Bauen mit sozialem Ziel

Die Ulmer Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft gestaltet die Stadt mit. So will sie über geförderte Wohnungen für Mieter mit wenig Einkommen Abgrenzung vorbeugen und zu gemischten Quartieren beitragen. Mit einem Kommentar von Jakob Resch

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125 Wohnungen will die Ulmer Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft (UWS) im laufenden Jahr fertigstellen, darunter ihr größtes Projekt „Wohnen am Türmle“ mit weiteren 81 Wohnungen. Das geht aus ihrem aktuellen Jahresbericht hervor. Ein Viertel der Wohnungen dort am Eselsberg sind gefördert für Mieter mit geringem Einkommen. So sieht sich die städtische Gesellschaft auch ausdrücklich in sozialpolitischer Verantwortung stehen, wie Geschäftsführer Dr. Frank Pinsler sagt: „Die UWS als kommunale Wohnungsgesellschaft bleibt auch künftig Garant dafür, dass das Wohnen in Ulm bezahlbar bleibt.“

Auch in anderen Stadtteilen ist die UWS schwer im Mietwohnungsbau unterwegs. Im Lettenwald in Böfingen entstehen wie in der Neustadt an der Ecke Kepler-/Carl-Ebner-Straße Neubauten, in denen jeweils auch eine WG für ältere Menschen unterkommen soll. „Ein Pilotprojekt für die UWS und für Ulm.“ In der Oststadt geht es in der Winklerstraße um einen Dachausbau, in der Wichernstraße bald um ein Projekt zusammen mit der Ulmer Heimstätte. Die Anlagen tragen klingende Namen: Schwamberger Hof, Wohnen im Winklerhof, Wohnen im Keplerbogen.

Auf andere Weise kommt sozialpolitische Initiative unterdessen in der Weststadt zum Tragen. Dort ist ein Neubau in der Moltkestraße als Folgeunterbringung für Flüchtlinge konzipiert (wir berichteten).

Unterdessen wurde in der Weststadt in der Sedanstraße eine Baulücke geschlossen; dort ist neben geförderten Wohnungen auch eine betreute Wohngruppe eingezogen. Pinsler bekräftigt: „Mit diesem Mix soll ein Beitrag dazu geleistet werden, auch zukünftig eine ausgewogene Sozialstruktur in der Weststadt zu erhalten.“ Gleichzeitig investiert die UWS weiter in den Bestand, mit 13,6 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Beispielhaft dafür stehen die Böfinger Hochhäuser, deren Modernisierung abgeschlossen worden ist. In der Bilanz stärken 4,9 Millionen Euro Überschuss das Eigenkapital für weitere Investitionen.

Die durchschnittliche UWS-Miete liegt bei 5,26 Euro pro Quadratmeter und damit deutlich unter dem Mietspiegel. Pinsler: „Die UWS ist so ein wichtiger Garant für bezahlbare Mieten in Ulm und leistet einen Beitrag zur sozialen Stabilität und Ausgewogenheit in den Stadtteilen und Quartieren.“ Die sich verschärfenden Rahmenbedingungen bei energetischer Qualität, Ausstattung oder Barrierefreiheit sowie die zuletzt erheblich gestiegenen Bau- und Planungskosten würden sich in der Zukunft jedoch „unweigerlich in der Miethöhe niederschlagen“. Dabei sei die Politik gefordert, die Wohnkosten nicht übermäßig ansteigen zu lassen.

Bilanzzahlen 2014

Bilanzsumme: 319,5 Millionen Euro
Jahresüberschuss: 4,9 Millionen Euro
Eigenkapitalquote: 25,2 Prozent
Investitionen: 34,8 Millionen Euro
Bewirtschaftete Wohnungen: 6888
Wohnfläche: 417. 000 Quadratmeter
Nettokaltmiete im Schnitt: 5,26 Euro pro Quadratmeter
Wohnungen modernisiert: 75
Wohnungen fertiggestellt: 91

Ein Kommentar von Jakob Resch: Wichtiger denn je

Die UWS, 1930 als Ulmer Wohnungsgesellschaft unter OB Emil Schwamberger ins Leben gerufen, ist 85 Jahre im Geschäft. Man sollte meinen, die Stadt ist bei der Wohnungsversorgung inzwischen aus dem Gröbsten raus. Aber mitnichten. Es scheint sogar, als sei die UWS wichtiger denn je. Haben Kommunalpolitiker zuletzt um günstigen Wohnraum gekämpft, geht es mittlerweile darum, überhaupt genügend davon zu haben. Wahnsinn. Dabei sorgen verschiedene Entwicklungen für eine prekäre Situation, die so nicht abzusehen war. Zunächst erhöht sich allgemein die Zahl der Haushalte, das hat mit veränderten Lebensmodellen und Altersstruktur zu tun. Dann ist Ulm Boomtown und muss für Zuzügler Platz schaffen. Dann sorgen Wirtschaftslage und Zinspolitik für einen Run auf Wohnimmobilien, der Geringverdiener verdrängt. Und nun steht noch eine nicht erwartete Zahl von Flüchtlingen vor der Tür, mit denen man nicht weiß, wohin. Eine Situation wie gemacht für Miethaie, um die ersten Auswüchse zu benennen, die mit diesem Mangel drohen. Entspannung bringen nur neue Wohnungen, die auch bezahlt werden können, ein schwieriges Geschäft in einer durchgeregelten Wohlstandsgesellschaft. Absurd. Das Fundament dafür legen UWS und ihre genossenschaftlichen Partner. Und so sagt 85 Jahre nach Schwamberger OB Ivo Gönner mit Blick auf die UWS: „Neuen Wohnraum schaffen ist das Gebot der Stunde. Dafür werden wir viel Geld investieren.“

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