Sulz · Corona: Aufruf zu gegenseitiger Hilfe

Absperrbaken genügen nicht, um das Coronavirus von Sulz fernzuhalten. Die Stadtverwaltung hat jedoch am Wochenende eine „Arbeitsgruppe Infektionsschutz“ eingerichtet. Bei einer Sitzung sollen am heutigen Montag das weitere Vorgehen und die Kinder-Notbetreuung besprochen werden.
Cristina PriottoEine Extra-Arbeitsschicht musste Bürgermeister Gerd Hieber am gestrigen Sonntag wegen der Entwicklung des Coronavirus einlegen. Zudem hat die Stadtverwaltung am Wochenende eine „Arbeitsgruppe Infektionsschutz“ unter Hiebers Leitung eingerichtet, die sich permanent zu den notwendigen Maßnahmen austauscht. Wie Hieber im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE am Telefon mitteilte, werden am heutigen Montag, 16. März, alle weiteren Schritte, insbesonderweiterer e, was die mögliche Schließung städtischer Einrichtungen betrifft, entschieden, koordiniert und kommuniziert, auch in der Gemeinderatssitzung. Auf der städtischen Homepage hat Frank Börnard eine Extra-Rubrik „Coronavirus“ eingerichtet und stellt laufend Informationen ins Internet.
Elterntelefon wird eingerichtet
Wegen der Schließung der Kindertagesstätten sowie aller Grund- und weiterführenden Schulen in der Gesamtstadt erhalten die Eltern am heutigen Montag über die jeweilige Einrichtung weitergehende Informationen, insbesondere wie die Stadt die Notbetreuung von Kindern, deren alleinerziehende Eltern oder beide Elternteile in systemrelevanten Berufen arbeiten, bis zu den Osterferien sicherstellen will. „Wir richten heute für die Eltern ein Elterntelefon ein“, kündigte Hieber am Sonntag an. Eine E-Mail Kontaktadresse gibt es bereits.
In dem Brief an die Bürger schreibt der Sulzer Bürgermeister: „Die weltweite Ausbreitung von Covid-19, bekannt unter dem Namen Coronavirus, wurde vergangene Woche von der Weltgesundheitsorganisation WHO zu einer Pandemie erklärt. Wir befinden uns in einer ernsten Lage, die uns vor große Herausforderungen stellt. Von Minute zu Minute verbreiten sich neue Nachrichten darüber, wie gefährlich die Viruserkrankung ist, wie man sie am besten bekämpft und zu welchen Reaktionen dies in der Gesellschaft führt“. Die meisten Bürger auch in Sulz hätten das Verhalten bereits umgestellt. „Wir sind Bestandteil dieser Welt und wir fühlen uns mit allen Betroffenen solidarisch“, unterstreicht Gerd Hieber.
In dieser außergewöhnlichen Lage gelte es aber, sich auf das zu konzentrieren, was in Sulz und den Ortsteilen getan werden kann, muss und was nicht getan werden muss. Dazu gehören laut Hieber drei wesentliche Schritte: Erstens das Virus ausbremsen, zweitens die Versorgung sicherstellen und drittens über das Virus informieren. „Zuallererst ist es wichtig, die Verbreitung des Coronavirus zu verlangsamen“, macht der Bürgermeister von Sulz klar. Damit solle vermieden werden, dass sehr viele Menschen gleichzeitig untersucht, im Falle einer Erkrankung isoliert und in besonders schweren Fällen intensivmedizinisch behandelt werden müssen.
Zudem verweist Hieber eindringlich darauf, bei einem Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus ohne vorherige telefonische Rücksprache keinen Arzt, kein Krankenhaus und kein Gesundheitsamt aufzusuchen.
Generell empfiehlt der Sulzer Bürgermeister, die Kontakte untereinander soweit es irgend geht zu beschränken. „Reduzieren Sie das Risiko und übernehmen Sie Verantwortung, indem Sie öfter zuhause bleiben. Halten Sie sich an die Hygiene-Ratschläge. Verschieben Sie familiäre Feiern, insbesondere dann, wenn ältere Menschen daran teilnehmen“, appelliert Hieber an die Vernunft der Menschen in Sulz.
Bezüglich der Sicherstellung der Versorgung der Bürger stellt der Bürgermeister erleichtert fest: „Trotz der Hamsterkäufe gelingt dies“ und beruhigt: „Es wird auch weiterhin Nahrungsmittel, Medikamente und alles zum Leben Notwendige geben.“ In diesem Zusammenhang dankt Gerd Hieber insbesondere Einzelhandel, Logistik, Medizintechnik, Apotheken, Strom- und Wasserversorgung, Handwerkern, Polizei, Feuerwehr, Verwaltungen, Lehrkräften, Sozialstation und Feuerwehr und appelliert an die Bürger, diese Leistung anzuerkennen und sie zu respektieren. „Ein Streit an der Kasse, weil Einzelne meinen, große Mengen Toilettenpapier horten zu müssen, ist nicht dem Ernst der Situation angemessen, egoistisch und schlicht unanständig“, wendet Hieber sich gegen um sich greifende Hamsterkäufe.
Stattdessen fordert Gerd Hieber: „Verwenden Sie Ihre Energie darauf, denjenigen Hilfe zu leisten, die sie benötigen“ und nennt als Beispiele, darauf zu achten, ob die Menschen in der Nachbarschaft gesund sind und etwas zum Leben benötigen. „Auch wenn wir Kontakte vermeiden müssen, sollten wir in dieser Hinsicht näher zusammenrücken: Je besser wir uns gegenseitig unterstützen, desto besser überstehen wir diese Pandemie“, betont der Bürgermeister von Sulz und schlägt vor, gerade älteren Menschen vorzuschlagen, Besorgungen und Einkäufe für sie zu erledigen.
Die Stadtverwaltung tue alles, um ihrer Rolle gerecht zu werden, beobachte die Situation und ergreife in Zusammenarbeit mit den übergeordneten Behörden alle notwendigen Schritte.
Infobereich auf der Homepage
Um kursierenden Gerüchten und Falschmeldungen entgegenzutreten, informiert die Stadtverwaltung über die Tageszeitungen, die Homepage in einem eigens eingerichteten Bereich „Coronavirus“, das Mitteilungsblatt und den städtischen Facebook-Kanal.
Da die Verbreitung des Coronavirus einer hohen Dynamik unterliegt, müssen die Maßnahmen zur Eindämmung und Verlangsamung dieser Pandemie ständig angepasst werden. Die „Arbeitsgruppe Infektionsschutz“ unter Hiebers Leitung kümmert sich darum.