Backstage beim Poetry Slam im Roxy: Slammer sind auch nur Fußballfans

Am Dienstagabend traten zwölf Teilnehmer des Poetry Slams im Roxy gegeneinander an. Was dort Backstage passierte und worüber sich die Slammer unterhalten, lesen Sie hier.

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Noch eine halbe Stunde bis der Poetry Slam im Roxy beginnt. Backstage haben sich alle zwölf Slammerinnen und Slammer versammelt. Sie sitzen eng nebeneinander an einem kleinen Tisch. Einige der Poeten kennen sich bereits von anderen Slams, unterhalten sich und rauchen dabei. Hauptthema sind nicht ihre Erfahrungen auf der Bühne, sondern Fußball. Sie reden über das Spiel Ulm gegen Heidenheim.
 
Matti Gerstenlauer und Jonas Gunkel sind zum ersten Mal bei einem Poetry Slam dabei. Die 15- und 14-Jährigen sind Schüler des Kepler-Gymnasiums in Ulm. „Wir mussten im Deutschunterricht einen Slam schreiben“, erzählt Matti. Sofort wird er von Ko Bylanzky, Moderator und Organisator der Veranstaltung, korrigiert: „Das heißt Slam-Text. Hat eure Deutschlehrerin Slam gesagt? Das ist falsch.“ Matti Gerstenlauer erzählt weiter, dass seine Deutschlehrerin unter den Schülern einen kleinen Wettbewerb veranstaltet hat. Er und Jonas Gunkel haben gewonnen und wurden von ihrer Deutschlehrerin motiviert, am Poetry Slam teilzunehmen. Sie treten als Team auf.

Tipps von erfahreneren Slammern

Vor den beiden Schülern liegt ihr ausgedruckter Text auf dem Tisch. Einige Zeilen sind gelb markiert. „Ihr arbeitet mit Farben“, sagt ein Slammer aus Ludwigsburg, der sich auf der Bühne Hanz nennt. „Manchmal kann man die Farben durch die Scheinwerfer auf der Bühne nicht lesen. Schreibt lieber eure Zeilen fett oder kursiv“, gibt der 29-Jährige dem Slammer-Nachwuchs Tipps.

Noch 15 Minuten bis zum Beginn des Ulmer Poetry Slams. Die Aufregung der beiden Schüler wächst. Letzte Fragen werden geklärt. „Woher wissen wir eigentlich, wann wir dran sind“, fragt Matti Gerstenlauer. Bylanzky erklärt nochmal kurz die Regeln: „Eure Namen werden gelost. Ihr kommt dann einfach auf die Bühne und habt sechs Minuten Zeit für euren Auftritt. Wenn ihr länger redet, breche ich ab.“

Währenddessen füllt sich der Zuschauerraum. Das Roxy ist ausverkauft. Für die Slammer wurden inmitten des Publikums zwei Tische reserviert, von denen sie einen guten Blick auf die Bühne haben. In fünf Minuten geht es los. Alle setzen sich.

Der Poetry-Slam als Werbeplattform

Ko Bylanzky moderiert zusammen mit Dana Hoffmann. Beide betreten die Bühne und erklären den Zuschauern nochmal kurz die Regeln. Dann wird auch schon der erste Name gezogen. Matti Gerstenlauer und Jonas Gunkel haben noch Zeit zum Durchatmen. Ihre Namen werden erst nach der Pause gelost.

Die ersten sechs Slammer geben ihr Bestes. Vor der Pause vom Publikum ins Finale geklascht wird Michael Bitter aus Berlin. Er arbeitet als freier Autor und ist selbst Slam-Master in Dresden. Nach Ulm gekommen, ist er nicht nur, um am Poetry Slam teilzunehmen, sondern auch um für sein neues Buch „Wir trainieren für den Kapitalismus“  zu werben. Das können die Zuschauer in der Pause oder am Ende des Poetry Slams kaufen. „Ein Slam ist für mich eine gute Möglichkeit, mich ein bisschen bekannt zu machen“, sagt Bittner. Ums Gewinnen gehe es ihm weniger, auch wenn das natürlich ein schöner Nebeneffekt sei.

Es ist Halbzeit beim Poetry-Slam. Während Bittner ein paar seiner mitgebrachten Bücher verkauft, unterhalten sich Matti Gerstenlauer und Jonas Gunkel mit ihren Eltern und Klassenkameraden. Die beiden Schüler haben an diesem Abend den größten Fanclub mitgebracht.

Ulmer Schüler begeistern Publikum

Ihre Namen werden nach der Pause als zweites aufgerufen. Mit beiden Händen umklammern sie fest ihre Zettel und stellen sich hinter die Mikrofone auf der Bühne. Nach einem zögerlichen „Hallo“ beginnen sie, ihren Text „Der beste Freund des Menschen“ vorzutragen. Wer bei dem Titel an einen Hund denke, der solle jetzt bitte den Raum verlassen, sagt Matti Gerstenlauer zum Publikum und bricht damit das Eis.

Es gehe nämlich nicht um Tiere, sondern um einen Turnschuh. „Skecher – oh du Turnschuh mit den Leuchteranken, du mein Sonnenschein im Alltagslicht“, bekunden die beiden Schüler ihre Liebe zu Schuhen, deren Sohlen bunt leuchten.  Das Publikum ist begeistert und begleitet die Jungs nach ihrem Auftritt mit tosendem Applaus von der Bühne. Für das Finale reicht es leider nicht. Das Publikum entscheidet sich für Hanz, der die Zuschauer auch im Finale gegen Bittner überzeugen kann und zum Sieger des jüngsten Poetry Slams im Roxy gekürt wird.

Als Preis bekommt Hanz von Moderatorin Dana Hoffman eine Flasche Whisky überreicht, die er sogleich öffnet. Damit ist der Poetry Slam gegen halb elf Uhr abends zu Ende. Alle Slammer, die aus Ulm kommen, holen ihre Sachen aus dem Backstage-Bereich und gehen relativ schnell nach Hause. Auch die beiden Schüler.

Der Abend ist noch nicht zu Ende

Die Übrigen setzen sich Backstage wieder an den kleinen Tisch. Und wieder drehen sich die Gespräche nicht um Poetry Slam, sondern um Fußball. Slammer und Autor Frank Klötgen tauscht mit Ko Bylanzky eifrig Fußball-Sticker. „Dass du mehr Spieler der brasilianischen Mannschaft hast – unglaublich“, sagt Klötgen. Marco von Damghan erzählt über seine Liebe zur Rap-Musik. Gewinner Hanz probiert von seinem Whisky und lässt alle mal kosten. „Nicht schlecht, aber es gibt Bessere“, lautet einstimmig das Urteil.

Gegen 23 Uhr entscheiden sich alle dafür, noch in eine Bar zu gehen. Um die Zeit in Ulm? Keine einfache Aufgabe. Zum Glück hat das Rosebottel in der Zeitblomstraße noch geöffnet. Und dort, bei einem Glas Bier, drehen sich die Gespräche dann doch noch um Poetry Slam. „Es gibt Slammer, die haben einen guten Text und touren mit dem zwei Jahre durch Deutschland. Das ist gefährlich“, sagt Klötgen. Warum? „Weil sie sich dann an ihren Ruhm gewöhnen, aber nichts Neues und Gute mehr zustande bringen. Dadurch entwickelt man sich nicht weiter“, beantwortet er die Frage. Der Barmann will schließen und bittet freundlich, kassieren zu dürfen. Ein Uhr in der Nacht endet der Abend für die Slammer in Ulm
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