Aus Zzzipp wird Sprizzz!

Beim ausverkauften Konzert in Blaubeuren konnte man Tab Two zumindest phasenweise einmal ganz ohne den Einsatz von digitalen Helfern erleben.

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Am Blautopf in großer Form: Joo Kraus und Hellmut Hattler. Foto: Udo Eberl

Die Veranstalter der Sommerbühne am Blautopf sind ja als programmatische Wiederholungstäter bekannt. Was auch daran liegen mag, dass Künstler für das Open Air ein gewisses Suchtpotenzial entwickeln. Tab Two hatten dort schon 2012 auf ihrer Revival-Tournee gespielt - im strömenden Regen, mit dem Publikum unterm schützenden Bühnendach. Denkwürdig. Vielleicht ließ sich Joo Kraus auch daher überreden, seine Entscheidung fürs endgültige Live-Aus des Duos zum Zehnten der Sommerbühne zu revidieren. Unter einer Bedingung: Man würde als Band auftreten.

Nach einem Konzert im pfälzischen Wachenheim kam Blaubeuren zur Ehre eines "unvorhergesehenen Vorfalls", wie Hellmut Hattler es nannte. Erst hatten "Sweet Brassil" mit Jazz, Funk und satten Bläsern losgelegt, dann waren Kraus und Hattler dran. Zunächst wie gewohnt als Duo mit "Sad News" oder "Let It Flow". Einzige traurige Nachricht vielleicht, dass die beiden, angetrieben von Sounds aus dem Off, zu Beginn noch den Flow suchten. Die Kiste kam vor 600 Besuchern spätestens mit dem "20th Century Party Waste" auf Touren. Wobei besonders Kraus zum Konditionswunder wurde. Er verarbeitete die gereifte Technik am Instrument noch deutlicher in die Stücke, ließ sich so manch rasanten Jazz-Dreh nicht nehmen und war wie immer zugleich Sänger, Beatboxer und Rapper. Ein gewaltiges Pensum.

Der HipJazz bekam mit dem Einstieg von Ralf Schmid - bei allen erfolgreichen Solo-Projekten Kraus dabei - an den Tasten und Drummer Oli Rubow einen ganz neuen Kick. Rubow, sonst auch in der Hattler-Band, spielte mit Drive, Schmid suchte am Synthesizer auch mal das Duell mit seinem Trompeter-Freund, die Improvisationen wurden etwas länger, ohne dass Längen entstanden. Und meist regierte der flotte Groove. Der bewährte Schlachtruf "Zzzipp!" wurde an dem lauen Sommerabend mal in "Sprizzz" umgewandelt - genauso spritzig war das Konzert längst.

Tab Two in Blue gabs dann mit "Flagman Ahead" und dem Auftritt von Sandie Wollasch. Nun kamen noch mehr Songs und Balladen ins Spiel. Etwa das melancholische "No Way No War" oder "Between Us", in dem die Sängerin mit Soulpower auftrumpfte. Eine mitreißende "Belle Affaire" also, und die gabs auch in den Zugaben. Mit dem jüngsten Stück "The Patient" wurde der fast einmalige Abend ideal abgerundet. Ein Song, der aufzeigt, dass in der Kombination noch viel Zukunft stecken könnte. Ob es diese geben wird, vielleicht gar im Bandformat? Die Frage konnte selbst der intensive Blick in die Tiefen des Blautopf nicht beantworten.

 

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