Auftakt für den Abriss der Magirus-Villa

Die Vorarbeiten für den Abriss der Magirus-Villa haben begonnen: Zwei Buchen sind am Dienstag am Galgenberg gefällt worden, damit dort bald der Abbruch des Hauses beginnen kann.

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Mit der Fällung zweier Buchen auf dem Grundstück in der Fürsteneckerstraße am Galgenberg haben am Dienstag die Vorarbeiten für den Abriss der Magirus-Villa begonnen. Im Lauf der nächsten Wochen soll es mit dem Abbruch des Hauses losgehen, sagt Heinz Neudeck-Mützel, Geschäftsführer der Baufirma Casa Nova. Auf dem Grundstück entstehen acht Eigentumswohnungen in Geschossbauweise. Sie sollen im Sommer 2014 bezugsfertig sein.

Casa Nova baut für einen privaten Investor, der die Villa gekauft hat. Das Landesdenkmalamt hatte die 1921 vom Sohn des Firmengründers Conrad Friedrich Magirus gebaute Villa nicht unter Denkmalschutz gestellt, Begründung: Im Inneren des Hauses, in dem zwischenzeitlich das Ulmer Brotmuseum untergebracht war, sei wenig im Originalzustand.

Gegen den Abriss hatte eine Bürgerinitiative namens „Ausverkauf Galgenberg“ mobil gemacht. Über 2100 Unterschriften waren zusammengekommen, alle Fraktionen im Gemeinderat hatten sich des Themas angenommen, um letztlich festzustellen, dass der Abriss legal ist und die Stadt keine Handhabe hat. CDU-Stadtrat Dr. Hans-Walter Roth wandte sich am Dienstag mit einem Statement an die Presse: „Der Kampf um ein Ulmer Kulturerbe ist verloren. Vernunft weicht dem Gewinn, in unserer Stadt dürfen Kulturflegel das Erbe unser Vorfahren aus niedrigen Motiven zerstören.“

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Kommentare

27.02.2013 13:34 Uhr

Falsche Prediger

Dass sich das verdinglichte Verständnis dessen, was letztlich vergangenes Jahr notwendig zur Stilllegung der Fertigung von Lastkraftwagen im Donautal führte, am Objekt der einstigen Magirus-Villa in deren Abriss wiederholt, belegt vor aller Augen den so genannten lock-in-Effekt blockierter Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten selbst noch im Angesicht erwiesenermaßen lediglich als schiere Fiktion existenter Abhängigkeitsbeziehungen mit einseitigem Charakter (Mahnkopf, M.: Markt, Hierarchie und soziale Beziehungen. Zur Bedeutung reziproker Beziehungsnetzwerke in modernen Marktgesellschaften, in: Soziale Welt, Sonderband 9: Umbrüche gesellschaftlicher Arbeit, Göttingen, 1994, S. 74). Wenn man so will, lässt sich insofern sagen, dass nicht allein Kulturflegel geradezu wie von Sinnen dort am Werk sind, sondern zudem sich in Ulm unzählige Kohorten finden lassen, die nach wie vor vom Souverän strikt untersagt der Bevölkerung rückwärtsgewandt die Vormoderne predigen.

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27.02.2013 09:26 Uhr

Nun ja, nicht jeder

findet Altbauten schön. Es soll Menschen geben die den Altbauten moderne Architektur aus Holz Beton Glas Metall bevorzugen So ist das eben im Leben. Nicht alle haben den gleichen Geschmack ;)

Und mal ehrlich, so überagend schön ist der Galgenberg auch nicht, und die ganzen Privatgründstücke darf ich auch nicht betreten. Oder laufen sie alle am Galgenberg (und anderstwo) regelmäßig die Gartenzäune entlang, um sich anderer Leute Häuser und Gärten anzusehen? ;)

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26.02.2013 23:30 Uhr

die Kulturflegel roden auch 100jährige Bäume im Alten Friedhof, um einen Weg zu verlegen

die Kulturflegel werden noch viele Baudenkmäler und stadtbildprägende Bauten abreißen, weil die Verwaltung dies zuläßt. Höchste Zeit, daß sich die Politik dazu nicht nur Gedanken macht, sondern Taten folgen läßt!

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26.02.2013 21:48 Uhr

"Kulturflegel" - trefflich ausgedrückt

Herr Dr. Roth! Gewisse Parallelen zum Kahlschlagprojekt Stuttgart 21 sind unverkennbar. Auch dort pfeifen armselige Kulturbanausen des Kommerzes wegen auf den Denkmalschutz, haben ihn sogar ausgehebelt und überlassen den geschützten Bonatzbau den Vandalen von der Bahn AG, die ihr Zerstörungswerk unterstützt durch eine unbedarfte Polit-Clique und ihre Seilschaften auch ungestört und LEGITIM verrichten darf.

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26.02.2013 20:42 Uhr

Zitat Demo Banner:

Was die Kriege nicht geschafft haben, schafft der Kommerz.

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