Auf dem schmalen Grat zwischen Dada und Gaga

"Glänzend aufgelegt" nennt Reiner Schlecker seine Ausstellung in der Galerie im Science Park. Er eröffnete sie mit einer Performance.

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Ein Künstler mit jeder Menge hintersinnigem Humor: Reiner Schlecker in der Galerie im Science Park. Foto: Matthias Kessler

"Aber jetzt kommt der Clou." Auf selbigen hat das Publikum fast eine Stunde gewartet, als Reiner Schlecker mit Reinhold Krezel am Keyboard von der "Perle des Illertals", von Frank Zappas Besuch in Langenau oder von dem "Negerdorf - das darf man ja heute nicht mehr sagen - im Illertal" erzählte. Aber was heißt da erzählte, er sprach bisweilen rhythmisch, reimte und wiederholte manches und versprach immer wieder besagten Clou. . .

Die Pointe ist bei diesem Künstler eine vertrackte Sache, bewegt er sich doch auf einem Grat zwischen Dada und Gaga, zwischen skurriler Heimatkunde - das "Negerdorf" gab es, bis es von den Nazis aufgelöst wurde, tatsächlich bei Vöhringen - und frei gesponnener Fantasie, die gerne den Nonsens streift. So war seine Performance im besten Sinne anstrengend unterhaltsam. Wie sollte das auch anders sein, wenn sich einer so intensiv mit seiner eigenen Geschichte und also dem Begriff Heimat, die ist unangreifbar das schöne Illertal, reibt.

Wer nun die Performance nicht sehen konnte, der hat zwar etwas versäumt, doch sind die Objekte, Zeichnungen und Installationen, die er in der Galerie im Science Park präsentiert, deren Umsetzung mit anderen Mitteln. Denn was sollte eine in Bronze gegossene Lederhose, die von einem Skelett getragen wird und aus deren Hosenlatz Blasmusik dröhnt, sonst sein, als ein zu hinterfragendes Symbol für Heimat und Tradition? Das Gleiche dann mit Strapsen zu wiederholen, die bisweilen wie riesige Insekten daherkommen, spricht für den feinsinnigst erweiterten Kunstbegriff des Künstlers.

Heimatgeschichte ohne Kunstgeschichte, das geht nicht! Und so fragt Schlecker in einem großen, mit monochromer roter Folie überzogenen Format: "Ist die Abstraktion gekonnt?" Oder daneben hängend und ganz ähnlich gemacht: "Hat die Arbeit eine Seele?" Hier ist Schluss mit Gaga, hier setzt der Künstler eine (etwas plakative) Volte gegen die Konkreten.

Info Reiner Schleckers Arbeiten sind bis 24. Januar in der Galerie im Science Park (Lise-Meitner-Str. 5-7) zu sehen: Mo-Fr 9-12/13-17 Uhr.

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