Aus dem Leben eines Strafverteidigers

„Wir lesen“ am Kolleg der Schulbrüder Illertissen: Der Pate und Strafverteidiger Dr. Ingo Hoffmann hielt vor den Elftklässlern ein Plädoyer für seinen Beruf.

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Dr. Ingo Hoffmann hat den Illertisser Schülern einen abwechslungsreichen Tag beschert.  Foto: 

Bei ihm geht es um alles – von Überfällen auf Getränkemärkte, über in Pfirsichdosen verpacktes Kokain bis hin zu versuchtem Mord, um ein paar Beispiele zu nennen. Aber klar, bei dem Beruf: Dr. Ingo Hoffmann ist Strafverteidiger und seit 30 Jahren im Geschäft. Seine Arbeit definiert er so: „Ich bin der einseitige, parteiische Beistand meines Mandanten“, für den er das bestmögliche Ergebnis erreichen will.

Wie sich das seine Zuhörer – zwei Kurse mit Elftklässlern und ihren Kursleitern Maria Walz-Baur und Rudolf Farys – ganz praktisch vorstellen dürfen, dafür geht der Jurist dann tiefer ins Detail. Übrigens spricht er nur über  Fälle, wie er ausdrücklich hervorhebt, „über die schon in der Öffentlichkeit berichtet worden ist.“ Der Mann unterliegt schließlich der Verschwiegenheitspflicht.

Doch was sind eigentlich die Aufgaben eines Strafverteidigers in einem Strafprozess? Welche Rolle spielt er? Dazu meint er unter anderem: „Es gilt zwingend zu verhindern, dass ein Unschuldiger verurteilt wird.“ Oder, dass ein Schuldiger eine ungerechte Strafe erhalte. Wenn Hoffmann später Thomas von Aquin zitiert, dann ist dies sozusagen ein philosophisch unterfüttertes Plädoyer für seine Berufswahl: „Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit findet nicht statt.“

Der ehemalige Kollegschüler, der sich noch heute sehr gerne an seine Schulzeit erinnert, hat bedingt durch seine Profession Zugang zu verschiedensten Milieus. Da ist alles mit dabei: ob Drogendealer, gutbürgerliche Familien oder Räuber – die Spanne ist riesig. Auch einen Rocker hat er schon verteidigt. Spannend war für Hoffmann dabei „das Eintauchen in eine Parallelwelt“, wie er es formuliert. Es gebe wenig Berufe mit so engem Bezug zu den Menschen wie der des Strafverteidigers. Ein Schüler will wissen: „Haben Sie mal Drohungen bekommen?“ Eine gute Frage. „Nein, ich selber nicht“, erklärt Ingo Hoffmann, der für die Ulmer Kanzlei Urwantschky, Dangel, Borst & Partner tätig ist.

Des Strafverteidigers Vorgehensweise heißt klar: den Sachverhalt kennen, eine Verteidigungsstrategie entwickeln sowie ein Verteidigungsziel definieren. „Am Anfang sind die Gespräche mit mir kurz, dienen dem Kennenlernen“, sagt der Redner, der nicht nur „Wir lesen täglich“-Pate unserer Zeitung ist, sondern auch eine Schulpatenschaft mit dem Kolleg hat. Der Grund hierfür ist ein simpler: Er kenne ja die Aktenlage noch nicht.

„Wäre denn Leugnen oder eine fiktive Geschichte eine Alternative zur Wahrheit?“, möchte jemand aus dem Auditorium wissen. „Es ist nichts so schwierig wie schlüssig zu lügen“, lautet Hoffmanns Erfahrung. Und was ihn beträfe, käme so etwas sowieso nicht in Frage. „Wenn ich merke, nein, das ist nicht so, das stimmt nicht, dann versuche ich, Einfluss zu nehmen.“

„Und was passiert, wenn jemand unschuldig verurteilt wird?“, will jemand wissen. „Dann besteht der Tatbestand der faschen Verdächtigung“, legt der Jurist dar. Der Staat zahle übrigens nicht. „Die Haftentschädigung liegt bei zehn Euro pro Tag.“ Das könne man vergessen. Wenn es gut gelaufen ist, „habe ich ein richtig gutes Gefühl“, bekennt Ingo Hoffmann. Schließlich ist sein Ziel ja auch, „für meine Mandanten die bestmöglichen Folgen zu erzielen.“

Keine Frage, er würde seinen Beruf wieder ergreifen. Ob auch der eine oder andere seiner Zuhörer nach seinem Vortrag mal diese Karriere einschlagen wird, wird sich später zeigen. „Das Studium dauert lange“, findet der Rechtsanwalt.

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