Bald bessere Heilungschancen bei akuter Leukämie?

Ein neues Medikament gegen akute Leukämie steht kurz vor der Zulassung in Europa.

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Federführend an der Studie beteiligt: Prof. Hartmut Döhner.  Foto: 

Die akute myeloische Leukämie (AML) ist eine bösartige Erkrankung des blutbildenden Systems, im Volksmund Blutkrebs genannt. Unreife Zellen des blutbildenden Systems in Knochenmark und Blut vermehren sich unkontrolliert und behindern die Bildung gesunder Blutzellen. Unter Beteiligung von Wissenschaftlern und Medizinern des Universitätsklinikums Ulm ist nun ein Medikament geprüft worden, das die Teilung der leukämischen Zellen verhindert und AML-Patienten bessere Chancen auf Heilung ermöglicht.

US-Behörde gibt grünes Licht

Ende April ist „Midostaurin“ von der US-Arzneimittelbehörde „Food and Drug Administration“ zugelassen worden. Für Europa werde die Zulassung in den nächsten Monaten erwartet, teilt das Uniklinikum mit.

AML ist die häufigste Form akuter Leukämien im Erwachsenenalter. „Die Entwicklung neuer Medikamente für diese Erkrankung des blutbildenden Systems ist allerdings schwierig“, sagt Prof. Hartmut Döhner, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin III am Universitätsklinikum Ulm.

Mit dem Medikament Midostaurin stehe nun das erste Mal seit 25 Jahren ein Therapeutikum kurz davor, sowohl in den USA als auch in Europa zugelassen zu werden. Von der FDA hat Midostaurin bereits Ende April die Zulassung erhalten, seitens der europäischen Arzneimittelbehörde EMA wird dieser Schritt in den kommenden Monaten erwartet. Eine Einschränkung gibt es allerdings: „Midostaurin ist nur für Patienten zugelassen, bei denen Mutationen des FLT3-Gens vorliegen. Hiervon sind ungefähr 25 bis 30 Prozent der AML-Erkrankten betroffen“, so Döhner.

Das Arzneimittel wurde im Rahmen einer Studie unter Federführung von Döhner und Prof. Richard Stone vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston geprüft. Die Ergebnisse sind kürzlich im renommierten Fachjournal New England Journal of Medicine publiziert worden. In dieser Studie konnten die Autoren zeigen, dass sich die mittlere Überlebenserwartung von 25,6 Monaten auf 74,7 Monate verbessert, wenn das neue Medikament Midostaurin mit einer Chemotherapie kombiniert wird.

Midostaurin ist ein so genannter Kinase-Hemmer. Das heißt, es bindet an eine Gruppe von Enzymen, die an der Ausbreitung von Krebserkrankungen im Körper beteiligt sind, und hemmt ihre Funktion. Genauer blockiert Midostaurin unter anderem die Weiterleitung von Signalen des Wachstumsfaktor-Rezeptors FLT3 und vermindert somit die Teilung der leukämischen Zellen.

3000 Patienten untersucht

An der randomisierten Studie hatten 717 nicht vorbehandelte Patienten mit akuter myeloischer Leukämie teilgeommen, in deren Tumorzellen Mutationen im FLT3-Gen nachgewiesen worden waren, teilt das Uni-Klinikum mit. Um 717 Patienten zu rekrutieren, seien insgesamt 3277 Patienten auf das Vorhandensein dieser Mutationen untersucht worden.

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