Bachtage verheißungsvoll gestartet

Die Wiblinger Kantorei und das Collegium instrumentale haben die 28. Wiblinger Bachtage eröffnet. Ein verheißungsvoller Auftakt.

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Ein Grund zum Staunen: 27 Jahre alt sind die Wiblinger Bachtage und von Ermüdung keine Spur. Doch der waghalsige Anspruch Albrecht Schmids, möglichst alle Konzerte mit den eigenen Chören und der eigenen Person zu stemmen, hat sich in den letzten Jahren zugunsten einer kräfteschonenderen Konzeption verschoben. Musikerfreunde und Chorkollegen von auswärts bereichern die Bachtage, deutlich spürbar auch am Festivalensemble Collegium instrumentale, das mit dem Amaryllis Quartett die reinste Frischzellenkur erhalten hat und nun beim Eröffnungskonzert in der gut besuchten evangelischen Versöhnungskirche Wiblingen brillierte.

Wie gewohnt dirigierte Albrecht Schmid seinen Bach mit jener strukturellen Klarheit, leidenschaftlichen Expression und Inspiriertheit, die den Ruf nach so genannter authentischer Aufführungspraxis verstummen lässt. Das Entscheidende ist und bleibt die Musik und ihre Überzeugungskraft.

Und so berührte in den beiden Kantaten (BWV 5 und 9) die Inständigkeit, mit der die Wiblinger Kantorei den bittenden Chorälen Ausdruck verlieh, oder die Eindringlichkeit, mit der das Solisten-Quartett (etwas zu vibratoreich die Sopranistin Isabelle Müller-Cant, bewährt geschmackvoll die Altistin Barbara Raiber, zuweilen die Erregung übersteigernd der Tenor Andreas Weller und wunderbar gehaltvoll deklamierend der Bass Thomas Gropper), einfühlsam unterstützt von verschiedenen Soloinstrumenten, die Wortaffekte in Arien und Rezitativen beseelte.

Eine wahre Entdeckung mit seiner geradezu dramatisch aufgeladenen Wechselrede von Solisten und Chor (Gloria) wurde die selten zu hörende A-Dur-Messe, die sich, wie damals üblich, zwei früherer Kantaten bediente - nicht zu vergessen der kleine, feine Einschub mit Telemanns D-Dur Konzert für Trompete (Klaus Dann), zwei Oboen (Wolfgang Miller und Ulrich Ehret) und Streicher, der alle Meriten der Bachtage-Instrumentalisten erneut unterstrich. Viel Applaus für einen verheißungsvollen Auftakt.

Info Die Wiblinger Bachtage setzt heute, Samstag, 20 Uhr, das Berliner Mariani-Quartett im Ulmer Stadthaus fort. Philipp Bohnen (Violine), Barbara Buntrock (Viola), Peter-Philipp Stammler (Cello) und Gerhard Vielhaber (Klavier) spielen Quartette von Mozart, Martinu und Fauré.

Morgen, Sonntag, 17 Uhr, singen die Wiblinger Kantorei und die St.Georgs-Chorknaben in der Georgskirche Kantaten, Motetten und Palestrinas "Missa Papae Marcelli".

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