Regio TV hatte Walter Feucht und Andreas Oettel zu Gast

Ein Gespräch über den Orange Campus, dessen Kosten und den Umgang miteinander.

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Auf ein Bier mit... Klappe, die erste. Regio TV Schwaben hat Andreas Oettel (links) und Walter Feucht (rechts) an einen Tisch gebracht. Die Diskussion über Für und Wider des Orange Campus zwischen dem Basketball-Geschäftsführer und dem TSG-Vorsitzenden, der sein Sportopia-Projekt nicht als Konkurrenz zum Vorhaben der Basketballer sieht. Die Sendung moderierte Marcel Wagner.  Foto: 

Schlachtplatte mit Kesselfleisch,  Leber- und Blutwurst. Das klang sehr vielversprechend. Schlachtplatte! Blutwurst!! Ahnte der Koch der Gaststätte „Drei Kannen“ etwas? Wahrscheinlich schon. Zumindest muss er gewusst haben, wer hier in der guten Stube auf wen treffen sollte: Walter Feucht auf Andreas Oettel. Der Vorsitzende der TSG Söflingen auf den Finanzchef der Ulmer Basketballer, der erbitterte Gegner des Orange Campus auf den leidenschaftlichen Befürworter des Projekts. Der scharfe Polemiker und Polarisierer gegen den kühlen Rechner und Faktenmenschen. Der schwergewichtige Puncher gegen das Leichtgewicht, das auf seine beweglichen Beine vertraut. Linker Uppercut, dann ein Jab. Und am Ende gibt Feucht den Tyson und beißt zu. Schlachtplatte mit Blutwurst und Ohr.

Geladen zum Streitgespräch vor laufenden Kameras hatte der Ulmer Sender Regio TV. „Auf ein Bier mit ...“ heißt das Format, das in den „Drei Kannen“ abgedreht wird. Zu Gast waren bereits OB Gunter Czisch, die Leichtathletin Alina Reh, der Musiker Patrick Wieland oder auch der ehemalige RAF-Terrorist und gebürtige Ulmer Christof Wackernagel, jeweils für 30 Minuten. Auf ein Bier eben. Und damit ist auch das Problem beschrieben: Was mit mit einem Gast funktioniert, führt  bei zwei Kontrahenten zu einem kurzen verbalen Geplänkel. Von wegen: Auf eine Blutwurst mit ... Das Gespräch war für Vegetarier, dazu trug auch der Käseteller bei, der auf dem Tisch stand.

Neuigkeiten? Na ja, die gab es eher nicht. Oettel stellte kurz das Projekt vor, „an dem man in Ulm derzeit nicht vorbeikommt“, wie Regio TV-Moderator Marcel Wagner einführend sagte. Dass der Orange Campus, ein Vereinszentrum für den Ulmer Basketball mit drei Trainingshallen, Fitness-Studio, Gastronomie und angeschlossenem Gewerbetrakt kommt, ist für Oettel klar. Was sollte er auch sonst sagen, außer der sportlichen Einlassung: „Manchmal muss man eine Ehrenrunde drehen.“ Von neun Bedingungen, die der Ulmer Gemeinderat den Basketballern auferlegt hat, seien acht erfüllt, so der Finanzchef.

Feucht hakte ein. Die Auflagen seien vollumfänglich nicht erfüllt worden, „eigentlich ist das Projekt damit weg vom Fenster“. Eine Breitseite schoss er auf Sport-Geschäftsführer Thomas Stoll ab. Feucht bezeichnete dessen Verhalten als „frech, unglücklich, undiplomatisch“. Auf der einen Seite reite Stoll Attacken gegen Ulm, auf der anderen Seite fordere er Geld vom Gemeinderat.

Nicht aus der Reserve locken

„Sie haben Glück, dass ich nicht mehr in diesem Gremium bin“, polterte er los. Da war er, der Spazz-Kolumnist, der so gern die Hoheit über die Stammtische hat. Gott sei Dank hatte die Visagistin ihn vorher noch abgetupft. Oettel ließ sich allerdings nicht aus der Reserve locken. Dass Stoll und er bisweilen „forsch“ unterwegs sind, bitte er nachzusehen. „Wir kämpfen mit Begeisterung und Leidenschaft.“

Feucht versteht nicht, warum 60 Prozent des Orange Campus für Gewerbe vorgehalten werde. „Das ist nicht originäre Aufgabe eines Sportvereins“, sagte der TSG-Vorsitzende. Seiner Meinung nach werden die Kosten des Projekts nicht bei 23 Millionen Euro („es sind 22,8 Millionen Euro“, so Oettel) stehen bleiben. „Sie werden aufrunden müssen.“ Oettel hielt dagegen, das ursprüngliche Projekt mit drei Trainingshallen sei um den Gewerbetrakt erweitert worden, „um der Stadt und dem Steuerzahler nicht auf der Tasche zu liegen“. Wohlwissend, dass drei Millionen Euro Zuschuss von der Stadt Ulm eine Menge Holz sind.

Klare Absage erteilt

Überhaupt: die Zahlen. Konkrete Zahlen würden die Basketballer selten nennen, „jeden Tag wird eine andere Sau durchs Dorf getrieben“, sagte Feucht und zieh Oettel und Co. der Unehrlichkeit. „Das finde ich grenzwertig, auch der Umgang mit Stoll geht mir echt auf den Keks“, erwiderte der Basketball-Geschäftsführer und nahm seinen Kompagnon in Schutz. Dem Vorschlag der SSV 46-Fußballer, ein gemeinsames Trainingszentrum zu bauen, erteilte er eine klare Absage – allein schon aus terminlichen Gründen: „Wir sind so weit vorangeschritten. Für uns macht es keinen Sinn, wieder bei null anzufangen.“

Und sonst? Es wurde noch ein wenig herumgeplänkelt, die beiden Kontrahenten luden sich gegenseitig zu den Eröffnungen ein, der Orange Campus soll laut Oettel noch 2019 fertiggestellt sein, das Sportopia-Projekt der TSG Söflingen folgt ein Jahr später.

Dann, nach 30 Minuten, fiel die Klappe. Zeit für eine richtige Blutwurst.

Sendezeiten Die Erstausstrahlung von „Auf ein Bier mit ...“ lief bereits gestern Abend auf Regio TV Schwaben. Die Sendung mit Walter Feucht und Andreas Oettel ist im Internet unter www.regio-tv.de/Schwaben abrufbar. Weitere Sendezeiten im Fernsehen (Kabel) sind: Sa. 14. Oktober; 21 Uhr, So. 15. Oktober, 23 Uhr. Über Satellit: Freitag. 13. Oktober, 18.30 Uhr, Sonntag. 15. Oktober; 16 und 23 Uhr sowie am Montag, 16. Oktober, 16 Uhr.

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