Ausstellung: Vom Umgang mit jüdischen Sportlern

Deutsche Juden haben entscheidend zur Entwicklung des Fußballs und seiner Organisation in Deutschland beigetragen. Nach 1933 wurden sie vom Spielbetrieb ausgeschlossen und verfolgt. Eine Wanderausstellung zeigt im Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg zeigt Biographien berühmter jüdischer Fußballer wie Julius Hirsch und Gottfried Fuchs. Begleitend dazu haben Schüler der Spitalhof-Gemeinschaftsschule in Ulm den Fußball in der Nazizeit aufgegriffen und in der Ausstellung erlebbar gemacht.

|
Das Plakat zur Ausstellung „Kicker, Kämpfer und Legenden“, die am 24. Juni im DZOK beginnt.  Foto: 

Julius Hirsch, Gottfried Fuchs, Gustav Rudolph Manning und Walther Bensemann haben mindestens zwei Dinge gemeinsam: Sie haben entscheidend zum Erfolg  und zur Entwicklung des deutschen Fußballs beigetragen und sie waren Juden. Sie wirkten lange vor dem Ersten Weltkrieg unter anderem bei der Gründung von Vereinen mit, trugen wesentlich zur Gründung des DFB bei, ermöglichten den Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg die Wiederaufnahme in die FIFA und stellten in vielen Mannschaften Spieler. Hirsch und Fuchs waren Nationalspieler. Der Letztgenannte etwa erzielte in einem Spiel gegen Russland zehn Tore, ein Rekord, der bis heute nicht wiederholt wurde.

Die Ausstellung „Kicker, Kämpferm Legenden – Juden im deutschen Fußball“ greift die Erfolge, die Rollen und die Schicksale jüdischer Fußballer, Trainer, Journalisten und Funktionäre vor und während der Naziherrschaft auf – „sowie ihre Ausgrenzung und Verfolgung“, ergänzt Nicola Wenge, Leiterin des Vereins Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg (DZOK), der die Ausstellung zeigt. Zudem wird die Verantwortung der Vereine damals beleuchtet: „Wie sie oder ob sie ihre Handlungsspielräume genutzt haben, denn nicht alle haben sich dem Diktat der Nazis gefügt.“

Die Ausstellung wurde 2006 anlässlich der Fußball-WM vom  Centrum Judaicum in Berlin konzipiert. Seitdem geht sie auf Wanderschaft. Jetzt hat sie passend zur Fußball-EM den Weg nach Ulm gefunden und wird in der KZ-Gedenkstätte ab Freitag, 24. Juni gezeigt.

In Ulm besonders ist, dass es eine begleitende Ausstellung gibt. Entwickelt wurde sie mit sechs Schülern der neunten und zehnten Klassen der Spitalhof-Gemeinschaftsschule. Unterstützt wurden sie von  der Lehrerin Dorothee Dotzauer, der Archivarin des DZOK, Christine Friederich, vom Stadtjugendring und vom Archivar des Fußballvereins SSV Ulm 1846, Fritz Glauninger.  „Wir beschäftigen uns nicht nur mit der Geschichte, sondern schlagen auch den Bogen in die Gegenwart“, sagt Christine Friederich. Themen wie Integration, Ausgrenzung, was es bedeutet, Teil eines Teams zu sein, Rassismus unter Fans würden aufgegriffen. Und: Der Fokus liegt auf Ulmer Sportlern wie dem Fußballstar Walter Vollweiler. Wie alle anderen jüdischen Sportler in Deutschland wurde er 1933 aus dem Ulmer Fußballverein ausgeschlossen. Obwohl er kurz zuvor eine Einladung zum Lehrgang der deutschen Fußballnationalmannschaft erhalten hatte. Die Vereinsleitung schrieb, er sei unerwünscht.

Alte Fotos und neue – etwa von einem Besuch von Flüchtlingen beim SSV – sowie Biografien von Sportlern sind in sechs, großen, schwarzen Boxen verstaut. „Man hebt den Deckel und erhält neue Einsichten“, erklärt die Archivarin. Drei Monate habe die Vorbereitungszeit gedauert.

Neben viel neu Erlerntem stand wohl auch die Erkenntnis, dass es nach wie vor  noch viel zu tun gibt auf und um den Fußballplatz: Denn auch Walter Vollweiler und der deutsche Nationalspieler Jerome Boateng haben etwas gemeinsam: Es gibt leider Leute, die beurteilen sie allein nach ihrer Herkunft.

Begleitprogramm zur Ausstellung

Begleitprogramm  Zur Vernissage in der KZ-Gedenkstätte am Freitag, 24. Juni (18?Uhr), gibt Klaus Schultz von der KZ-Gedenkstätte Dachau eine Einführung, die Spitalhofschüler präsentieren ihren Teil der Ausstellung. Am Sonntag, 26.  Juni, und am 10. Juli führt SSV-Archivar Fritz Glauninger durch die Ausstellung (jeweils 15.30 Uhr). Immer samstags ist der Besuch bei freiem Eintritt möglich. Am Freitag, 10. Juli, wird in der Robert-Bosch-Schule ein Tischkicker-Turnier veranstaltet. Motto: „Sag Nein zu Rassismus“. Zur Finissage am Sonntag, 10.  Juli, spricht der Archivar der jüdischen Gemeinde in Wien, David Winterfeld, über „Fußball unterm Hakenkreuz“ und schlägt zusammen mit dem Ulmer Sportjournalisten, Andreas Kullick,  einen Bogen zur Gegenwart.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Ulmer Weihnachtsmarkt eröffnet am Montag

Kürzer, größer, sicher: 26 Tage dreht sich ab Montag auf dem Ulmer Münsterplatz alles um Glühwein, Wurst und Co. Betonwände sollen vor Terror schützen. weiter lesen