Aus Ohnmacht wird Stärke

Ein Kurs der Alleinerziehenden-Seelsorge hat Mütter und Töchter in Roggenburg Selbstbewusstsein tanken lassen. Eine Wendo-Trainerin gab Tipps.

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In Roggenburg haben Mütter und Töchter geübt, sich in Bedrohungssituationen richtig zu verhalten.  Foto: 

Wendo, übersetzt der „Weg der Frauen“, ist ein in Kanada entwickeltes Konzept, das Frauen im Alltag Selbstsicherheit in Angstsituationen gibt. Dabei steht die mentale Stärke im Vordergrund. Für Claudia Possi von der Frauenseelsorge des Bistums Augsburg war dies die ideale Grundlage, jetzt erstmals ein gemeinsames Selbstbehauptungswochenende für Mütter und ihre Töchter anzubieten. Sieben Frauen aus der Region und ihre Töchter im Alter von 8 bis 13 Jahren nutzten die Gelegenheit.

Ihre Gründe, nach Roggenburg zu kommen und an dem Kurs teilzunehmen, waren vielfältig. Einige berichteten von Erlebnissen im Beruf, von einem zudringlichen Vorgesetzten oder einem sexistisch-rassistischen Kollegen. Andere waren aufgeschreckt durch die Ereignisse der Silvesternacht in Köln, die so viele Schlagzeilen machten und die Debatte in Deutschland wochenlang prägten. Die Töchter erzählten von Mobbing in ihren jeweiligen Schulen, „nur so zum Spaß“, oder von regelmäßiger Anmache in der Stadt und auf dem Weg zum Bus. „Mir fehlt da einfach die Schlagfertigkeit“, sagte ein Mädchen.

Diese Schlagfertigkeit, sagte Wendo-Trainerin Ille Bintig, beginne in der Regel im Kopf. „Egal, wie klein und jung ich bin, ich muss nicht in der Opferrolle sein.“ Was mentale Stärke bewirken kann, ließ Bintig die Teilnehmerinnen selbst ausprobieren: Dank der nötigen Konzentration und mit reichlich Selbstbewusstsein schafften es die Mädchen und Frauen, ein dickes Holzbrett mit der Hand zu durchschlagen. Und staunten anschließend über sich selbst: „Ich hätte nie gedacht, dass ich das schaffe, aber jetzt bin ich sehr stolz.“

Wendo sei kein Kampfsport, sondern das Besinnen auf die eigenen Stärken und da hätten Mädchen und Frauen jede Menge, betonte Ille Bintig. Um diese Stärken neu zu entdecken, müssten aber anerzogene Verhaltensweisen abgelegt werden, erklärte Claudia Possi: Frauen neigten dazu, Gründe für negative Erlebnisse zuerst bei sich selbst zu suchen und das Verhalten anderer zu entschuldigen. Dabei handelten sie oft gegen die eigenen Gefühle: „Dabei ist das, was wir spüren, richtig.“

Es sei wirklich äußerst frappierend, findet die Organisatorin, wie sehr Übergriffe gegen Frauen sogar schon akzeptierter Teil der Gesellschaft seien. Als Beispiele nennt sie die Werbung und die Darstellung der Frau in den Medien: „Diesen Sexismus merken wir als Frauen teilweise schon gar nicht mehr.“

Dagegen zu halten, sich abzugrenzen, Ohnmacht und Wehrlosigkeit in Stärke zu verwandeln, könne gelernt werden, versicherte Ille Bintig. Ein Beispiel: Die Lautstärke beim Sprechen. Ein Mädchen pflichtete der Referentin bei: „Mama, du musst wirklich viel lauter reden.“ Dazu gab die Referentin den Mädchen und Frauen auch rechtliche Hinweise, etwa zum Thema Notwehr: „Wenn jemand euer Leben bedroht und das auch verbal, dann ist alles erlaubt. Ihr müsst ja nicht abwarten, ob den Worten Taten folgen.“

Nach dem Kurs lobte Claudia Possi von der Frauenseelsorge das „tolle Gemeinschaftsgefühl“ und das Engagement der Kursteilnehmerinnen, die sich getraut, Ängste und Hemmungen ganz offen angesprochen hätten. „Und es war super, wie gut die Mädchen ihre Mütter reflektiert haben.“

Der Versuch, den Kurs gemeinsam für Mütter und Töchter anzubieten, sei durchweg gelungen, resümierte Possi. Das sahen auch die Teilnehmerinnen so: „Ich hab so was schon lange gesucht“, sagte eine Frau hinterher. Und ein Mädchen meinte: „So was sollte es viel öfter in den Schulen geben.“

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