Auf das ehemalige Mercedes-Gelände soll ein Getränkemarkt

Was geschieht mit dem ehemaligen Mercedes-Gelände in der Neu-Ulmer Innenstadt? Viele Stadträte haben andere Vorstellungen als der Eigentümer. Der möchte an einen Getränkemarkt vermieten.

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Auf das ehemalige Gelände der Mercedes-Niederlassung in der Neu-Ulmer Industriestraße soll nach dem Willen des Eigentümers ein Getränkemarkt ziehen. Das schmeckt vielen Stadträten nicht.  Foto: 

Für das ehemalige Gelände der Mercedes-Benz-Niederlassung in der Industriestraße gab es in den vergangenen Jahren schon viele Pläne. Auch ein Gewerbe-Schwerpunkt rund ums Auto war mal im Gespräch. Letztlich zerschlug sich alles, die Gebäude wechselten den Eigentümer. Derzeit hat sich in einem Teil eine Kart-Bahn eingemietet. Geht es nach dem Eigentümer, soll demnächst noch ein Getränkemarkt einziehen.

Den Stadtplanern und den meisten Stadträten schmeckt das nicht. Sie haben mit dem Gelände Ecke Reuttier Straße hochfliegendere Pläne. Nicht nur wegen der zentrumsnahen Lage, auch wegen der innerstädtischen, hochwertigen Bebauung in der Nachbarschaft. Stadtbaudirektor Markus Krämer führte in der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung explizit das Venet-Haus des Investors Werner Schneider nicht mal 100 Meter entfernt an: „Er hätte sicher keinen Getränkemarkt gebaut.“

Für die Stadträte wäre es ein Leichtes, den Markt zu verhindern. Denn laut Bebauungsplan ist eine solche Nutzung nicht zulässig. Um den Markt möglich zu machen, muss der Bebauungsplan geändert werden. Einige Stadträte sind denn auch grundsätzlich gegen eine Änderung. „An einem Stadteingang passt ein Getränkemarkt nicht“, findet Christa Wanke (FDP). Wenn die Stadt an einer höherwertigen Nutzung und Bebauung interessiert sei, müsse sie einfach mal abwarten, bis sich etwas Neues ergebe. „Wir sollten nicht so schnell von unseren Zielen abweichen.“ Sie und drei weitere Stadträte von FDP, Grünen und FWG lehnten eine Änderung des Bebauungsplans ab.

Die Mehrheit stimmte zu – aus ganz unterschiedlichen Beweggründen. Hans Aicham-Bomhard (CSU) etwa, weil er den Getränkemarkt ermöglichen will. Der Eigentümer habe ihm gegenüber betont, dass er das Grundstück nicht anders bebauen wolle. Die Gebäude sollen auf absehbare Zeit bleiben, wie sie sind. Die Stadt, fürchtet Aicham-Bomhard, könnte also ewig warten, bis sich etwas tut. Der Eigentümer habe ihm aber auch versichert, dass er Gebäude und Gelände „optisch aufwerten“ wolle, wenn der Getränkemarkt einziehen darf.

Eine durchaus verlockende Vorstellung für manche Stadträte. Denn mit dem derzeitigen Erscheinungsbild sind sie alles andere als zufrieden. Mehrere beklagten den öden, verwahrlost scheinenden Zustand. „Unschön“, nannte ihn der Stadtbaudirektor.

Auch Ulrich Seitz (SPD) will keinen Getränkemarkt an dieser Stelle. „Das wäre die Kapitulation.“ Dennoch machte er sich dafür stark, den Bebauungsplan zu ändern – allerdings nur, um in diesem Zusammenhang zu prüfen, welche rechtlichen Möglichkeiten es gibt, die Nutzung des Grundstücks anders zu regeln, also zu beschränken. Seitz hält Gewerbe „in dieser Wohnlage“ gar nicht für sinnvoll.

Das sehen auch andere Stadträte so. Ein Getränkemarkt widerspreche dem vom Stadtrat beschlossenen Einzelhandelskonzept für die Innenstadt, findet Mechthild Destruelle (Grüne). „Wenn wir das erlauben, haben auch andere das Recht darauf.“ Oder wie es Seitz ausdrückte: „Wer einen Sündenfall begeht, darf sich nicht wundern, wenn weitere folgen.“

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