Auf Kosten der Firma getankt

Der Betrug wurde dem Lkw-Fahrer einfach gemacht, bestraft hat ihn das Amtsgericht Neu-Ulm dennoch: Der Mann hatte mit der Tankkarte seines Arbeitgebers auch privat Sprit gezapft.

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Dank Handy beim Tanken Geld sparen?  Foto: 

Einmal tanken, 500 Liter. Das lohnt sich, zumal die Rechnung direkt an den Arbeitgeber geht. Einfach tanken, Tankkarte vorlegen und die für die ganze Spedition gleiche Geheimnummer angeben, fertig. Ein verlockendes Geschäft, weshalb ein 53-jähriger Lkw-Fahrer die laxen Sicherheitsvorkehrungen seiner Firma offenbar als Angebot verstand, und gleich dreimal mit seinem Privatauto und mehreren 50-Liter-Kanistern an der Tankstelle in Neu-Ulm vorfuhr.

Irgendwann aber fiel das selbst in der Spedition mit dem Firmensitz auf den Fildern auf. Dort allerdings waren 36 Fälle aufgelistet, was darauf schließen lässt, dass sich noch mehr Fahrer derlei Methoden bedient haben. Denn eine wirksame Kontrolle gab es nicht. Die Spedition hatte alleine in der Region 16 Lkw stehen, zu denen jeder Fahrer Zugang hatte – die Schlüssel waren am Fahrzeug deponiert.

Bei den Papieren im Führerhaus waren die Tankkarten hinterlegt, die allesamt mit nur einer einzigen und für alle Karten gleich lautenden Geheimnummer zu bedienen waren. Insofern konnte sich jeder Fahrer, ob im Dienst oder in der Freizeit, gekündigt oder in Rente, weitgehend gefahrlos bedienen. Insgesamt hat das Unternehmen knapp 1000 Fahrzeuge auf die ganze Bundesrepublik verteilt. Für die Region gab es eine spezielle Tankstelle in Neu-Ulm, bei der die Lkw der Spedition tanken konnten.

Der Oberstaatsanwalt blieb bis zum Schluss bei seiner Einschätzung, dass der 53-Jährige für alle 36 Fälle verantwortlich sei. Tatsächlich hat der aber nur die drei Fälle zugegeben, die allerdings weit auseinanderliegen. Der erste Fall war im Oktober, die anderen beiden erst wieder im Juli dieses Jahres. Außerdem hat der Fahrer den der Firma entstandenen Gesamtschaden in Höhe von 20.000 Euro beglichen, was der Anklagevertreter quasi als Schuldeingeständnis wertete und in seinem Plädoyer immerhin zwei Jahre Haft auf Bewährung verlangte.

Der Vorsitzende Richter allerdings blieb weit darunter. Er verurteilte den Fahrer wegen dreier Fälle des Betrugs zu einer Geldstrafe in Höhe von 5000 Euro (100 Tagessätze zu jeweils 50 Euro). Im Übrigen hat die Spedition nun ein neues System eingeführt. Jetzt verfügt jeder Fahrer über eine eigene, nur ihm bekannte Geheimnummer zum Tanken.

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