Kampf um Blaue Tonne

Ulm.  Stehlen die Entsorgungsbetriebe der Stadt Ulm (Ebu) Papiertonnen der Abfallfirma Braig? Diesen Vorwürfen des Entsorgers widerspricht Ebu-Betriebsleiter Michael Potthast energisch: "Das stimmt nicht".

. "Ende vergangener Woche erreichte uns ein Anruf eines Kunden, dessen sechs Blaue Tonnen aus unserem Hause ohne dessen Bestellung und Einwilligung durch einen fremden 1,1 Kubikmeter-Container getauscht wurden." So steht es in einem Brief, den die Ehinger Entsorgungsfirma Braig an die Mitglieder des Ulmer Gemeinderats geschrieben hat. Es sei ja egal, ob sechs Tonnen dastehen oder ein Container, sei die Begründung gewesen.

Allerdings gehören die Tonnen der Firma Braig, der Container aber wurde von den Ebu aufgestellt. "Weder wurde der Tausch durch den Kunden angefordert", heißt es im Braig-Schreiben weiter. "Noch bekamen wir bisher Meldung zum Verbleib unserer sechs Blauen Tonnen. Dies stellt für uns einen klaren Diebstahl dar, den wir bereits bei der Polizeidirektion Ulm angezeigt haben."

Seit die Stadt im Mai eigene Blaue Tonnen eingeführt hat, ist der Wettbewerb zwischen ihren Entsorgungsbetrieben und der Firma Braig entbrannt, die ihre Tonnen für Papiermüll in Ulm schon seit 2007 betreibt. "15 000 dieser Behälter haben wir dort aufgestellt", versichert Firmenchef Karl Eberhard Braig. Dem steht das Angebot der Stadt kaum noch nach: "Wir haben die 10 000er-Grenze demnächst erreicht", sagt Potthast. Die Ebu seien mit der Resonanz, die ihr Angebot gefunden hat, "sehr zufrieden".

Ziel der Ebu ist, einen möglichst hohen Anteil am wieder attraktiv gewordenen Papiermarkt zu erobern. Ihr Wachstum geht selbstverständlich zu Lasten von Braig. In einer breit angelegten Werbeaktion haben die Ebu im Frühjahr viele ehemalige Braig-Kunden für den Wechsel gewonnen.

An dieser Stelle scheint auch das Problem zu liegen, das Braig-Mitarbeiter jetzt erzürnte. Der Wechsel führt dazu, dass die schwarzen, mit einem blauen Deckel ausgestatteten Braig-Tonnen gegen die blauen der Stadt ausgetauscht werden müssen. "Braig holt seine Tonnen nicht selber ab", erklärte Potthast gestern dazu befragt. Deshalb hätten sich die Ebu schon am 17. März darauf verständigt, dieses Geschäft für ihn zu übernehmen und die Braig-Tonnen ihrem Gelände zwischenzulagern. Sobald eine Wagenladung zusammen ist, wollen die Ebu sie nach Ehingen bringen.

Dem wiederum widerspricht Braig. Seine Firma vermisse so viele Behälter, dass sie gerade welche nachbestellen musste. "Wir sind über die neue Vorgehensweise, welche nach dem Wechsel der Betriebsführung der Ebu an den Tag gelegt wird, sehr schockiert", heißt es weiter im Schreiben seiner Firma. Da werde versucht, einen unliebsamen Mitbewerber herauszutreten.

Braig bestätigt, dass Ebu-Mitarbeiter am Montag erstmals um die hundert eingesammelte Tonnen nach Ehingen gebracht haben.

Laut Potthast haben die Ebu keine Braig-Tonnen gegen den Willen ihrer Nutzer abgeholt. Der Fall der sechs Behälter lasse sich allerdings nicht sofort klären, weil sich der Fahrer, der sie auflud, im Urlaub befinde. Falls diesem Fahrer ein Irrtum unterlaufen sei, so lasse der sich nach der Rückkehr klären.

Braig hat Potthast aufgefordert, die Erklärung abzugeben, dass er solche Geschäftspraktiken künftig unterlasse. Dem will Potthast nicht nachkommen: "Ich kann mich doch nicht verpflichten, etwas zu unterlassen, das ich nicht getan habe."


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