Ausstellung: Demenz ist nicht grau

Betroffene aktivieren und zu Dingen motivieren, die Spaß machen und Lebensfreude bringen, dafür steht der Verein Trotz-Dem. Die Gruppe "Lust auf Kunst" zeigt in ihren Bildern: "Demenz ist nicht grau!"

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Bunt und voller Lebensfreude sind die Bilder, die in der Gruppe "Lust auf Kunst" entstanden sind, in der Menschen mit Demenz und anderen Einschränkungen regelmäßig zusammenkommen. Am Dienstag wird die Ausstellung eröffnet.  Foto: 

"Die Diagnose Demenz muss nicht heißen, dass die Betroffenen jede Lebensqualität verlieren, weil manches nicht mehr geht." Das betont Sabine Mayer-Dölle, die Vorsitzende des Vereins Trotz-Dem Ulm. Die Langfassung des Vereinsnamens lautet: Für ein würdiges Leben trotz Demenz. Seit zehn Jahren gibt es den Verein, der sich einen anderen Ansatz auf die Fahnen geschrieben hat: durch niederschwellige Angebote das fördern, was noch möglich ist.

Deshalb gibt es seit knapp einem Jahr das Projekt "Lust auf Kunst". In der Gruppe treffen sich alle zwei Wochen 12 bis 15 Menschen, um miteinander kreativ zu arbeiten. Dabei sind nicht alle Teilnehmer an Demenz erkrankt, manche haben Einschränkungen durch Depression oder Schlaganfall. "In den Treffen und der gemeinsamen Beschäftigung keimt wieder Lebensfreude und Kreativität auf, das zeigt sich in den farbenfrohen Bildern. Manche erinnern an Yves Klein oder Jackson Pollock", findet Mayer-Dölle. In Kooperation mit dem Projekt Demenz ist aus den Bildern die Ausstellung mit dem Titel "Demenz ist nicht grau!" geworden, die am Dienstag eröffnet wird.

Auch wegen des "schönen Miteinander-Erlebens", so Mayer-Dölle, ist das Interesse am Kunst-Projekt inzwischen so groß, dass Trotz-Dem überlegt, eine zweite Gruppe ins Leben zu rufen. Der Verein finanziert die Kunsttherapeutin Elke Klemm über Zuschüsse, die er über das Bundesprojekt "Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz" bekommt. Aber auch für die Zeit nach Herbst 2016, wenn die Förderung zu Ende geht, kann der Verein das Angebot weiterfinanzieren.

Das Gleiche gilt für das zweite Angebot "Was geht!?": eine Wandergruppe, bei der sich seit Frühjahr monatlich 20 bis 25 Teilnehmer zu Ausflügen zu Fuß treffen und die von qualifizierten Wanderführern begleitet werden.

Trotz-Dem sieht sich in der Verantwortung einer "sorgenden Gesellschaft", sagt Sabine Mayer-Dölle weiter, und wirkt im Ulmer Netzwerk der Hilfen und Angebote für Menschen mit Demenz und deren Angehörige mit. Der Verein besteht seit zehn Jahren und hat rund 50 Mitglieder. Der Geburtstag wird am Mittwoch, 4. November, 14.30 Uhr, im Haus der Begegnung gefeiert mit der Veranstaltung "Wir tanzen wieder", bei der es um Bewegung und Musik in kleinen Gruppen geht.

Info Die Vernissage der Ausstellung "Demenz ist nicht grau!" ist am Dienstag, 17.30 Uhr, im Foyer des Hauses vom Diakonieverband, Grüner Hof 1 in Ulm. Zu besichtigen sind die Bilder bis Ende Oktober jeweils von Montag bis Freitag von 8.30 bis 16.30 Uhr.

Angebote für Betroffene und Angehörige

Was Demenz ist, weiß inzwischen fast jeder - aber meist nur der Spur nach. Für ein differenziertes Bild in der Öffentlichkeit setzt sich seit 2004 das Projekt Demenz Ulm ein, das inzwischen eine der drei Säulen bei der Diakonischen Bezirksstelle geworden ist. Die zwei Mitarbeiterinnen Carmen Diller und Alexandra Werkmann machen Informationsveranstaltungen, um die Öffentlichkeit zu sensibilisieren, und Schulungen für Angehörige, Interessierte und alle, die von Berufs wegen oder im Ehrenamt mit Betroffenen Kontakt haben.

Weitere Schwerpunkte sind die Beratung von Betroffenen und Angehörigen sowie Angebote für Menschen in den verschiedenen Stadien der Krankheit. "Entsprechend des Bedarfs haben sich die Gruppen im Laufe der Jahre ergeben", sagen Diller und Werkmann. Seit 2008 gibt es die Gesprächscafés, bei denen Angehörige und Interessierte ihre Erfahrungen austauschen können. Der Gesprächskreis "Das Vergessen teilen" wurde 2011 ins Leben gerufen für Betroffene mit beginnender Demenz, um sich aktiv mit der veränderten Lebenssituation auseinanderzusetzen. Als jüngstes Angebot kam 2014 die "Sandbank" hinzu; in der Gruppe für Betroffene im mittleren Stadium geht es darum, Herz und Kopf zu aktivieren. Ein Sonderfall ist die Gesprächsgruppe für frontotemporale Demenz in Zusammenarbeit mit der Uniklinik Ulm.

Überhaupt ist den Mitarbeiterinnen des Projekts Demenz die Kooperation mit den unterschiedlichsten Partnern wichtig: "Wir wollen ein Netzwerk schaffen, das die verschiedenen Angebote in Ulm, die Erwartungen und Bedürfnisse der Betroffenen und ihrer Angehörigen verknüpft und wechselseitig zugänglich macht. Damit jeder für sich das individuell Passende findet." Info Projekt Demenz Ulm ist erreichbar im Grünen Hof 1, Tel. (0731) 15 38-504 oder-505. Infos und die aktuellen Termine der Gesprächsgruppen finden sich im Internet: www.projektdemenzulm.de

Die nächsten Termine der Gruppen sind: Gesprächscafé am Mittwoch 16./30. September, 14.30 Uhr , Haus der Begegnung (HdB); Gesprächsgruppe frontotemporale Demenz am Mittwoch, 16. September, 14 Uhr, RKU; Das Vergessen teilen am Montag, 28. September, 14 Uhr, HdB; Sandbank am Dienstag, 29. September, 14 Uhr, im Grünen Hof 1.

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