Außergewöhnliche Touren durch Ulm

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Gaby Fischer und Jörg Zenker warten als „Henker“ bei ihrer besonderen Stadtführung schon auf die nächsten Verurteilten.  Foto: 

In Ulm, um Ulm und um Ulm herum ist für Sie ein bekannter Zungenbrecher? Sie wissen, dass das Ulmer Münster den höchsten Kirchturm der Welt besitzt? Wer glaubt, alles über Ulm zu wissen, hat definitiv noch an keiner dieser Stadtführungen teilgenommen. „Erlebnisführungen sind deshalb im Kommen, weil die Leute nicht nur ein Bedürfnis nach Informationen haben, sondern auch unterhalten werden wollen“, sagt Sonja Wagenbrenner vom Bundesverband der Gästeführer in Deutschland. Wer also zur Abwechslung keine klassische Stadtführung erleben möchte, der ist bei den folgenden drei Touren der etwas anderen Art richtig.

„Der Henker ist in der Stadt“

Der Beruf des Henkers galt als „unehrenhaft“ im Mittelalter und war deshalb mit großen Einschränkungen verbunden. So wohnten Henker beispielsweise als Aussätzige meist außerhalb der Stadt und wurden auch von der Gesellschaft ausgegrenzt. Neben der Vollstreckung von Todesurteilen durch das Schwert, durch Enthauptung mit der Guillotine oder Hängen durfte ein Henker auch vielfältige Folter­methoden anwenden – glücklicherweise ist diese Zeit in Europa vorbei.

Daran erinnern möchten Gaby Fischer und Jörg Zenker, ausgebildete Gästeführer, die Stadtführungen in historischem Henkergewand in Ulm anbieten. Programmpunkte während ihrer Tour sind auch das Strafrecht im Mittelalter; die Henker, die in Ulm gewirkt haben, und verschiedene Arten der Bestrafung, wie Scheiterhaufen, Hängen und Ertränken – um nur mal eine kleine Auswahl zu nennen. Es werden Stellen gezeigt, an denen sich Justizirrtümer abgespielt haben, Verbrecher abgeführt wurden, Darstellungen von Henkern in Ulm abgebildet sind und Orte und Personen, die an Hinrichtungen erinnern.

Bis zu 30 Gäste führen die beiden normalerweise herum. „Gerade mit der Gruselführung kriegen wir viele junge Leute“, sagt Gaby Fischer. „Unser Ziel ist es, Geschichte unterhaltsam zu vermitteln.“ Die Tour gibt es bereits seit drei Jahren, und die Gästeführer haben sich auf Erlebnisführungen spezialisiert. Ziel ist es, mit Humor Geschichte und Fakten unterhaltsam zu vermitteln und ein bisschen für Gänsehautfeeling zu sorgen.

Auf die Frage, wie die beiden auf die Idee gekommen sind, so eine ungewöhnliche Tour anzubieten, antwortet Fischer: „Mein Kollege Jörg und ich haben sehr viel Spaß an der Ausarbeitung neuer Themen und Gewänder – und so sind wir eben auch auf dieses Konzept gestoßen.“ Eine gute Voraussetzung hat sie definitiv: „Ich habe die ehrlosen, dunklen Gestalten lieber als die netten Prinzessinnengeschichten.“

„Ulm Feeling“

Bei dieser Stadtführung kann man Ulm einmal von einer anderen Seite kennenlernen, oder besser gesagt: aus einer anderen Perspektive – und erfährt dabei besondere Geschichten von einem besonderen Stadtführer ist nämlich Hartmut Dorow, der im Alter von zehn Jahren erblindete.

Das hielt den Ulm-Liebhaber und -Kenner aber nicht davon ab, anderen Menschen seine Stadt näherzubringen. Seit 40 Jahren schon sollen seine Touristen die Stadt unter dem Motto „Ulm Feeling“ tastend erleben. „Veranstaltungen von Blinden für Blinde gibt es viele, aber nicht von Blinden für Sehende.“ Das mache die Einzigartigkeit aus.

Zudem setzt sich Dorow unermüdlich für die Barrierefreiheit und Interessen von Blinden ein und schlug beispielsweise das Tastmodell der Stadt mit Blindenschrift auf dem Münsterplatz oder die über 400 Tastampeln in Ulm vor. Obwohl Ulm damit zu den blindenfreundlicheren Städten Deutschlands zählt, begleitet ihn immer eine zweite, sehende Person – nämlich sein Freund Gerhard Schwenk.

Ursprünglich wurde die Tour für Blinde konzipiert, seit einiger Zeit buchen aber auch Sehende seine Führungen. „Ich möchte den sehenden Menschen nahebringen, wie sich die Stadt für einen Blinden anfühlt, wie er sie begreift und wie er sich zurechtfindet.“ Von Mai bis September bietet er an jedem letzten Donnerstag eines Monats interessierten Menschen seine besondere Stadtführung an. Sie beginnt am Tastmodell für blinde Menschen auf dem Münsterplatz und endet im Duft- und Tastgarten im Kobelgraben.

„Ulm und seine Käpsala“

Diese Stadtführung sollte sich nicht entgehen lassen, wer die berühmtesten Ulmer aller Zeiten kennenlernen möchte. Karl Keinstein (eigentlich: Karl Höb) präsentiert die Geburtsstadt des Physikers und Nobelpreisträgers Albert Einstein (1879 – 1955) und stellt einige Ulmer „Käpsala“ vor – darunter eben Einstein, Albrecht Berblinger und Rudolf „Rex“ Dentler.

Die Führung startet am ehemaligen Geburtshaus Einsteins an der Bahnhofstraße und führt bis zum Einstein-Haus. Höb trägt dabei eine wirre graue Perücke und erklärt die Relativitätstheorie auf seine Weise.

Ulm und seine Käpsala Samstag,
16. September, um 14 Uhr. Treffpunkt am Einstein-Monument in der Bahnhofstraße. Kosten: 12 Euro.

Ulm Feeling Donnerstag, 28. September, um 16 Uhr. Treffpunkt beim Tastmodell am Münsterplatz.
Kosten:  3 Euro.

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