Ausbildungsprojekt: Neun junge Spanier bauen auf Ulm

Die Heimat verlassen, neu anfangen, das ist kein leichter Schritt. Neun junge Spanier wollen ihn wagen und sich in Deutschland eine Zukunft aufbauen. Wir begleiten sie - hier der erste Schritt: die Ankunft.

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Ihren Ausbildungsvertrag bei einem deutschen Betrieb haben sie noch nicht in der Tasche, aber fast: Neun junge Spanier, die eine neue Lebens- und Arbeitsperspektive suchen, wurden am Montag in Ulm willkommen geheißen. Die Handwerkskammer hatte sie in Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit angeworben. Die Spanier sollen bei den Unternehmen Geiger + Schüle Bau und Scheffler zunächst ein Betriebspraktikum absolvieren und danach einen Bauberuf erlernen oder einen im Bereich Sanitär, Heizung, Klima.

Iván García Guerrero, 24, aus Almería. Er war seit Juli arbeitslos, möchte nun im Straßenbau Arbeit finden und würde auch bleiben. "Ich hoffe, dass das klappt und ich vielleicht sogar eines Tages eine Familie gründen kann", sagt er. Seine Eltern zu verlassen sei ihm nicht so schwer gefallen, denn er hatte ohnehin vor, weiter weg zu ziehen.

Manuel José Jiménez Navarro, 24, stammt aus Granada, wo er zwei Jahre lang arbeitslos war. "Ich bin schon deswegen gegangen, aber ich wollte auch ein neues Land kennen lernen", sagt er. Die Situation in seiner Heimat für junge Menschen beschreibt er als fatal, daher möchte er sich hier zum Rohrleitungsbauer ausbilden lassen. "Ich stelle mir meine Zukunft hier gut vor, so viel Geld brauche ich gar nicht."

Rafael Jiménez Sánchez, 23, aus Granada hat als Zeitarbeiter im Bau und auf Feldern gearbeitet. "Ich hoffe, hier habe ich mehr Chancen", sagt er. Er hat sich für die Ausbildung im Straßenbau entschieden und sagt: "Ich kann mir vorstellen, hier zu bleiben - trotz des Wetters."

Manuel Cobos Castro, 24, hat in seiner Heimat Málaga keine Zukunft mehr gesehen. "Das Abi habe ich abgebrochen und als Kellner gejobbt", erzählt er. Sein eigentliches Ziel, Jura zu studieren, habe sich damit zerschlagen. Nun lässt er sich zum Gleisbauer ausbilden, was er auf alle Fälle durchziehen will. "Nach Spanien gehe ich dann nur noch in den Urlaub", sagt er. Seine Eltern sind natürlich traurig deswegen, aber sie freuen sich auch über die Chance, die sich ihm bietet.

Alberto Blanco Ángel, 22, hat in Málaga bis zum vergangenen Jahr als Mechaniker gearbeitet. Dann ist er arbeitslos geworden und will nun in Deutschland eine Ausbildung im Bereich Heizung, Lüftung, Sanitär machen. "Es ist mir schon schwer gefallen, zu gehen", sagt er. Aber die Lage in Spanien sei zu schlecht, und er wollte seiner Familie nicht zumuten, ihn weiter zu unterstützen. "Auch meine Freunde sind traurig, aber sie freuen sich auch für mich."

Adrián Rubio Gómez, 25, aus Málaga ist Techniker für Sportplätze. In diesem Beruf gibt es in seiner Heimat zur Zeit keine Arbeit, sagt er. Seine Zukunft sieht er im Gleisbau - in Deutschland. Er glaubt, dass es nicht schwierig sein wird, nach der Ausbildung eine Arbeitsstelle zu finden.

Daniel Asencio Gil, 24, aus Sevilla, wollte Spanien so oder so verlassen, auch ohne Hilfe. Im Internet wurde er dann über die Seite des dortigen Arbeitsamts auf die Möglichkeit der dualen Ausbildung in einem deutschen Projekt aufmerksam. Das würde keine Fahrt ins Blaue werden, dachte er. Kein Abenteuer. Er ließ sich darauf ein, weil er einen gewissen Rückhalt haben würde. Der 24-Jährige vertraut darauf, dass es mit der anvisierten Ausbildung zum Rohrleitungsbauer schon funktionieren wird. Er möchte, wenn möglich, in Deutschland Fuß fassen. In seiner Heimat hat der Elektronik-Techniker alles Mögliche gemacht. Wo es eben gerade Arbeit gab.

Iván Sivianes Torilo, 20, aus Sevilla, sieht für sich in Spanien keine Zukunftsperspektive - nicht nur aus politischen und wirtschaftlichen Gründen, auch aus persönlichen. Der gebürtige Spanier kam als Fünfjähriger das erste Mal nach Deutschland, im Alter von 15 zog die Familie wieder auf die iberische Halbinsel. "Ich wollte eigentlich nie zurück nach Spanien", sagt der junge Mann. Er hat dort Sprachprobleme, nicht in Deutschland. Er brach das Abitur ab, jobbte im elterlichen Betrieb als Koch. In Deutschland sieht er die Chance, sich seine Selbstständigkeit zu erarbeiten. Als Gleisbauer oder Anlagenmechaniker. "Der Anfang wird schwierig werden." Er ging zum ersten Mal alleine von Zuhause weg - und gleich 2400 Kilometer weit. Umso mehr schätzt er die Gesellschaft der anderen Spanier in der Gruppe, sie leben alle im Internat der Kammer.

Manuel Pe·a Mora, 23, aus Sevilla, will eine doppelte Chance nutzen: einen Beruf (im Bereich Heizung, Lüftung, Sanitär) und zugleich eine Fremdsprache lernen. Er hat dafür nicht nur Familie und Freunde zurückgelassen, auch seine Freundin. Die plant schon, nachzukommen und sich ebenfalls eine berufliche Perspektive aufzubauen.

Hunderte Ausbildungsplätze konnten nicht besetzt werden
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