Auch Audi fährt auf Ulm ab

In der Ulmer Wissenschaftsstadt geht es Schlag auf Schlag: Nach Conti eröffnen dort BMW und nun auch Audi neue Standorte. Die Zeichen stehen auf Expansion. Gefragt sind dabei vor allem die Ingenieure von Nokia.

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Im Energon-Gebäude auf dem Oberen Eselsberg ist die BMW-Tochterfirma "BMW Car IT" mit 60 Mitarbeitern eingezogen. Auch der Autobauer Audi will mit seiner Tochter E-Solutions eine Niederlassung in Ulm eröffnen.  Foto: 

Der Münchner Automobilkonzern BMW Group hat die Eröffnung eines Standorts für Auto-Software-Entwicklung im Science Park II in Ulm gestern offiziell bestätigt. Außerdem wurde bekannt, dass Audi mit der Tochter E-Solutions ebenfalls eine Niederlassung in Ulm eröffnet. Sprecher Julio Schuback sagte, man werde zum 1. November einen Standort für Car-Infotainment mit 50 Mitarbeitern in Betrieb nehmen: "Perspektive über 100." Die genaue Adresse sei noch nicht bekannt: "Wir prüfen Locations." An E-Solutions ist neben Audi der finnische Spezialist Elektrobit beteiligt. Zu den Projekten des Unternehmens mit etwa 200 Mitarbeitern zählen die neue Navigation für den Audi A 3 und die Anwendung eines verbesserten Intel-Chips im A 8.

BMW ist in Ulm schon etwas weiter und seit Monatsbeginn Mieter im Passivhaus Energon. Es handelt sich um eine Niederlassung der Tochterfirma BMW Car IT mit zunächst 60 Mitarbeitern. In der Konzernzentrale bestätigte eine Sprecherin, dass die neuen Beschäftigten "fast alle von Nokia" stammen. Es gebe Pläne, den Standort in Ulm in Zukunft weiter auszubauen.

In einer Mitteilung von BMW heißt es: "Ausschlaggebend für den Standort Ulm ist die Verfügbarkeit von Software-Experten und Informatikern und die Nähe zu Hochschulen." Der Automobilhersteller hat somit ähnlich wie der Autozulieferer Conti auf die Schließung des Nokia-Standorts im Science Park II zum Jahresende reagiert. Bei Nokia in Ulm verlieren durch diese Schließung 730 auf Handykommunikation spezialisierte Ingenieure ihren Arbeitsplatz. Wie Nokia mitteilte, gab es für diese Experten aber insgesamt rund 1000 Stellenangebote.

Bei der BMW Car IT handelte es sich nach den Worten der Konzernsprecherin anfangs um ein kreatives Team (Think Tank), das Ideen für die Ausstattung von Fahrzeugen mit Kommunikationstechnologie entwickelte. Inzwischen gehe es um konkrete Anwendungen für Serienfahrzeuge. Die Car IT beschäftigte bisher 50 Mitarbeiter in München. Geschäftsführer sind Dr. Reinhard Stolle und Harald Heinecke.

Der Standort Ulm wird als Betriebsstätte geführt. Schwerpunkt ist die Entwicklung von Software für die Fahrzeugvernetzung, die nach Angaben von BMW eine immer wichtigere Rolle in den Autos spielt. Das Ganze steht unter dem Titel "BMW Connected Drive" und soll ein Infotainment-Erlebnis beim Fahren vermitteln, also Information und Unterhaltung gleichermaßen. Im Vordergrund stehen Programme für Smartphones - also Apps -, Notruf-Funktionen, Navigation, Sprachverarbeitung sowie Head-Up-Displays, bei denen relevante Informationen auf die Windschutzscheibe projiziert werden. Somit muss der Fahrer nicht mehr nach unten schauen, wenn er auf dem Tacho die Geschwindigkeit abliest.

Das BMW-Team im Energon arbeitet an zwei weiteren Schwerpunkten. Es handelt sich zum einen um eingebettete Systeme. Das ist Software, die für den Anwender nicht sichtbar im Hintergrund läuft, wie etwa bei der Steuerung der Fahrdynamik oder bei der Bildverarbeitung in kamera-basierten Fahrerassistenzsystemen. Darüber hinaus geht es um ein offenes Auto-Betriebssystem auf Linux-Basis für Information, Unterhaltung und Unterstützung des Fahrers.

Conti ist auf einem ähnlichen Feld in Ulm tätig. Der Autozulieferer eröffnet einen Standort für Fahrerassistenzsysteme in der Söflinger Straße, für den 100 Mitarbeiter von Nokia gewonnen wurden (wir berichteten). Bei Fahrerassistenzsystemen handelt es sich aus Sicht von Conti um eine Schlüsseltechnologie in Sachen Fahrsicherheit. Das Ziel: unfallfreies Autofahren. Die "unsichtbaren Beifahrer" hätten sich in den Fahrzeugen der Ober- und Mittelklasse inzwischen etabliert, teilte Conti mit. Nun gehe es darum, die Technologien verstärkt in Kleinwagen anzuwenden - wie den Notbremsassistenten für Stadtautos.

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