in die Neue Straße möchte, muss eine Schleife übers Ehinger Tor und den Bismarckring fahren – oder am besten gleich den weiten Bogen über die Frauenstraße wählen.

Bahnhof Die einzige Möglichkeit, mit dem Auto den Bahnhof anzufahren, wird in den nächsten Jahren vor der Post sein. Harald Walter empfiehlt, diesen Weg nur zu wählen, wenn man beispielsweise jemandem nur schnell am Bahnhof absetzen oder abholen will. Den Parkplatz-Suchverkehr soll man sich am besten schenken: „Freie Parkplätze wird es am Bahnhof kaum geben.“

Fahrgäste Für alle, die mit dem Zug oder mit dem Bus am ZOB ankommen, wird es in manchen Bauphasen ebenfalls ungemütlicher. Sie müssen weitere Wege gehen. „Man wird immer auf den Bahnhofssteg kommen“, sagt Walter, „aber auch mal über Umwege oder provisorische Treppen.“

Taxis Der Taxistand am Bahnhof wird schon am 27. Februar verlegt, und zwar an den Eingang der Bahnhofstraße – also auf die Innenstadtseite der Friedrich-
Ebert-Straße. Fahrgäste, die vom Bahnhof in ein Taxi steigen wollen, müssen etliche Schritte mehr gehen. Direkt am Bahnhof können nur noch Taxis halten, die gehbehinderte Fahrgäste befördern.

Radler Die Fahrradständer vor dem Hauptbahnhof werden abgebaut. Neue Ständer stehen etwas weiter weg, zum Beispiel an der Spindel des Deutschhauses – weitere Wege für Pendler also. Walter warnt davor, sein Rad direkt vor dem Bahnhof abzustellen und beispielsweise an einen Bauzaun zu ketten: Wenn er tagsüber versetzt wird, muss das Fahrrad gnadenlos weichen.

Konsequenzen Das alles zu koordinieren und sämtliche Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten, ist eine schwierige Aufgabe. „Es ist ein bisschen wie eine Operation am offenen Herzen“, so Chefplaner Harald Walter. Denn nirgendwo in der Ulmer Innenstadt gibt es einen vergleichbaren Verkehrsknoten wie die Friedrich-Ebert-Straße.

Für alle Verantwortlichen bei der Stadt ist klar: Die Friedrich-Ebert-Straße wird nicht mehr so leistungsfähig sein. Problematisch wird vor allem die Kreuzung mit der Zinglerstraße und Neuen Straße. Die Einspurigkeit, das Queren der Straßenbahngleise, die Ein- und Ausfahrt am ZOB und am Deutschhaus, Baustellenzufahrten – Walter geht davon aus, dass diese Kreuzung um 30 Prozent weniger leistungsfähig sein wird. „Das ist viel Holz“ und entspricht 250 Fahrzeugen, die pro Stunde weniger über die Kreuzung kommen. Die Wartezeiten werden länger. „Wir müssen uns die nächsten Jahre auf Stau einstellen.“

Da müssen wir durch

Schönfärberei hilft nichts: Jetzt geht es richtig los mit den Staus in der Ulmer Innenstadt. Nicht nur in der Friedrich-Ebert-Straße vor dem Hauptbahnhof, sondern vor allem an den Zufahrten: in der Zinglerstraße bis über den Bismarckring hinaus, in der Olga- und Neutorstraße. Alles andere war nur Vorgeplänkel.

Es hilft ja wirklich nichts: Da müssen wir jetzt durch. Alle Bauprojekte sind vom Gemeinderat beschlossen, seit langem ist die Rede davon, was da auf die Ulmer und die Auswärtigen zukommt. Nun wird das Realität. Dass sämtliche Großprojekte auf einmal gebaut werden, war so nicht geplant. Es ist auch Pech, weil sich die Sedelhöfe deutlich verzögert haben.

All diese Baustellen mit ihren unterschiedlichen Beteiligten unter einen Hut zu kriegen, ist eine zeitliche, logistische und planerische Herausforderung. Die meistert die Koordinierungsstelle Großprojekte zusammen mit den anderen Protagonisten bisher hervorragend. Das ändert freilich nichts daran, dass die Großbaustellen für Autofahrer, Fußgänger, Radler, Pendler eine Zumutung sind.

Es gab nur zwei Möglichkeiten. Entweder laufen alle Baustellen gleichzeitig – dann wird es kurz und heftig. Oder eine kommt nach der anderen – dann wird es lang und etwas weniger heftig. Stadt und Gemeinderat haben sich für die erste Variante entschieden, zu Recht. Dann ist wenigstens ein Ende in Sicht.

Projektsteuerung Bau der Sedelhöfe, der Tiefgarage am Bahnhof, der Bürgerdienste in der Olgastraße und der zweiten Straßenbahnlinie, dazu noch die Neugestaltung des Bahnhofplatzes: All diese Projekte laufen gleichzeitig. Sie zu koordinieren, Zeitpläne und Bauabläufe im Blick zu behalten, ist Aufgabe der Koordinierungsstelle Großprojekte bei der Stadt Ulm. „Bei uns sollten alle Fäden zusammenlaufen“, sagt Harald Walter, der Leiter der Koordinierungsstelle. Dabei geht es um die großen Linien, aber auch um profane Fragen wie: Wer darf wo seine Baumaterialien lagern? Wer kommt wie auf seine Baustelle? Wer muss wann mit welchen Arbeiten fertig sein?

Öffentlichkeitsarbeit Aufgabe der Koordinierungsstelle ist auch die Öffentlichkeitsarbeit. Dazu gehört beispielsweise die großformatige, ausführliche Info-Broschüre „Ulm baut um“, die derzeit an jeden Ulmer Haushalt verteilt wird. Sie enthält anschaulich und mit mehreren Grafiken illustriert alle Veränderungen, die sich ergeben.

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Kommentare

10.02.2017 17:36 Uhr

Antwort auf „Gut, dass der Rückbau der Karlstr. gerade fertig geworden ist,”

Herr Braun,
sie können sich wegen des verzögerten Bahnhofsneubaus gerne bei der Deutschen Bahn AG in Berlin beschweren. Denen ist nämlich ein Neu- oder Umbau zu teuer. Die Stadt würde gerne einen neuen Bahnhof haben, geht aber nicht wegen der Eigentumsverhältnisse.
Wegen der Unannehmlichkeiten Betreffs ihrer freien Durchfahrt am Bahnhof tun sie mir nicht leid. Andere haben noch viel größere Umwege zu Fuß zu bewältigen. Sie dagegen sitzen doch warm in ihrem Auto, also kein Grund zum jammern...

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10.02.2017 10:03 Uhr

Gut, dass der Rückbau der Karlstr. gerade fertig geworden ist,

so hat man dem Verkehrsteilnehmer die letzte Möglichkeit genommen, den Bahnhosstau vernünftig zu umfahren. Auch am Bahnhof wird nach dem Umbau dauerhaft eine Spur weniger zur Verfügung stehen. Ein selbst verschuldeter Dauerstau in der Innenstadt. Die ersten Geschäfte haben bereits mit Umsatzrückgängen zu kämpfen. Der größte Witz ist allerdings, daß das eigentliche, prähistorische Bahnhofsgebäude, bestehen bleibt. Gehbehinderte Personen sollen zukünftig über den weit entfernten Bahnhofssteg die Gleise erreichen. Was für ein Fortschritt.

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